Ferienlektüre: Nordic Noir

skandinavische flaggen

Heute schreibe ich hier nicht direkt über eine Reise, sondern darüber, was man auf Reisen tun kann, und was viele Leute in den Ferien häufiger tun als sonst: Lesen.

„Lesen bildet“, sagt man. Das stimmt. Aber Lesen ist auch Unterhaltung, Zeitvertreib und Spass.
Und genau darum geht es den meisten Leuten, insbesondere auch mir, wenn sie in den Ferien zu einem Buch greifen.
Ich persönlich bevorzuge zur Unterhaltung Krimis.
Während ich vor 40 Jahren als Student jeweils im Zug von zu Hause nach Zürich (und zurück) die Jerry-Cotton-Heftchen verschlungen hatte (ein Heft reichte exakt für die Strecke Solothurn-Zürich), die man an jedem Kiosk kaufen konnte, lege ich heute etwas mehr Wert auf das schriftstellerische Können der Autoren,  die Authentizität der Romanfiguren, die Glaubwürdigkeit der Geschichten und Spannung in der Geschichte.
Die billigen Romanheftchen vom Kiosk interessieren mich schon lange nicht mehr.

Während meinem USA-Aufenthalt 2000/2001 entdeckte ich die Thriller von John Grisham und Tom Clancy; nicht zuletzt wegen der Verfilmung einiger dieser Bücher (zB „Hunt for Red October“ oder „Clear and Present Danger“ von Clancy respektive „The Client“ oder „The Jury“ von Grisham).
Ich las alles, was ich von diesen beiden Autoren in die Finger bekam, das meiste davon in Englisch.
Dazwischen nahm ich auch mal ein Buch von Thomas Harris zur Hand, dem Erfinder von Dr. Hannibal Lecter in „The Silence of the Lambs„.

Vor einigen Jahren entdeckte ich dann für mich die amerikanisch-schweizerische (seit 2020 Schweizer Staatsbürgerin) Autorin Donna Leon und las alle Romane mit dem venezianischen Polizisten Commissario Guido Brunetti als Protagonisten.

Als ich dann zufällig auf den norwegischen Autor Jo Nesbø stiess, las ich meinen ersten Krimi aus Skandinavien, und blieb dabei hängen.
Ich war, und bin es immer noch, fasziniert von der Phantasie der skandinavischen Autoren, wenn es darum geht, Verbrechen zu schildern. Gleichzeitig sind diese Kriminalromane sehr anspruchsvoll geschrieben.
Vor allem Nesbø liebt es, mehrere Geschichten parallel zu schildern und dabei in Zeit und Raum hin und her zu springen. Man muss beim Lesen ganz schön aufmerksam sein, um alle Zusammenhänge zu erkennen.
Ausserdem haben die skandinavischen Kriminalromane oft eine düstere Grundstimmung und die Protagonisten tragen grosse persönliche Probleme mit sich herum und stehen sich und anderen im Weg. Oft habe ich mich schon gefragt, weshalb dieser oder jener Kommissar nicht schon längst seinen Job verloren hatte.
Und das Wichtigste: Der Verlauf der Geschichten ist kaum voraussehbar und deren Ende haben selten ein Happy-End.

Erst kürzlich lernte ich, dass dieser Stil einen Namen hat: Nordic Noir.
Dieses Label beschreibt ziemlich genau, was mir an Krimis gefällt. Und es hat sich bis heute zu einer eigenen Stilrichtung in der Kriminalliteratur entwickelt.

Nachdem ich alle damals erhältlichen Romane von Jo Nesbø mit seinem Antihelden Harry Hole gelesen hatte, nahm ich mir die Kurt-Wallander-Romane des schwedischen Schriftstellers Henning Mankel vor.
Im Gegensatz zu Grisham und Clancy habe ich mir aber keinen einzigen Film oder TV Serie mit Kurt Wallander angeschaut, und werde das auch nicht tun. Ich bin der Meinung, dass Bücher und Geschichten sehr viel verlieren, wenn sie verfilmt werden. Und mit der Verfilmung verschwindet auch die Phantasie und Vorstellung des Lesers. Das Bild, das sich der Leser in seinen Gedanken selbst macht, wird durch das gezeigte (Film-)Bild ersetzt.

Später entdeckte ich dann auch noch die brutalen und teilweise gruseligen Bücher des Dänen Jussi Adler Olsen mit seinem Protagonisten Carl Mørck vom Sonderdezernat Q.
Nordic Noir in seiner reinsten Form.

Ich werde in späteren Posts auf jeden dieser Autoren eingehen. Beginnen werde ich jedoch mit einem Autoren aus Island, den ich auf meiner diesjährigen Islandreise entdeckte: Ragnar Jónasson.

Stay tuned.

2 Gedanken zu “Ferienlektüre: Nordic Noir

  1. hallo Tom
    ja, Bücher sind in der heutigen digitalen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr… als regelmässige Leserin per se und als Fan von Nordischen Krimis freue ich mich auf Deine weitern Beiträge.
    Habe versucht zu liken, aber irgendwie klappt das nicht. Es kommt bloss ein leeres „worldpress“ Fenster.
    Gruss!

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..