Heute war ich wie geplant zuerst beim Stuðlagil Canyon, und danach fuhr ich noch nach Seyðisfjörður.
Während am Morgen hier noch die Sonne schien (die mich schon um 05:30 geweckt hatte), nahm die Bevölkung immer mehr zu und gegen Mittag war der Himmel komplett bedeckt. Beim Stuðlagil wehte zudem eine steife Brise.
Alles eigentlich Vorboten von Regen. Und dank dem starken Wind kommt solches Wetter nicht nur, es geht in der Regel auch bald wieder. 😉
Allerdings blieb es vorläufig trocken, und als ich nach dem Mittag zurück in Egilsstaðir war, schien das Wetter stabil zu bleiben.
Aber als ich über den Pass Fjarðarheiði nach Seyðisfjörður fuhr, wehte ein anderer Wind: um die 70 km/h. Auf dem Pass (Passhöhe ist 620 müM) hatte ich echt Mühe, meine Autotür aufzudrücken, um aussteigen zu können. Die Lufttemperatur lag bei 3 Grad Celsius und der Stausee auf der Passhöhe war zu gut 70% zugefroren. Ausserdem lagen hier noch überall recht grosse Schneefelder.
Unten in Seyðisfjörður war es zwar wieder etwas wärmer, aber der Wind wurde immer stärker und die Wolken immer dunkler. Gegen 15:00 setzte der Regen ein.
Im Hafen von Seyðisfjörður lag mal wieder ein Kreuzfahrtschiff. Dieses Mal war es die AIDAsol mit etwas über 2’000 Passagieren.
Das Schiff kam auf direktem Weg von Hamburg und die Passagiere hatten nach 2 Tagen auf See den ersten Landgang.
Man muss sich das Verhältnis vor Augen führen: in einem kleinen Fischerdorf mit ca 670 Einwohnern fällt eine Horde von über 2’000 Kreuzfahrtpassagiere ein. Es gab keinen Platz in einem Café oder Restaurant mehr und die Leute waren buchstäblich überall…
Ich verstehe sehr gut, dass die Bewohner solcher Orte keine Freude an diesem Massentourismus haben. Die Touristen verhalten sich oft recht rücksichtslos, und man kriegt in solchen Situationen echt das Gefühl eines Heuschreckenschwarms. Einfallen, alles fressen und wieder verschwinden…. 😉
Zudem beklagen sich die Geschäftsleute, dass Kreuzfahrttouristen kaum etwas konsumieren, wenn sie an Land gehen.
Warum sollten sie auch? An Bord haben sie alles, und das meiste ist im Preis der Kreuzfahrt schon inbegriffen.
Diese Orte profitieren also kaum von den Kreuzfahrtschiffen. Das tun bloss die Firmen, die Ausflüge anbieten.
Und das ist dann das nächste Ärgernis, wenn sich Bus an Bus über die Passtrasse quält und alle anderen Autofahrer dürfen hinten anstehen. Ausserdem blockieren diese Busse oft die kleinen Parkplätze an den Sehenswürdigkeiten, so dass Pws kaum noch Platz haben.
Heute schien es, dass das Wetter viele der Leute rasch wieder zurück an Bord trieb. Wer will schon im Juni Wetter wie im Spätherbst? 😉
Und diejenigen, die im Ort blieben, füllten die Cafés bis auf den letzten Platz. Ich habe nirgends einen Kaffee gekriegt. No Chance. 😦
Bei der Rückfahrt habe ich den alten Spruch „Wenn Dir in Island das Wetter nicht gefällt, warte eine Viertelstunde oder fahr 10 km“ erlebt.
Ich bin nach Egilsstaðir zurückgefahren. Auf dem Pass Fjarðarheiði herrschten winterliche Verhältnisse: 2 Grad Celsius, starker Wind (ca 70 km/h) und Graupelschauer. Wenn das dort oben noch etwas länger angehalten hat, hat sich bestimmt Schnee festgesetzt.
Einen Teil des Weges hingen die Wolken so tief, dass es zu einer Fahrt durch dicken Nebel wurde.
Aber sobald ich auf der anderen Seite talwärts fuhr, nahm der Wind ab, es wurde wärmer (und heller) und der Regen war schliesslich noch ganz feiner Wasserstaub, fast wie Nebel.
Und so blieb es, bis ich nach einem kurzen Halt (um zu tanken und einen Kaffee zu trinken) wieder hier im Hotel ankam.
Hier weht immer noch ein anständiger Wind. Aber es hat insgesamt aufgehellt und das Wetter scheint stabil zu sein.
Morgen geht’s dann weiter in den Norden und wieder Richtung Westen. Ich werde durch das Gebiet des Mývatn fahren. Dort gibt’s neben dem See (um den herum es zu dieser Jahreszeit nur so von Mücken wimmelt) noch einige sehr schöne Dinge zu sehen (zB das Kratergebiet der Krafla, das Geothermalgebiet Hvrerir, das Lavafeld Dimmuborgir, etc.).
Ich hoffe auf einigermassen trockenes Wetter, damit ich ein paar gute Bilder schiessen kann.
