Vom 28. September bis zum 9. Oktober 2017 war ich zum ersten Mal in Island.
Mein Hauptaugenmerk auf dieser Reise war die Landschaftsfotografie.
Nach ein paar Tagen in Reykjavík fuhr ich mit einem Mietwagen zuerst entlang der Süd-, und später dann entlang der Westküste, um mir einige der besonderen Orten in Island anzusehen und sie zu fotografieren.
Während dieser Reise habe ich täglich kurze Berichte in meinem Blog hier geschrieben und auch eine Galerie mit Bildern angelegt.
Dieser „Bericht“ hier ist eine Zusammenfassung der Blogbeiträge.


Der Tag vor der Abreise – Vorfreude

Die Koffer sind gepackt. Für mich, der gerne mit möglichst leichtem Gepäck reist, wenn er fliegt, ist die Mehrzahl ein Novum. 😉
Ich habe dieses Mal nämlich zwei Koffer dabei, da ich noch einiges an Fotoausrüstung mitnehme. Ich will die wunderschöne Landschaft in Island schliesslich in einer möglichst hohen Qualität aufnehmen. Da reicht der kleine Sensor meiner „travellin‘ cam“, der NIKON 1 V2 leider nicht. Da brauche ich „schweres Geschütz“, und das hat sein Gewicht, und auch ein gewisses Volumen. Nicht zuletzt, weil ein gutes, stabiles Stativ ein absolutes Muss ist für das, was ich geplant habe. Was ich alles dabei habe, und was davon wirklich nützlich war und was ich überflüssigerweise eingepackt hatte, habe ich hier in meinen Reisetipps für Fotografen beschrieben.
Aber auch die regen- und windfeste Kleidung und Schuhe, die ich benötige, um den Wetterkapriolen in Island zu trotzen, sind halt auch nicht so leicht und dünn wie eine Badehose und ein Handtuch. 😉
Heute Abend fahre ich dann kurz zum Flughafen und gebe mein Gepäck schon einmal auf. Somit wird das Boarding morgen zu einer einfachen und hoffentlich stressfreien Sache.

Mein Flug FI569 nach Island geht um 14:00 ab Zürich und kommt um 15:50 am Flughafen Keflavík an. Scheint auf den ersten Blick ein kurzer Flug zu sein.
Wenn da die Zeitverschiebung nicht wäre. Die Uhren in Island haben nämlich UTC, also die Zeit über dem Meridian in Greenwich. Und das sind zwei Stunden weniger als bei uns, da Island auch keine Sommerzeit hat.
Mein Flug dauert also tatsächlich 3 Stunden und 50 Minuten, und in Schweizer Zeit gerechnet, komme ich um ca. 17:50 am Flughafen Keflavík an.
Von Keflavík geht es dann mit dem Flybus nach Reykjavík in mein erstes Hotel, das Sunna Guesthouse.
Dort werde ich drei Nächte bleiben. So habe ich zwei volle Tage Zeit, Reykjavík zu erkunden; bevor ich dann am Sonntag, 1.10.17 meinen Mietwagen übernehmen werde und mich auf meine achttägige Tour entlang der Süd- und Westküste Islands begebe.

Der erste Tag – Ankunft, Nachtfotografie und Nordlichter

Nun bin ich also in Reykjavík angekommen und habe mein Hotelzimmer bezogen. Im Sunna Guesthouse bleibe ich bis am Sonntag.
Der Transfer mit dem Flybus vom Flughafen zum Hotel dauerte noch einmal fast solange wie der eigentliche Flug. 😉

Das Wetter hier ist im Moment absolut super. Blauer Himmel und Sonne bei ca 9 Grad. Aber morgen soll es regnen.

Beim Auspacken habe ich dann eine unangenehme Überraschung erlebt.
Die Flughafen Security in Zürich hat meinen kleineren Koffer mit der Fotoausrüstung geöffnet und sämtliche Batterien und Ersatzakkus entfernt. Das sei im Fluggepäck nicht erlaubt.
Das wusste ich so nicht, und ich hatte bisher auf jeder Reise immer genügend Ersatzakkus und Batterien im Gepäck, ohne dass es dabei Probleme gab. Die Akkus in den Kameras wurden aber zu Glück drin gelassen. Und die drei Ersatzakkus im Handgepäck wurden nicht beanstandet. Offenbar sollte man die grundsätzlich im Handgepäck dabei haben.
Zum Glück habe ich zu jedem Akkutyp noch je ein Ladegerät eingepackt. Sonst wäre ich jetzt ziemlich aufgeschmissen. So muss ich die Akkus halt dann täglich laden, und schauen, wo ich Batterien kaufen kann. Die dürften hier allerdings wie alles ziemlich teuer sein.  (siehe auch den entsprechenden Blogeintrag)
Ach ja. Ich kann meine Akkus nach meiner Rückkehr in der Gepäckablage am Flughafen Zürich wieder abholen. Kostet mich bloss 30.– Gebühr.
Wären da nicht die teuren Akkus für die Kameras dabei, sondern nur die Batterien, würde ich es bleiben lassen. Aber die Akkus kosten ein Vielfaches der Gebühr…

Aurora borealis über Reykjavik

Heute Abend habe ich zum ersten Mal Nordlichter in am Himmel gesehen. Völlig überraschend.
Ein absolut einmaliges Naturschauspiel, das man in unseren Breitengraden leider nicht zu sehen kriegt.
Die grünen Lichter tauchen nicht einfach am Himmel auf und verschwinden dann wieder. Sie sehen eigentlich aus wie grüne Nebelschwaden, die zu wandern scheinen. Es sieht aus, als würden sie von einem Wind bewegt. Und wie Nebelschwaden im Wind werden sie auch stärker und schwächer, bis sie am Schluss ganz verschwinden.
Eigentlich bin ich nach dem Nachtessen einmal mit Kamera und Stativ raus, um ein paar Nachtbilder von Reykjavik zu schiessen. Da es die nächsten zwei Tage laut Wetterbericht regnen soll, musste ich die klare und trockene Nacht noch nutzen.
Als ich gerade dabei war, einige Bilder für eine HDR Aufnahme der Hallgrímskirkja (Hallgrimms Kirche) zu schiessen, tauchten plötzlich Nordlichter am Himmel auf. Das Schauspiel war sehr eindrücklich, aber auch kurz.
Leider sind mir in der Eile nicht gerade die besten Bilder gelungen, aber ich hoffe, dass ich während meiner Reise noch einmal Gelegenheit haben werde, dieses einzigartige Schauspiel der tanzenden, grünen Lichter am nächtlichen Himmel zu fotografieren.

 

Der zweite und dritte Tag – In Reykjavík

Heute: Wind und Regen in Reykjavík

Nachdem mich Island gestern mit wunderschönem Sonnenwetter empfangen hat, hat sich das Blatt heute gewendet: Regen und Wind sind angesagt.
Wie gestern liegen die Temperaturen hier tagsüber um die 9 Grad Celcius. Eigentlich nicht wirklich schlimm, aber mit Wind und Nässe fühlen sich die neun Grad deutlich unangenehmer an als mit Sonne. 😉
Man hat mir schon im Vorfeld meiner Reise gesagt, dass das Wetter in Island sehr schnell ändern kann. Also bin ich nicht wirklich überrascht.
Ich habe das schon einmal so erlebt. Als ich nach meiner Matura 1983 mit Interrail in Schottland unterwegs war, habe ich einem Tag in Inverness so viele Wetterwechsel erlebt, dass ich damals das Gefühl hatte, alle Formen von europäischem Wetter an einem Tag erlebt zu haben.
Damals wie heute gibt es da eigentlich nur ein Rezept: gute, wetterfeste Kleidung.
Dank meiner Bekannten, die schon mehrfach in Island waren, habe ich diese auch mitgenommen, und wer mich kennt, weiss, dass ich lieber Kälte als Hitze habe. Ich bin also am richtigen Ort. 😉

Und am nächsten Tag hat das Wetter wieder eine Kehrtwende gemacht: Heute ist Sonnenschein angesagt.
Den ganzen Tag war es warm und sonnig. An windstillen Ecken in der Stadt konnte man seinen Kaffee draussen sogar ohne Jacke geniessen, und die Durchschnittstemperatur stieg von rund 8 auf 11 – 12 Grad an.
Ich habe heute den Alten Hafen von Reykjavík erkundet. Die Gegend bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten:Der alte Hafen von Reykjavik
Museen, Hotels, Restaurants, kleinere und grössere Läden, und sogar Einkaufszentren. Ein grosser Teil der Anlage ist Fussgängerzone, in der man auch Marktstände und Strassenmusiker findet.
Direkt am Wasser hat es viele Anbieter von Schiffstouren, um zB Wale oder Vögel beobachten zu können. Die vielen Baustellen zeugen zudem davon, dass die Stadt hier offenbar noch einiges vorhat und das Gebiet noch weiter ausbauen will.
Trotz des schönen Wetters habe ich auch das eine oder andere Museum besucht. Dabei habe ich unter anderem etwas über Islands Vulkane gelernt und zwei gute Dokumentarfilme über die grossen Vulkanausbrüche 1973 auf den Westmännerinseln und 2010 auf der Hauptinsel gesehen.
An letzteren kann ich mich noch gut erinnern, weil durch den Ausbruch, respektive wegen der Asche, die dabei in die Atmosphäre geschleudert wurde, der Flugverkehr in fast ganz Europa und Nordamerika zum Stillstand gekommen war.
Ich habe damals in der Kaserne Kloten direkt neben dem Flughafen gearbeitet, und erinnere mich noch sehr gut an die ungewöhnlich Ruhe in diesen Tagen. 😉

Alles in allem ein super Tag in einer sehr schönen und sympathischen Stadt: I like Reykjavík. 🙂

Der vierte Tag – Es geht los

Im Blog habe ich getitelt: „The first day on the road“ 😉
Heute habe ich also Reykjavík verlassen und mich auf meine Reise in den Süden und Westen von Island begeben.
Ich wurde wie angekündigt von einem Mitarbeiter von Europcar am Hotel abgeholt und zu Europcar-Filiale in Reykjavík gebracht, wo ich meinen Mietwagen, einen kleinen KIA Cee’d übernommen habe.
Dann ging’s los Richtung Þingvellir, meinem ersten Ziel. Nach ca 45 Minuten Fahrt traf ich dort erst einmal einen Parkplatz voll mit Cars und Mietwagen an. Ich kam mir zeitweise vor wie in der U-Bahn in Tokio. 😉
Aber die Aussicht war es wert. Trotz zeitweisem Regen beeindruckte mich diese weite und unberührte Natur sehr.
Von Þingvellir ging es nach einer kurzen Mittagspause weiter zum Grossen Geysir, eine ca 50 minütige Fahrt durch grossartige Landschaften (des Nationalparks) und in ständig wechselndem Wetter. Natürlich auch beim Geysir grosse Touristenmassen. Da die Anlage aber sehr viel weitläufiger als der Aussichtspunkt von Þingvellir ist, haben sich die Leute gut verteilt.
Der Geysir bricht ziemlich unregelmässig aus, aber immer innerhalb von 5 bis 15 Minuten. Es ist ein gewaltiges Naturspektakel, wenn die heissen Wassermassen in unmittelbarer Nähe in die Luft geschleudert werden.
Vom Grossen Geysir waren dann nur noch 10 Minuten zu fahren, bis ich beim Gullfoss, einem riesigen Wasserfall (man stelle sich den Rheinfall vor, aber drei Mal so gross) ankam. Die Gischt stäubt dort so hoch, dass man auch auf der entferntesten Besucherterrasse ziemlich nass wird. Ich versuchte, die Kamera mit einem eigens dafür konstruierten Regenschutz trocken zu halten.
Aber in Island braucht es halt auch wasserfeste Kleidung, wenn die Sonne scheint…
Die Nacht habe ich im Sel Guesthouse bei Sellfoss verbracht; einem familienbetriebenen Bauerngasthof mit guter, bodenständiger Küche.

Der fünfte Tag – Wasserfälle und ein schwarzer Strand

Auf dem Weg zur meiner nächsten Unterkunft habe ich vier Mal einen Halt eingelegt.
Zuerst habe ich den über sechzig Meter hohen Wasserfall Seljalandsfoss besucht, denn man schon von Weitem sieht, wenn man auf der Ringstrasse Richtung Osten fährt.
Unter dem Seljalandsfoss kann man hindurch gehen. Allerdings habe ich angesichts des sehr kalten Windes und der durchnässten Japaner, die vom Wasserfall zurückkamen, darauf verzichtet.
Meinen nächster Halt habe ich beim Hof Þorvaldseyri eingelegt. Dieser Hof liegt unmittelbar unter dem Vulkan Eyjafjallajökull resp dem Gletscher, unter dem der Vulkan liegt.
Als der Vulkan 2010 ausbrach, wurde Þorvaldseyri durch Asche und Fluten von geschmolzenem Eis und Schutt ziemlich in Mitleidschaft gezogen, und die Familie kämpfte um ihre Existenz. Davon gibt es einen Dokumentarfilm, der in einem extra dafür gebauten Dokumentationszentrum gezeigt wird.
Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hatte im Übrigen zur Folge, dass der Flugverkehr in Europa und Nordamerika zum Erliegen kam.
Von Þorvaldseyri bin ich weiter zum Skógafoss. Dieser Wasserfall hatte es mir schon während der Reisevorbereitungen angetan, als ich Bilder davon gesehen hatte. In Natur und bei strahlendem Sonnenschein war er dann natürlich noch eindrücklicher.

 

Heftige Brandung

Meinen letzen Halt vor meiner nächsten Unterkunft, das Hotel Geirland, legte ich am schwarzen Strand von Reynisfjara ein. Der „Sand“ dort ist nicht hell, sondern pechschwarz. Es handelt sich dabei schlicht um Lava.
Am Strand kann man bis zum Wasser gehen. Allerdings ist es empfehlenswert, einen sicheren Abstand zur Brandung zu halten. Die Wellen sind unberechenbar und können zuweilen mit einer ziemlichen Wucht aufs Land treffen. Es soll vorgekommen sein, dass Menschen, die zu nahe ans Wasser gingen, von den Wellen erfasst und ins Meer hinaus gezogen wurden.

 

Der sechste Tag – Ein Tagesausflug

Heute habe ich einen Tagesausflug nach Jökulsárlón, der grossen Gletscherlagune gemacht. Da ich ja für zwei Nächte im Hotel Hotel Geirland eingecheckt habe, konnte ich diese Fahrt mit leichtem Gepäck, sprich Fotoausrüstung antreten.
Für die rund 95km Richtung Osten brauchte ich gut eineinhalb Stunden. In Island gilt ausserorts generell eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 90km/h. Autobahnen gibt es hier nicht, resp bloss in der Region von Reykjavík, und selbst wenn man eine schnurgerade, asphaltierte Strasse vor sich hat, auf der vor einem und hinter einem weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist, wäre eine Geschwindigkeitsbusse das Letzte, das ich hier bezahlen möchte…

Die grosse Gletscherlagune am Gletscher VatnajökullGestern war ich mir noch nicht sicher, ob sich die Fahrt lohnen würde. Der Wetterbericht war nicht besonders, und ich wollte nicht so weit fahren, um dann dort im Regen zu stehen.
Aber das Wetter hätte heute morgen nicht besser sein können: strahlender Sonnenschien und kein Wölkchen weit und breit. 🙂

Bei der Lagune angekommen, war ich erst einmal baff über der Schönheit dieses riesigen Gletschersees (rund 18 Quadratkilometer). Spiegelglattes Wasser und überall kleinere und grössere Eisberge. Die strahlende Sonne tat dann noch ihr Übriges mit dazu, dass sich dem Betrachter eine schon fast kitschige Postkartenszene bot.
Auf der Rückfahrt machte ich unterwegs noch einige Mal Halt, um diese aussergewöhnliche Landschaft mit der Kamera festzuhalten.

Zurück im Hotel Geirland angekommen, musste ich leider feststellen, dass das Wetter nun doch umgeschlagen hatte. Der Himmel ist nun komplett wolkenverhangen und es nieselt leicht. So launisch und schnell wechselnd ist das Wetter in Island.

Der siebte Tag – Zurück Richtung Westen

Heute ging es wieder gegen Westen.
Auf dem Weg zum Hotel Borealis habe ich drei Mal halt gemacht, um ein paar Aufnahmen zu machen: in Mitten des Lavafeldes Eldhraun, in Vík í Mýrdal und beim Dyrhólaey, dem südlichsten Punkt Islands.

Die Lava von Eldhraun ist vollkommen von Moos überzogen, so dass die dort vorherrschende Farbe grün und nicht schwarz ist. Zwar siehMit Moos überwachsene Lavat man überall das schwarze Lavagestein, jedoch erinnert das Lavafeld eher an ein sanft gewelltes, grünes Tuch als an eine schroffe, schwarze Steinwüste.

Der Leuchtturm am südlichsten Punkt von IslandDyrhólaey hat als Aussichtspunkt zwei grosse Vorteile:
Zum einen ist es hoch gelegen, was einen einen wunderbaren Ausblick über die ganze Gegend bietet, und man sieht weit über das Meer.
Was ich aber noch viel mehr schätzte, war die Tatsache, dass der Aussichtspunkt mit dem Leuchtturm nur über eine mehr oder weniger steile, schmale Schotterstrasse erreichbar ist. Das bedeutet, dass dort oben keine Busse hinkommen. Somit hält sich der Massentourismus sehr in Grenzen. Nur wer mit einem kleineren Auto (die meisten waren Miet-Personenwagen) unterwegs ist, kommt hoch. Die Anzahl der Besucher, die sich gleichzeitig an dem Aussichtspunkt aufhalten, ist überschaubar. 😉

Der Rest des Weges zu meiner nächsten Unterkunft im Hotel Borealis führte mich in über eineinhalb Stunden wiederum mehrheitlich durch phantastische Landschaften. Ich hätte alle zehn Minuten anhalten können, um Bilder zu schiessen. Aber dann wäre ich wohl jetzt noch unterwegs…
Auf der anderen Seite ist es einfach nicht möglich, mit 90km/h auf der Strasse zu fahren, und sich links und rechts alles genau anzuschauen.

Der achte Tag – Richtung Norden

Nun ging es definitiv nordwärts.
Zuerst wieder durch den Nationalpark Þingvellir hindurch bis auf Sichtweite von Reykjavík und dann scharf rechts der Küste entlang nach Norden. Unterwegs bin ich dann durch den 5770 m langen Strassentunnel Hvalfjarðargöng, der unter dem Fjord Hvalfjörður hindurchführt, und so den Weg um gut 50km abkürzt, gefahren.

Die neue Kirche von Reykholt, unter der sich das "Sagazentrum" befindet

Mein erstes Ziel heute war Reykholt (Borgarbyggð), wo der Sage nach einer der bedeutendsten Politiker und Dichter (Skalde) Islands im frühen Mittelalter, Snorri Sturluson gelebt haben soll.
Der kleine Ort hat ein sogenanntes Sagazentrum, in dem die Geschischte von Snorri Sturluson dargestellt wird.
Interessant ist aber auch, wie dort in der Gegend überall gut sichtbar Dampfwolken aufsteigen. Das heisse Wasser sprudelt überall einfach so aus dem Boen und wird von den Isländern nicht nur zum Baden genutzt, sondern auch in Form von Fernwärme zum Heizen. Diese Energiequelle ist so ergiebig, dass damit ganze Ortschaften geheizt und auch grosse Treibhäuser betrieben werden können.

Von Reykholt war es dann nur noch eine kurze Fahrt zu den nächsten Wasserfällen, dem Hraunfossar und dem Barnafoss. Die beiden liegen praktischerweise gleich nebeneinander, keine zwei Minuten zu Fuss entlang des Ufer des Flusses Hvítá.
Eigentlich ja nichts Besonderes.
Aber es handelt sich um zwei völlig verschiedene Wasserfälle:Hraunfossar, die Lavawasserfälle
Während der Barnafoss (Wasserfall der Kinder) durch ein Engnis im Flusslauf des Hvítá mit realtiv wenig Gefälle eher an eine steile Stromschnelle erinnert, kommt der Hraunfossar seitlich in den Fluss, wie aus dem Nichts.
Er wird Lavawasserfall genannt, weil das Wasser sich unter dem Lavafeld Hallmundarhraun sammelt und sich über eine Breite von ca einen Kilometer in die Hvítá ergiesst. Eigentlich ist es kein einzelner Wasserfall, sondern eine Sammlung vieler Grundwasserquellen.
Hraunfossar bietet dem Betrachter einen faszinierenden Anblick: Das Wasser fliesst in grossen Mengen aus dem Boden in die Hvítá.

Übernachtet habe ich im Ensku húsin (Englisches Haus), einer ehemaligen Fischerhütte, die vor einigen Jahren von einem jungen Paar übernommen und zum Gästehaus umgebaut worden ist.

Der neunte Tag – Richtung Norden

Seit heute bin ich auf der Snæfellsnes Halbinsel.Snæfellsjökull
Ein Teil der Halbinsel ist ein Nationalpark mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten.

Im Zentrum der Halbinsel liegt der Snæfellsjökull, ein sehr alter Vulkan, der über 1400 Meter hoch ist und an dessen Flanken überall grosse Lavafelder zu sehen sind. Man schätzt, dass er in den letzten 10’000 Jahren 30 bis 40 mal ausgebrochen ist, das letzte Mal vor ca. 1800 Jahren.

Ytri-Tunga

Meinen ersten Halt auf meiner Fahrt entlang der Küste, rund um den Snæfellsjökull herum, machte ich am Strand von Ytri-Tonga. Dort lebt eine grössere Robbenkolonie, und selbst wenn der Sommer nun vorbei ist, und sich die Sonne heute kaum zeigte, konnte man die Tiere beobachten, wie sie sich an Land räkelten. 😉

Danach ging es weiter nach Arnarstapi, einem kleinen Fischerdorf.
Hier soll man Vögel beobachten (und allenfalls fotografieren) können. Bloss waren da ausser zwei oder drei Möven keine Vögel zu sehen.
Ob das an der Jahreszeit gelegen hat oder dem nicht gerade freundlichen Wetter, weiss ich nicht. Trotzdem konnte man vom Dorf aus den Snæfellsjökull gut sehn, und vor allem auch die grossen Felder erstarrter Lava an den Flanken des Vulkans und rum um das Dorf herum.

Das gleiche Bild bot sich dann auch ein paar Kilometer weiter bei den Lóndrangar, zwei markanten Basaltfelsen: keine Vögel, aber faszinierende Lavagebilde überall.Hier ist die Lava von Snæfellsjökull bis ins Meer gelangt

In der Folge fuhr ich durch mehrere kleinere Fischerdörfer. Es ist faszinierend, zu erleben, wie man hier stundenlang durch Einöden fahren kann, und man sich dann plötzlich hinter der nächsten Kurve in der Zivilisation wiederfindet. 😉

Bei einem dieser Dörfer stiess ich auf einen kleineren Wasserfall, den Svöðufoss, der etwas abgelegen von der Strasse liegt und so vermutlich kaum beachtet wird. Ich beschloss, auch hier kurz anzuhalten und nachzuschauen, ob es sich dabei um ein lohnendes Fotosujet handelt.
Nachdem ich den Wasserfall im Kasten hatte, sah ich in weiter Ferne eine kleine Kirche einsam auf einem Hügel stehen. Es versteht sich von selbst, dass ich auch diese Szene festhielt.
Später Nachforschungen ergaben, dass es sich dabei um die Ingjaldshólskirkja auf Ingjaldshóll handelte, die älteste Steinkirche Islands.

Danach war es nur noch eine knappe halbe Stunde Fahrt bis nach Grundafjörður, wo ich im Hotel Framnes übernachtete.

Der zehnte Tag – launisches Wetter

Heute hatte ich nur eine kurze Strecke von Grundafjörður nach Stykkishólmur zurücklegen.

Allerdings war das Wetter so garstig, dass ich unterwegs kaum Zwischenhalte eingelegt habe.
Schon als ich aufgestanden war, regnete und stürmte es.
Daher beschloss ich, erst noch in Grundafjörður gemütlich und ausgiebig zu frühstücken. Ursprünglich wollte ich mir noch ein heisses Bad gönnen, bevor ich losfuhr. Aber daraus wurde leider nichts. Das Bad in Grundafjörður war leider geschlossen. Also ging es nach dem Frühstück bei Regen und Nebel los, bis zu meinem ersten Stopp Bjarnarhöfn.

Das "Trocknungshaus" für HaifischfleischAuf diesem etwas abgelegenen Hof gibt es ein Museum zum Fischfang. Dort wird auch das Fleisch von Grönlandhaien verarbeitet.
Der Grönlandhai (Somniosus microcephalus), oder auch Eishai, wird durchschnittlich 4 – 5 Meter lang und zwischen 1 – 2 Tonnen schwer. Die Tiere wachsen langsam und werden sehr alt. Man nimmt an, das einzelne Haie über hundert Jahre werden können.
Weil die Grönlandhaie in einer sehr kalten Umgebung leben, haben sie ein besonderes System, um sich gegen die Kälte zu schützen: Anstatt Harnstoffe durch Urin auszuscheiden, werden diese im Körper verteilt; quasi als natürliches Forstschutzmittel. Das macht das Fleisch der Haie unbehandelt für den Menschen so ungeniessbar, dass man daran sterben kann.
Der Fang von Haifischen ist in Island zwar legal. Allerdings wird der Haifischfang seit über 60 Jahren nicht mehr betrieben, weil er ziemlich teuer ist, und sich daher nicht mehr lohnt.
Die Leute in Bjarnarhöfn kaufen deshalb den Fischern in Reykjavik sogenannten Beifang ab. Das sind Haie, die in den Schleppnetzen der grossen Fischkutter landen, aber für die Fischer keinen Wert darstellen.
Auf Bjarnarhöfn werden die Haie dann zerlegt und das Fleisch in Stücke zerteilt. Dieses Fleisch wird danach so gelagert, dass es fermentiert. So werden die Harnstoffe in Ammoniak umgewandelt. Anschliessend wird das Fleisch im „Trockenhaus“ mehrere Monate luftgetrocknet, damit der Ammoniak sich verflüchtigt. Erst dann ist das Fleisch geniessbar.
Im Museum wird eine Degustation angeboten. Ich habe davon probiert. Das Fleisch riecht nicht nach Fisch, sondern eher leicht nach Ammoniak. Allerdings ist die Konsistenz des Fleisches sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist irgendwie wie Gummi. Nach einem Stückchen hatte ich genug… 

Die Kirche von Stykkishólmur

Von Bjarnarhöfn fuhr ich im Regen weiter nach Stykkishólmur, wo ich kurz nach Mittag im Hotel Fransiskus eincheckte.

Da das Wetter hier bei meiner Ankunft viel besser war als unterwegs, habe ich mich noch ein bisschen in dem Städtchen umgesehen.

 

 

Der elfte und zwölfte Tag – Going home

Die rund 200 km lange Fahrt Richtung Süden von Stykkishólmur zum Flughafen Keflavík verlief ereignislos.
Da ich praktisch auf der ganzen Strecke regnerisches und nebliges Wetter hatte, blieb es bei ein paar Zwischenhalten, um einen Kaffe zu trinken oder etwas zu essen. Der Regen an un für sich hätte mich nicht gestört, aber wegen dem Nebel sah man kaum etwas von der Landschaft. Das war auch der Grund, weshalb ich auch auf dem Rückweg nicht um den Fjord Hvalfjörður herum fuhr, sondern wieder den Tunnel Hvalfjarðargöng unter dem Fjord hindurch nahm.

Am Flughafen angekommen, checkte ich zuerst im  Airport Hotel Aurora Star ein, um danach auch noch den Mietwagen abzugeben.
Nachdem ich mein Gepäck wieder so gepackt hatte, dass ich es für den Rückfflug aufgeben konnte, gönnte ich mir noch ein gutes Nachtessen und ging dann relativ früh ins Bett.

Am anderen Morgen stand ich um 04:00 auf, um zuerst am Flughafen mein Gepäck aufzugeben. Erst danach ging ich im Hotel zum Frühstück, das ab 05:00 serviert wurde und checkte dann für meinen Rückflug nach Zürich ein, der pünktlich um 07:20 (Ortszeit) abhob und ebenso pünktlich gegen 13:00 in Zürich landete.

 

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