Warschau 2025: Altstadtbummel

Heute war es wieder etwas wärmer hier in Warschau. Am Nachmittag stiegen die Temperaturen auf bis zu 26 Grad Celsius.
In der prallen Sonne wurde es tatsächlich recht heiss, besonders nach dem Mittag. Aber das war kein Vergleich zu Mittwoch und dank eines kühlen Lüftchens durchaus auszuhalten. Und am Abend war es sehr angenehm, um draussen zu Abend zu essen und mit einem Drink in einem Strassencafé zu sitzen.
Das ist, was ich einen schönen Sommertag nenne. 😉

Ich verbrachte den ganzen Tag mit einem Bummel durch die Altstadt. Dabei kam ich in Quartiere, in die ich vor zwei Tagen nicht hingekommen war, weil ich wegen der Hitze abbrechen musste.

Warschau hat eine sehr schöne Altstadt, die sehr gut Instand gehalten ist. Dabei reihen sich in den Strassen und Gassen der Fussgängerzone Restaurant an Restaurant, jedes mit einer Terrasse oder einfach einem abgesperrten Bereich auf der Strasse. Und wenn mal zwischen den Kneipen und Läden eine Lücke ist, dann steht dort garantiert eine Kirche. 😉
Ich habe den Eindruck, dass Polen eines der katholischten Länder überhaupt ist. Neben Kirchen gibt es auch Denkmäler; nicht nur für Politiker, sondern auch für Kardinäle.
Ich stand heute in der Krypta der Kathedrale von Warschau vor dem Sarkophag von Kardinal Józef Glemp. Das ist ein Name, der sogar mir bekannt ist. Glemp war Erzbischof von Warschau und fiel auch international immer wieder mit anitsemitischen Aussagen auf. Nichtsdestotrotz wurde er 2013 aufwändig an prominenter Stelle beerdigt. Die Gräber der norwegischen Könige in der Festung Akershus in Oslo sind schlichter.

In den Strassen merkte man, dass heute Samstag ist. Die Anzahl der Leute auf der Strasse und in den Restaurants hat exponentiell zugenommen. Wie gestern habe ich auch heute am Nachmittag für das Abendessen einen Tisch reserviert, um sicherzugehen, dass ich einen Platz habe.
Ausserdem fiel mir auf, dass es eine erhöhte Polizeipräsenz gab und selbst die Feuerwehr patroullierte am Abend durch die Strassen.

Ausserdem war heute (wie auch gestern) eine bestimmte Spezies Mensch in erhöhter Zahl in den Strassen von Warschau anzutreffen: im Durchschnitt in meinem Alter oder nur ein wenig jünger, oft mit Tattoos, manche mit langen Haaren und Bart, aber auch viele Familien. Und alle trugen ein bestimmtes T-Shirt: AC/DC.
Wenn ich es nicht schon gewusste hätte, hätte ich es spätestens heute in den Strassen gesehen: Die australischen Rock-Opas (Angus Young ist 70 und seine Bandkollegen kaum viel jünger) gaben gestern im Rahmen ihrer PWR/UP Tour hier ein Konzert.
Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte die Jungs heute noch vor die Linse gekriegt. Als ich auf meinem Altstadtbummel am besten Hotel der Stadt, dem Bristol vorbeikam, standen in der Umgebung des Hotels relativ viele Polizisten und vor dem Eingang eine kleine Traube Menschen (viele davon mit AC/DC T-Shirts), die immer grösser wurde:
Offenbar logierte die Band in dem Hotel und man wartete darauf, dass die rauskomen und wegfuhren. Ich beschloss, mal abzuwarten und zu schauen, ob ich Glück habe. Allerdings wurde mir das nach einer halben Stunde dann doch zu blöd, und ich ging weiter.
Ich weiss nicht, wie lange die Leute dann noch gewartet haben, bis sie vielleicht einen Blick auf Angus Young, Brian Johnson und die anderen erhaschen konnten. Da es gegen Mittag ging, wurde die Sonne immer stärker, und wer steht schon gerne stundenlang in prallen Sonne.

Apropos Sonne:
Als ich nach 5 Stunden ins Hotel zurückkehrte, bemerkte ich, dass ich über der rechten Schulter direkt unter dem Nacken einen Streifen Sonnenbrand hatte. Offenbar habe ich heute Morgen beim Einschmieren mit Sonnencreme eine Stelle ausgelassen, die nun prompt verbrannt ist. Shit happens…

Fotografisch war mein Hauptaugenmerk beim heutigen Altstadtbummel nicht auf Sehenwürdigkeiten oder Architektur. Ich hielt die Augen offen für meine Galerie „The Street„.
Ich suchte gezielt nach Strassenkünstlern, Bettlern und anderen Leuten, die auf der Strasse leben resp sich dort produzieren.

Mir fiel schon am Mittwoch, als ich hier ankam, auf, dass sehr wenige Obdachlosen oder Bettler zu sehen waren. Eigentlich habe ich bis heute immer die gleichen drei Obdachlosen gesehen. Das sieht in anderen europäischen Städten ganz anders aus.
Am Mittwochabend habe ich eine sehr lustige Szene beobachtet. Leider hatte ich keine Kamera dabei, als ich zum Abendessen ging.
Mir gegenüber auf der anderen Strasse sass ein junger, sehr ungepflegter Mann in schmutzigen und zerschlissenen Kleidern. Offensichtlich ein Obdachloser, der bloss einen Rucksack mit ein paar Habseligkeiten dabei hatte. Er bettelte alle Passanten an, die an ihm vorbeigingen. Bis…

Bis sich neben ihm drei Hare Krishna Mönche mit Trommeln, Zimbalen und einer Lautsprecheranlage hinsetzten und ununterbrochen ihr Hare Krishna Mantra in voller Lautsärke zum Besten gaben. Ab und zu standen sie sogar auf und tanzten. Den Mann neben ihnen beachteten sie gar nicht.
Da packte der Obdachlosen ganz schnell seine Sachen zusammen und verliess fluchtartig den Ort.
Er kam erst wieder zurück, nachdem die Hare Krishnas weitergezogen waren.
Ich habe in den 80er Jahren während meinen zwei Jahren an der ETHZ in einem Wohnheim direkt gegenüber des Hare Krishna Tempels in Zürich gewohnt. Ich habe den Mann sooooo gut verstanden… 😉

Nun muss ich schlafen. Es ist zwar erst 21:45 am Samstagabend.
Aber morgen geht mein Flug nach Zürich um 07:35 und ich sollte zwei Stunden vorher am Flughafen sein.
Die Fahrt zum Flughafen dauer 20 – 30 Minuten. Mein Taxi holt mich deshalb um 05:10 hier ab.

Stay tuned.

Strassenkünstler

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