Island 2025: Die letzte Etappe

Island_flagDie heutige, letzte Etappe, die mich auf die Halbinsel Reykjanes (Reykjanesskagi) in die Nähe des Flughafens Keflavík führte, war nicht allzu lang.
Ich konnte mir also Zeit nehmen und den einen oder anderen Abstecher machen, und dabei das herrliche Wetter geniessen.
Übrigens: Die isländischen Medien sprechen von einer „Heat wave“, die heranrollt. In den kommenden Tagen sollen Temperaturen von 18 Grad Celsius und mehr möglich sein… 😉

Also ergriff ich die Gelegenheit und bog von Norden her kommend auf der Höhe Akranes in den Hvalfjördur ein.
Früher musste man auf dem Weg von und nach Reykjavík um diesen Fjord herumfahren.
Doch 1998 wurde ein Tunnel unter dem Fjord hindurch eröffnet, der die Reisezeit um eine gute Stunde verkürzte.
Somit ist die Strasse um den Fjord herum zur Nebenstrasse geworden und wird eigentlich nur noch befahren, wenn Leute am Fjord wohnen oder arbeiten, oder wenn jemand eine gemütliche, landschaftlich schöne Fahrt machen will.

Auf der Nordseite des Fjords gibt es ein „War and Peace Museum“. Dort war ich schon einmal, aber das Museum hatte wohl wegen COVID geschlossen. Nun wollte ich es besuchen.
Island hat keine Armee, aber eine grosse geostrategische Bedeutung (eigentlich ein Wunder, dass Trump noch keine Gelüste geäussert hat, Island auch zu anektieren…).
Deshalb wurde es im zweiten Weltkrieg zuerst von den Briten und dann von den Amerikanern besetzt, um zu verhindern, dass die Deutschen dies tun. Diese Besetzung war bei den Isländern ganz und gar nicht beliebt, bewahrte sie aber vor Schlimmerem, den die Briten kamen den Deutschen nur um ein paar Wochen zuvor.
Aus diesem Grund interessiert es mich, wie das damals ablief.

Es stellte sich heraus, dass dieses „War and Peace Museum“ ein riesiges Sammelsurium von Gegenständen des Alltags aus der Zeit des Krieges gemischt mit militärischen Artefakten von drei Mächten (England, USA und die Sowjetunion) ist.
Die Räume scheinen ein ehemaliges Restaurant mit Versammlungssaal zu sein, das zum öffentlichen Schwimmbad gehört. Heute gibt es dort noch eine kleine Bar, an der man etwas zu trinken und Kuchen kriegt. Der Rest ist überstellt mit alten Dingen.
Ich habe mit dem Besitzer gsprochen, und er hat mir erzählt, dass er erst 2014 damit begonnen hat, diese Artefakte zu sammeln. Das meiste stammt aus der Bevölkerung, die ihm die Gegenstände überliessen, nachdem sie erfuhren, dass er das sammelt; entweder ältere Leute, die noch Erinnerungsstücke von damals hatten, oder jüngere Leute, die das Haus von verstorbenen Familienmitgliedern räumten, und für den alten Ramsch keine Verwendung mehr hatten.
Er hat mir von seiner Grossmutter erzählt, die die Besetzung während des Krieges erlebt hatte, und die Briten und die Amis dafür gehasst hatte. Sie war sich aber nicht bewusst, wie nah die Deutschen Island bereits gekommen waren, und was es bedeutet hätte, wenn die Briten die Insel nicht besetzt hätten.

Da ist ganz schön was zusammengekommen: Das ehemalige Restaurant (4 Räume und ein Saal mit einer kleinen Bühne) ist bis unters Dach vollgestopft mit grossen und kleinen Dingen.
Das reicht von Puppen über eine Singer-Nähmaschine bis zu vollständigen Uniformen (unter anderem eine schwarze SS-Uniform), einen Jeep der US Army und diversen Waffen (zB eine Sten-Maschinenpistole der Briten, eine Tokarew-Maschinenpistole der Soviets und eine Panzerfaust der Deutschen). Ich habe soger eine kleine Hitlerbüste gesehen.
Der Besitzer hat versucht, die Dinge thematisch etwas zu ordnen und einzelne Einrichtungen nachzubauen: Es gibt einen kompletten Barbershop, einen kleinen Einkaufsladen und einen britischen Funkraum (in dem allerdings auch sowjetische Funkgeräte stehen). Es gibt eine Jukebox, Geschirr, Fotoapparate, Flaggen, militärische Ausrüstung und Abzeichen aller Art sowie Modelle von Schiffen. etc.
Wollte man sich das alles genauer ansehen, bräuchte man Stunden.

Ich habe nach meinem Rundgang lieber noch eine Stunde mit dem Besitzer und seinem Kumpel gequatscht und viel über damals, aber auch über das Leben in Island heutzutage erfahren. 🙂
Dabei stellte sich heraus, dass diese Leute eine Stadt wie Reykjavík in der Nacht als gefährlich anschauen, während ich mich erst im Frankfurter Bahnhofsviertel unwohl fühlte, und es in Zürich ausser ein paar Nebenstrassen der Langstrasse wohl kaum einen Ort gibt, den ich meiden würde, weil er mir zu gefährlich wäre. Ich habe jedenfalls Reykjavík zu jeder Tages- und Nachtzeit als sehr sicher wahrgenommen.
Die eigene Wahrnehmung basierend auf der eigenen Erfahrung spielt hier wohl eine sehr grosse Rolle.

Nach dem Museum fuhr ich zum Leuchtturm von Akranes. Das sind nur ein paar Kilometer.
Bei meinem letzten Besuch im Frühling 2021 war auch dieser Leuchtturm wegen COVID geschlossen.
Heute war er offen und ich stieg die 72 Treppenstufen hinauf, um auf 22 Meter Höhe eine schöne Aussicht zu geniessen. Leider konnte man wegen des Dunstes in Süden nicht bis Reykjavík sehen.

Nun bin ich in Garður, 15 Minuten vom Flughafens Keflavík entfernt. Hier bleibe ich noch einen Tag und mache morgen einen Ausflug nach Reykjanes, bevor ich am Montag nach Hause fliege.

Stay tuned.

 

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