Svalbart 2024: Eine Reise in die Arktis

Flagge_NorwegenDie letzten 11 Tagen war ich in der Arktis unterwegs, also in der nördlichen Polarregion, die kalte und scheinbar unwirtliche Gegend rund um den Nordpol, nördlich des Polarkreises auf 66° 33′ 55″ Nord.

Ich war zehn Tage und neun Nächte auf einem sogenannten Expeditionsschiff und hatte weder Internet- noch Telefonverbindung. Wohl war das Schiff mit Starlink ausgerüstet und man hätte Datenguthaben kaufen können. Die Preise dafür waren aber so exorbitant hoch, dass ich gerne darauf verzichtet habe.

Nun bin ich in Oslo und habe wieder „Netz“. 😉
Ich bin gestern Abend nach einem dreistündigen Flug aus Longyearbyen auf Spitzbergen hier angekommen und bleibe noch drei Tage, bevor ich in die Schweiz zurückfliege.
Draussen regnet es im Moment und ich warte darauf, dass meine Kleider wieder trocken sind.
Also habe ich gerade Zeit, eine kurz Zusammenfassung dieser Reise zu schreiben. Das wird deshalb ein etwas längerer Beitrag.

Am Montag, 29.07.24 bin ich zusammen mit ca 140 anderen Schweizern nach Oslo geflogen und habe am Flughafen übernachtet.
Am nächsten Tag ging’s dann weiter via Tromsø nach Longyearbyen, dem Hauptort von Svalbart. Eigentlich ist es der einzige Ort auf der Inselgruppe. Die wenigen anderen Siedlungen sind alles Forschungsstationen, die von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt bewohnt werden.
In Longyearbyen sind wir am späten Nachmittag an Bord der M/S Hondius gegangen.
Das Schiff gehört der hollandischen Reederei Oceanwide Expeditions, die in der Arktis und der Antarktis solche Reisen anbietet.
Die ganze Reise wurde von Kontiki Reisen organisiert, und ich habe sie beim Reisebüro meines Vertrauens gebucht: travel worldwide in Zürich.

Am frühen Abend hatte das Schiff dann abgelegt.
Ich hatte eine Zweierkabine auf Deck 3 (von 7) gebucht, mit Bullauge direkt über der Wasserlinie. Die Kabine war sehr gut, obwohl ich nicht sicher bin, ob es mir zu zweit darin wohl gewesen wäre. Gross genug für mich alleine mit meinem Gepäck. Aber wohl ein bisschen eng, wenn man zu zweit (oder sogar zu viert) darin wohnt.
Man merkte auch, dass das Schiff erst 5 Jahre alt war. Keine Abnutzung und sehr funktional, aber gleichzeitig komfortabel gebaut.
Und gleich vorweg: Die Crew war absolut Spitze.
Das Expeditionteam, bestehend aus Leuten aus Holland, Frankreich, Dänemark, Deutschland, der Schweiz und sogar Neuseeland, das die Ausflüge begleitete und vorallem auch für die Sicherheit der Gäste verantwortlich war, die Hotel- und Restaurantcrew, wie die restliche Schiffbesatzung hauptsächlich aus den Philippinen, aber auch die ganze Besatzung des Schiffs waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Besonders das philippinische Servicepersonal war Spitze. Bereits am ersten Abend kannten die alle 145 Gäste mit Namen, obwohl kein fester Sitzplan bestand und die Leute jedes Mal woanders sassen. Von da an war ich für alle Stewardesses und Stewards einfach nur „Sir Tom“. 🙂
Selbstverständlich habe ich das empfohlende Trinkgeld von €10.– bis €15.– pro Tag (für das ganze Schiff) noch etwas aufgrundet. 😉
Abgesehen davon, dass man spürte, dass diese Leute sehr lange zusammen arbeiteten und lebten (das war ein grosses Team), war wohl mit ein Grund, dass sie vor uns eine 10-tägige Tour mit 160 Chinesen machten, von denen kaum einer Englisch sprach. Und chinesische Touristen gehören zu den wohl schwierigsten und unangenehmsten überhaupt. Das weiss ich aus eigener Erfahrung aus Island. Als ich davon hörte, taten mir die Philippinas und Philippinos richtig leid.
Auch das Essen war sehr gut: Frühstück und Mittagessen gab es Buffet warm und kalt, und zum Abendessen wurde ein Drei-Gang-Menü serviert. Bei jeder Mahlzeit hatte man die Wahl zwischen Fleisch, Fisch und Vegetarisch. Und alles war sehr gut zubereitet.
Ab dem Moment, an dem wir den Hafen von Longyearbyen verliessen, gab es kein Netz mehr. Wir hatten also 10 Tage Internet-freie Zeit. Ganz angenehm. 🙂

Was nun folgte, kann in Bezug auf das Wetter kaum mehr übertroffen werden. Und laut Crew auch in Bezug auf Tiersichtungen. Ich würde diese Reise ganz sicher nicht wiederholen, da es praktisch unmöglich ist, die gleichen Bedingungen zu haben. Hier kann man sagen, dass es nie besser sein wird.
Wir hatten während der ganzen Reise gutes Wetter. Die Temperaturen waren meistens über dem Gefrierpunkt und die Sonne schien. Manchmal waren da etwas Wolken und ein bisschen Wind, aber kaum Seegang (ich hatte meine präventiven Tabletten gegen Seekrankheit am dritten Tag abgesetzt).
Ganz wichtig war aber, dass es kaum Nebel hatte:
Wenn man wegen Nebel das Ufer nicht sieht, darf man nicht an Land gehen.
Das ist zu gefährlich, weil man so die Eisbären nicht rechtzeitig sehen würde. Der Eisbär ist eines der wenigen Tiere, die auch Menschen als Beute betrachten und ohne Not angreifen können. Deshalb darf man auch nicht anlanden, wenn ein Eisbär in der Nähe ist. Die Tiere können sehr gut schwimmen und überqueren einen Fjord unter Umständen in weniger als einer halben Stunde. (Das Einladen am Strand von über 120 Touristen in Schlauchboote à 10 Personen dauert definitiv länger…) Und an Land kann ein Eisbär auch ein Rentier einholen und töten. Diese Tiere sinf also sehr schnell, wenn es darauf ankommt; schneller als Mensch.
Und wenn es trotzdem zu einer Begnung kommt, muss das Tier getötet werden, wenn es näher als 30 Meter kommt und Erschrecken mit Leuchtpistolen nicht funktioniert.
Jeder unserer Guides (einer pro 10 Gäste) war deshalb auf den Ausflügen immer mit Funkgeräten, Leuchtpistolen und geladenen Jagdgewehren (Kaliber .308) ausgrüstet.
Zum Glück hatten wir keinen solchen Zwischenfall und die Eisbären, die wir gesehen haben, waren oft nur ein weisser Punkt am Horizont.

Wir sahen viele Tiere: Wale (Zwergwale, Buckelwale, Weisswale [Belugas] und sogar einen Blauwal, das grösste Tier, das je auf der Erde gelebt hat), jede Menge Walrosse und verschiedene andere Robben und noch mehr Vögel.
Oft waren die Tiere allerdings so weit entfernt, dass es sich mit meinen Brennweiten nicht lohnte, zu fotografieren. Dann blieb es halt bei einer Beobachtung, allenfalls mit dem Fernglas.
Eine Ausnahme war eine Walross-Kolonie, der wir uns an Land auf ca 50 Meter nähern konnten.

Es gab einige Höhepunkte auf dieser Reise, und praktisch täglich fanden zwei Anlandungen oder Schlaubootfahrten statt.
Das ist viel. Es gibt selten eine Reise, auf der man so oft das Schiff verlassen kann.
Der Weckruf kam in der Regel um 07:00 und Frühstück gab’s ab 07:30.
Der erste Ausflug startete um 08:30 und der letzte kam gegen 17:00 zum Schiff zurück (dazwischen kam man natürlich zum Mittagessen zurück auf’s Schiff).
Um 18:15 gab’s einen Tagesrückblick des Expeditionsleiters (und einen Ausblick auf die Route und das Programm des nächsten Tages) und um 19:00 wurde das Abendessen serviert.
Auch wenn man nicht zu spät ins Bett ging und so zu genügend Schlaf kam, war man am Ende des Tages müde, und anders als auf anderen Schiffreisen hatte ich schon um 11:00 respektive 16:00 wieder Hunger. Mein Plan, wie immer das Mittagessen auszulassen, wenn es ein opulentes Frühstücksbuffet gibt, hat nicht funktioniert. Die frische Luft, die kühle Seeluft und die körperliche Betätigung verbrauchten mehr Energie als gewohnt. 😉

Da es ausser in Longyearbyen keine Häfen auf Svalbart gibt, in denen das Schiff hätte anlegen können, liefen die Landgänge (und Schlauchbootausflüge) immer folgendermassen ab:
Wasserfeste Kleidung anziehen, darunter warme Kleidung sowie Mütze und Handschuhe, damit man während zwei Stunden im Schlauchboot nicht fror. Ohne wasserfeste Kleidung wurde man nicht auf ein Schlauchboot gelassen. An den Füsse trug man Gummistiefel, die man an Bord erhielt. Es wurde davon abgeraten, die eigenen Outdoorschuhe zu tragen. Spätetens wenn man am Ufer aus dem Schlauchboot sprang und bis zu den Unterschenkeln im Wasser stand, wusste man wieso. 😉
Dann musste man sich mit seiner Zimmerkarte an Bord abmelden und in ein schwankendes Schlauchboot, ein sogenanntes Zodiac steigen. Zodiac ist ein Markenname für besonders stabile Schlauboote mit einem starken Motor. Unser Boote fassten je 10 Passagiere und einen Fahrer und hatten einen 60PS Aussenbordmotor. Die M/S Hondius hat 16 Zodiacs an Bord.
Am Strand angekommen, musste man im seichten Wasser aus dem Boot springen.
Zurück lief es genau gleich, einfach in umgekehrter Reihenfolge. Die Guides und die Schiffbesatzung halfen den Passagieren, wo sie konnten. Und wenn nötig half man sich auch unter den Passagieren. Da konnte selbst der älteste Passagier mit 82 Jahren und einem bösen Knie bei jedem Landgang mit dabei sein.
Besonders aufpassen musste man auf die Sonne: Strahlender Sonnenschein ist in der Arktis auf dem Wasser und im Eis ist besonders stark. Da war täglich zwei Mal Sonnenschutzfaktor 50 oder mehr angesagt. Ich habe schon am dritten Tag gesagt: „Wir fahren in die Arktis und kommen braungebrannter nach Hause, als wenn wir in den Süden gefahren wären. Und das alles ohne Schwitzen…“. 😉
Und ohne Sonnenbrille konnte man nicht längere Zeit draussen sein, ohne seine Augen auszutrocknen und zu entzünden.
Nach der Rückkehr auf’s Schiff musste man sich mit der Zimmerkarte wieder anmelden, durch eine automatisches Schuhreinigungsmaschine gehen und am Schluss mit den Stiefeln in ein Desinfektionsbecken stehen. Danach konnte man zum Umziehen in die Kabine.

Ich habe auf dieser Reise sehr viele Eindrücke gesammelt. Zuviele, um jeden einzelnen zu beschreiben. Wir haben an Land unter anderem auch zwei verweste Eisbären sowie Walknochen gefunden und noch vieles mehr.
Eins möchte ich hier aber erwähnen. Leider ist es nicht positiv:
Fast überall, wo wir an Land gingen, haben wir Unmengen von Plastik gefunden, die angeschwemmt wurden. Das war, einfach ausgedrückt, eine riesige Sauerei.
Wenn man nun in Betracht zieht, das die nächste menschliche Siedlung, die solche Abfall produzieren kann, Tausende von Kilometern entfernt liegt, kann man sich vorstellen, wie es in unseren Meeren aussieht, wenn das Zeug sogar in der unbewohnten Arktis angespühlt wird.
Ein paar Beispiele, die wir gefunden und eingesammelt haben: Teile von Fischernetzen, BIC-Feuerzeuge mit russischem Aufdruck, ein Etikett in dänischer Sprache von einer Dose Snus, eine abgeschossene Schrotpatrone und massenhaft grössere und kleinere Plastikstücke sowie Stücke von Kunststoffschnüren, etc. Den sogenannten Mikroplastik haben wir natürlich nicht gesehen. Der war aber auch da.
Unsere Gruppe hatte in zehn Minuten mehrere Kilos von dem Unrat aufgesammelt.
Nun glaube ich, dass die Verschmutzung der Meere tatsächlich ein sehr grosses Problem ist und die meisten Tiere dort draussen mehr oder weniger Plastik fressen und zum Teil daran verenden.
Darüber lesen und durchaus auch glauben, dass das, was man liest, wahr ist, ist eine Sache. Aber einen Strand zu sehen, der von dem Müll übersäht ist (und den Müll dann auch selbst aufsammeln), ist völlig etwas anderes. Daran werde ich mich sicher noch lange erinnern.

Natürlich habe ich auf der Reise auch ein wenig fotografiert. 😉
Ich bringe fast 4’000 Rohbilder mit nach Hause, die in den folgenden Monaten sortiert, ausgewählt und bearbeitet werden wollen. Das braucht etwas Zeit und ich werde mich auf diesem Kanal wieder melden, wenn ich Bilder hochgeladen habe.
Ebenfall werde ich sicher einen Beitrag schreiben, sobald ich von Kontiki und Ocreanwide alle Briefings und Karten erhalten habe, und ich den Verlauf der Reise auf der Karte beschreiben kann.

Stay tuned

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