
Heute war das Wetter hier in Ísafjörður so ganz anders als gestern.
Die Sonne schien den ganzen Tag und die Temperaturen sind deutlich gestiegen. Wäre da nicht der ständige Wind (wenn auch nicht so heftig wie gestern) gewesen, hätte man sich im TShirt draussen sonnen können.
Am Morgen habe ich das Arctic Fox Center in Súðavík besucht.
Das ist nicht bloss ein Museum, sondern eine private Forschungs- und Dokumentationsstation, die sich ausschliesslich dem grössten Raubtier auf Island widmet, dem Polarfuchs (Vulpes lagopus).
Ausserdem gibt es dort noch eine Auffangstation, die verletzte oder kranke Tiere aufnimmt und für den Rest ihres Lebens für sie sorgt. In Island ist es verboten, Wildtiere wieder auszuwildern, nachdem sie einmal in menschlicher Obhut waren. Es gibt keine Resozialisierungsstation wie in Norwegen, in der die Tiere auf die Freiheit vorbereitet werden können.
Zum Glück sind die Polarfüchse in Island nicht gefährdet. Es geht ihnen hier gut und die Fuchspopulation ist gesund. Im Gegensatz zum Rest der Polarregion. Dort (zB Norwegen, Schweden, Finnland und Russland) sind die Tiere aus verschiedenen Gründen von Aussterben bedroht.
Zur Zeit gibt es zwei Füchse in der Auffangstation. Die Tiere wurden von Jägern gefunden, die sie, anstatt sie zu töten, hierher brachten. Der Fuchs auf dem Foto wechselt gerade sein Feld. Deshalb sieht er etwas räudig aus. Es geht ihm aber gut. 🙂
In Freiheit bin ich den Tierchen vor vier Jahren im Hornstrandir Naturschutzgebiet schon begegnet. Sie sind in der Regel sehr scheu. Aber wenn’s um Futter geht, werden sie neugierig.
Am Nachmittag wollte ich auf die Aussichtsplattform auf dem Berg Bolafjall.
Als ich 2020 das erste Mal dort oben war, gab es die Platform noch nicht. Daneben steht übrigens eine ehemalige Radarstation der NATO, die heute von der isländischen Küstenwache betrieben wird.
Vom Bolafjall hat man einen sehr guten Ausblick über den Ísafjörður (den Fjord, nach dem die Stadt benannt ist) und zum Hornstrandir Naturschutzgebiet. Mit der Plattform soll man noch mehr sehen.
Also bin ich nach Bolundarvík gefahren und von dort den Berg hinauf. Die Strasse ist eine Naturstrasse, die so breit ist, dass zwei Fahrzeuge jederzeit kreuzen können.
Allerdings war halb oben Schluss: Die Strasse zum Gipfel (und zur Plattform) war gesperrt, weil offenbar noch zu viel Schnee liegt. Schon im mittleren Drittel befanden sich links und rechts der Strasse noch meterhohe Schneewände, die davon zeugten, dass die Strasse im Frühling wohl mit der Schneefräse in den Schnee geschnitten werden musste.
Nachdem ich mich bei der Sperre kurz umgesehen hatte, und natürlich die Gelegenheit nutzte, im Juni noch einmal im Schnee zu stehen, bin ich dann zurück nach Ísafjörður.
Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Einkaufen und Spaziergängen in der Stadt (dieses Mal in der Sonne), sowie Kaffee und Lesen.
Morgen geht es weiter nach Osten, nach Drangsnes. Das sind 236 Kilometer, für die ich normalerweise ca zweieinhalb bis dreienhalb Stunden brauche.
Das sollte auch eingermassen aufgehen, obwohl für morgen wieder Sturm und Schneefall angesagt ist. Gemäss der Webseite des isländischen Wetterdienstes gibt es auf meiner Fahrstrecke ein Fenster von ca 10:00 bis 15:00 ohne irgendwelche Wetteralarme. Das heisst nicht, dass es keinen Wind und keine Niederschläge gibt. Aber es gibt zumindest keine extremen Wettersituationen.
Für 15:00 gibt der Wetterdienst dann an meinem Zielort Drangsnes wieder eine orange Wetterwarnung heraus.
Dann sollte ich dort angekommen sein, damit ich unter diesen Bedingungen nicht mehr fahren muss. Ausserdem muss ich kurz vorher über einen Pass, auf dem etwas kältere Temperaturen (eventuell unter Null) herrschen. Falls Schnee auf der Strasse liegt, komme ich dort wohl nicht soooo schnell vorwärts.
Aber ich kenne die Strecke gut. Ich bin sie schon drei Mal gefahren, und ein Zeitfenster von fünf Stunden reicht für eine Strecke von zweieinhalb Stunden längstens. 🙂
