Heute fuhr ich wie geplant nach Borgarfjörður eystri, um Papageientaucher (Fratercula arctica) zu fotografieren.
Diese arktischen Vögel leben den ganzen Winter durch auf hoher See und kommen ca Mitte April an Land, um ihre Jungen aufzuziehen. Sobald diese flügge sind, fliegen die Vögel im August wieder auf das Meer hinaus.
Die Puffins, wie sie in Englisch heissen, sind monogam. Jedes Paar bleibt ein Leben lang zusammen und brütet pro Jahr ein Ei in einer Erdhöhle aus, das es bevorzugt an einer Steilküste gräbt.
Diese Vögel sind können nicht nur gut und schnell fliegen. Sie sind auch sehr gute Taucher, die bis 60 m Meter tief im Wasser auf Futtersuche gehen können.
Der Hafen von Borgarfjörður eystri, Borgarfjarðarhöfn, wird von einer kleinen Halbinsel geschützt. Und auf dieser Halbinsel brüten mehrere Vogelarten, vor allem Puffins. Tausende dieser kleinen Vögel haben dort paarweise je eine Nesthöhle gegraben, bewachen und versorgen ihren Nachwuchs und gehen von dort auf Futtersuche.
Das besondere an diesem Ort ist, dass es eine Beobachtungsstation sowie Stege und Treppen gibt, über die man mitten ins Brutgebiet gehen kann. Die Vögel nisten auf Armlänge der Besucher und scheinen sich nicht an den Touristen zu stören, die sie tagein, tagaus zu Hunderten besuchen und fotografieren. 🙂
Das Dörfchen Borgarfjörður eystri liegt sehr abgelegen (von Egilsstaðir ist eine Stunde Fahrt). Auch wenn es dort einen Camping- und Wandertourismus gibt, ist der Vogelfelsen die Hauptattraktion, der natürlich in allen gängigen Reiseführern genannt wird.
Ich war vor vier Jahren Ende August schon einmal hier. Da war der Felsen bis auf ein paar Möwen leer. Sechs Tage, nachdem ich auf den Westmännerinseln an der isländischen Südküste Puffins fotografieren konnte, war kein einziger der Vögel mehr da. Die Puffins verlassen in der zweiten Hälfte August alle gleichzeitig das Land und fliegen aufs offenen Meer hinaus.
Heute war das anders. Da hatte sich die rund 100 km lange Fahrt gelohnt.
Puffins, wo das Auge hinschaute. Und zu meinem Erstaunen gar nicht so viele Touristen wie befürchtet. Die, die da waren, verhielten sich auffallend ruhig. Auf dem Vogelfelsen war kein einziges lautes Wort zu hören und es wurde auch nicht gedrängelt.
Aber bevor ich zum Vogelfelsen fahren konnte, musste ich etwas tun, das ich in Island noch nie getan hatte, und ich mir nie hätte träumen lassen, dass es einmal nötig sein wird:
Ich musste in Egilsstaðir kurz zum Nettó (isländische Supermarktkette), um Sonnencreme zu kaufen!
Schon der sonnige Vormittag am vergangenen Sonntag an der Südküste hatte dazu geführt, dass mein sich Kopf etwas warm und meine Haut trocken anfühlte. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich ordentlich „Farbe“ im Gesicht gekriegt hatte. Dieses Gefühl verstärkte sich gestern trotz des Regens.
Das wunderte mich, bis mir einfiel, dass ich gestern Nachmittag über eine Stunde im Hotpool lag und die Sonne durch die Wolken schien. Das reichte offenbar. Ich habe auch an vielen Stellen am Körper den typischen Ausschlag, den ich immer kriege, wenn ich das erste Mal viel Sonne abkriege. Der klingt nach ein paar Tagen wieder ab. Das kommt defintiv vom Baden.
Direkt spührt man die Sonne ja nicht wirklich, wenn man draussen ist, weil praktisch immer ein wenig Wind da ist.
Als ich nun heute Morgen aufstand, herrschte strahlender Sonneschein!
Da ich wusste, dass ich wieder stundenlang draussen an der Sonnen stehen würde, musste ich etwas tun, um mich zu schützen: in Form von Sonnencreme mit Schutzfaktor 50.
Das ist mir hier in Island echt noch nie passiert. 😉
Ich habe mich noch nicht festgelegt, wohin ich morgen fahren werde.
Je nach Wetter wird es wohl das Dorf Seyðisfjörður sein, wo alle Fähren aus Dänemark ankommen und viele Kreuzfahrtschiffe anlegen, oder der Stuðlagil Canyon, oder vielleicht beides. Es gibt aber noch weitere Optionen.
Ich schaue morgen nach dem Frühstück mal, worauf ich Lust habe.
