Island 2024: Der Sturm meldet sich noch einmal

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Wie vom Wetterdienst angekündigt, drehte letzte Nacht das Wetter in Ísafjörður (faktisch in den ganzen Westfjorden) komplett.
Als ich heute Morgen aufstand, schneite es draussen.
Damit hatte ich gerechnet. Und auch damit, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Aber das Verückteste erlebte ich einige Stunden vorher:
Um ca halbzwei Uhr in der Nacht (oder sollte ich besser sagen „am Tag“) erwachte ich wegen Lärm unter meinem Hotelfenster.
Nun war mein Zimmer gegen die Strasse gelegen und das Hotel mitten in der Stadt. Es war also nichts Ungewöhnliches, wenn ab und zu ein Lastwagen oder gröhlende Jugendliche unter meinem Fenster Lärm machten. Aber das dauerte immer nur kurz und hat mich kaum im Schlaf gestört.
Dieses Mal war der Lärm aber anhaltend und tönte wie ein Baumaschine. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken.
Also stand ich auf und sah nach. Und glaubte meinen Augen kaum.
Da unten malte ein Bauarbeiter um 01:30 alle Parkfelder in dieser Stasse nach. Dass die Maschine, auf der er sass, laut war, konnte man schon nur daran erahnen, dass er selbst Gehörschutz trug…
Zum Glück war er nach einer Viertelstunde damit fertig und fuhr weiter. Da konte ich wieder einschlafen.
Ich verstehe ja, dass in der Zeit, in der es hier nicht dunkel wird, vorallem draussen auch nachts gearbeitet wird. Das geht im Winter schlechter, wenn es nur wenige Stunden Tageslicht gibt.
Aber muss es so eine lärmige Arbeit sein??? Mitten in der Stadt???

Zurück zum Verlauf des heutigen Tages:
Als ich in Ísafjörður kurz vor 10 losfuhr, regnete es, die Wolken hingen tief, in den Bergen lag Schnee und es wehte ein starker Wind.
Diese Bedingungen bin ich in Island gewohnt. So kann ich gut fahren. Es allerdings nicht immer einfach, auszusteigen und zu fotografieren, ohne komplett nass zu werden.
Ausserdem gab es gemäss isländischem Wetterdienst zwischen 10:00 und 15:00 ein Fenster, in dem das Unwetter nachlassen sollte. Es gab jedenfalls für diese Zeit keine besonderen Wetterwarnungen.
Aber am Ende meiner Fahrtstrecke war ein ca 25 km langer Pass resp die Hochebene Steingrímsfjarðarheiði. Dort könnten die Bedingungen durchaus kritisch werden, wenn das Wetter plötzlich umschlagen würde.

Als ich losfuhr, meldete der Wetterdienst auf der Strasse 61, die über die Steingrímsfjarðarheiði führt, zuerst Nassschnee auf der Fahrbahn und später vereinzelte Vereisungen. Ausserdem wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 15 Meter pro Sekunde (54 km/h) angezeigt. Das könnte ein Problem werden, da ich keine Spikes mehr hatte. Die sind in Island nur im Winter erlaubt.

Die Fahrt bis zur Steingrímsfjarðarheiði verlief aber ereignislos. Mal Regen, mal nicht. Mal starker Wind, mal kein Wind. Und wenn es nicht regnete, war die Strasse trocken.
Als ich zum Aufstieg zur Steingrímsfjarðarheiði kam, hatte ich die erste Überraschung: Die Wettertafel zeigte keinen Wind an und die Strasse war trocken. Ich konnte also ganz normal weiterfahren.
Ganz oben gab es dann ein paar nasse Stellen auf der Strasse und auch der Wind nahm deutlich zu. Ausserdem schneite es ganz leicht und die Temperatur lag um den Gefrierpunkt.
Aber man konnte immer noch völlig ungehindert weiterfahren, und so kam ich ohne Probleme ans Ziel.

Da ich für den Check-In noch etwas zu früh dran war, habe ich einen Abstecher nach Hólmavík gemacht und dort das Museum für Hexerei und Zauberei in Island besucht.
Island hat wie ganz Europe im 17. Jahrhundert an Hexenparanoia gelitten, die durch die Kirche noch geschürt wurde.
Das Besondere hier war, dass praktisch nur Männer dieses Verbrechens angeklagt und verbrannt wurden. Unter 21 in Island verbrannten Hexen resp Zauberer war nur ein Frau. Ganz Gegenteil zum restlichen Europe, wo praktisch nur Frauen diesem Wahn zum Opfer fielen.
Ausserdem ist es schon sehr speziell, wenn in einem Land, in dem akuter Holzmangel herrscht (die Wälder in Island wurden schon kurz nach der Besiedelung innert hundert Jahren von den Wikingern komplett abgeholzt), viel Holz für eine solche Hinrichtung verwendet wurde. Oft wurde deshlab das Holz für den Scheiterhaufen vom Haus des Verurteilten geholt. Oder man verwendete Treibholz.
In jedem Fall bietet das Museum einen interessanten Einblick in die Geschichte Islands.

Als ich nach dem Zimmerbezug hier im Malarhorn Guesthouse in Drangsnes wieder im Internet den Strassenzustand checkte, wurde dort für die Strasse 61 über die Steingrímsfjarðarheiði „Nassschnee“ angezeigt und das Symbol der Schneeräumung.
Ich habe offenbar das „Gutes Wetter“ Fenster ganz gut erwischt, als ich hierher gefahren bin. 🙂

Jetzt tobt der Sturm hier. Ein bisschen Regen, aber vor allem stürmischer Wind, der am Haus rüttelt. Es pfeift und knirscht im ganzen Haus. Hoffentlich hält das Dach und es fliegt kein Stein in die Windsschutzscheibe meines draussen geparkten Autos.
Kurz nach Mitternacht sollte aber auch der Spuck ein Ende haben, und das Wetter sich wieder beruhigen.

Auf der morgigen, letzten Etappe meiner diesjährigen Islandreise sollte ich also bei ruhigem Wetter Richtung Süden fahren können.

Ein Sturmtief über Island

Stay tuned.

Island 2024: Ein schöner Tag in Ísafjörður

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Heute war das Wetter hier in Ísafjörður so ganz anders als gestern.
Die Sonne schien den ganzen Tag und die Temperaturen sind deutlich gestiegen. Wäre da nicht der ständige Wind (wenn auch nicht so heftig wie gestern) gewesen, hätte man sich im TShirt draussen sonnen können.

Am Morgen habe ich das Arctic Fox Center in Súðavík besucht.
Das ist nicht bloss ein Museum, sondern eine private Forschungs- und Dokumentationsstation, die sich ausschliesslich dem grössten Raubtier auf Island widmet, dem Polarfuchs (Vulpes lagopus).
Ausserdem gibt es dort noch eine Auffangstation, die verletzte oder kranke Tiere aufnimmt und für den Rest ihres Lebens für sie sorgt. In Island ist es verboten, Wildtiere wieder auszuwildern, nachdem sie einmal in menschlicher Obhut waren. Es gibt keine Resozialisierungsstation wie in Norwegen, in der die Tiere auf die Freiheit vorbereitet werden können.
Zum Glück sind die Polarfüchse in Island nicht gefährdet. Es geht ihnen hier gut und die Fuchspopulation ist gesund. Im Gegensatz zum Rest der Polarregion. Dort (zB Norwegen, Schweden, Finnland und Russland) sind die Tiere aus verschiedenen Gründen von Aussterben bedroht.
Zur Zeit gibt es zwei Füchse in der Auffangstation. Die Tiere wurden von Jägern gefunden, die sie, anstatt sie zu töten, hierher brachten. Der Fuchs auf dem Foto wechselt gerade sein Feld. Deshalb sieht er etwas räudig aus. Es geht ihm aber gut. 🙂
In Freiheit bin ich den Tierchen vor vier Jahren im Hornstrandir Naturschutzgebiet schon begegnet. Sie sind in der Regel sehr scheu. Aber wenn’s um Futter geht, werden sie neugierig.

Am Nachmittag wollte ich auf die Aussichtsplattform auf dem Berg Bolafjall.
Als ich 2020 das erste Mal dort oben war, gab es die Platform noch nicht. Daneben steht übrigens eine ehemalige Radarstation der NATO, die heute von der isländischen Küstenwache betrieben wird.
Vom Bolafjall hat man einen sehr guten Ausblick über den Ísafjörður (den Fjord, nach dem die Stadt benannt ist) und zum Hornstrandir Naturschutzgebiet. Mit der Plattform soll man noch mehr sehen.

Also bin ich nach Bolundarvík gefahren und von dort den Berg hinauf. Die Strasse ist eine Naturstrasse, die so breit ist, dass zwei Fahrzeuge jederzeit kreuzen können.
Allerdings war halb oben Schluss: Die Strasse zum Gipfel (und zur Plattform) war gesperrt, weil offenbar noch zu viel Schnee liegt. Schon im mittleren Drittel befanden sich links und rechts der Strasse noch meterhohe Schneewände, die davon zeugten, dass die Strasse im Frühling wohl mit der Schneefräse in den Schnee geschnitten werden musste.

Nachdem ich mich bei der Sperre kurz umgesehen hatte, und natürlich die Gelegenheit nutzte, im Juni noch einmal im Schnee zu stehen, bin ich dann zurück nach Ísafjörður.
Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Einkaufen und Spaziergängen in der Stadt (dieses Mal in der Sonne), sowie Kaffee und Lesen.

Morgen geht es weiter nach Osten, nach Drangsnes. Das sind 236 Kilometer, für die ich normalerweise ca zweieinhalb bis dreienhalb Stunden brauche.
Das sollte auch eingermassen aufgehen, obwohl für morgen wieder Sturm und Schneefall angesagt ist. Gemäss der Webseite des isländischen Wetterdienstes gibt es auf meiner Fahrstrecke ein Fenster von ca 10:00 bis 15:00 ohne irgendwelche Wetteralarme. Das heisst nicht, dass es keinen Wind und keine Niederschläge gibt. Aber es gibt zumindest keine extremen Wettersituationen.
Für 15:00 gibt der Wetterdienst dann an meinem Zielort Drangsnes wieder eine orange Wetterwarnung heraus.
Dann sollte ich dort angekommen sein, damit ich unter diesen Bedingungen nicht mehr fahren muss. Ausserdem muss ich kurz vorher über einen Pass, auf dem etwas kältere Temperaturen (eventuell unter Null) herrschen. Falls Schnee auf der Strasse liegt, komme ich dort wohl nicht soooo schnell vorwärts.
Aber ich kenne die Strecke gut. Ich bin sie schon drei Mal gefahren, und ein Zeitfenster von fünf Stunden reicht für eine Strecke von zweieinhalb Stunden längstens. 🙂

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Polarfuchs

Stay tuned.

Island 2024: Ein Wintertag in Ísafjörður

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Wie gestern angekündigt, wurde das Wetter heute rauher.

Der Sturm aus dem Osten machte sich mit Windböen und Regen bemerkbar, und die Temperatur bewegte sich den ganzen Tag im einstelligen Bereich.
In der Stadt war es wohl kalt und windig, und manchmal auch nass. Aber sonst merkte man nicht viel davon, dass in anderen Teilen des Landes ein Sturm tobte.

Vorsichtshalber machte ich aber keine grösseren Ausflüge mit dem Auto. Rund um Ísafjörður herum sind die Berge weiss. In der Nacht ist dort oben offenbar einiges an Schnee heruntergekommen. „Berge“ heisst hier eine Höhe um die 500 Meter über Meer. Dabei haben die Passstrassen auf jeden Fall auch Schnee abbekommen .

Ich habe stattdessen das Heimatmuseum der Westfjorde besucht. Da wa ich vor sechs Jahren das letzte Mal. Die Geschichte und das Leben in den Westfjorden wird dort mittels orginialen Ausstellungsstücken und Dokumenten aus den vergangenen Zeiten dargestellt.
Das Leben in den Westfjordenkann auch heute noch hart sein. Besonders, wenn jemand ausserhalb einer Ortschaft auf einem abgelegenen Hof wohnt. Vor hundert Jahren muss das aber noch viel rauher gewesen sein, als es noch nicht überall Strom gab, und die Strassen besser Pfade waren.

Neu hat das Museum auch eine Museumskatze, die sich auf den drei Stockwerken frei bewegt. Wenn man ihr sympatisch ist, folgt sie den Besuchernund verbringt etwas Zeit mit ihnen. Mir hat sie eine Viertelstunde lang beim Anschauen eines Videos über die Fischerei von vor 100 Jahren Gesellschaft geleistet.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit gelegentlichen Spaziergängen im Ort und Lesen.
Heute habe ich meinen zweiten isländischen Kriminalroman seit meiner Ankunft in Island beendet:
Zuerst habe ich den zweiten „Hildur“ Roman von Satu Rämö gelesen. Der spielt hier in Ísafjörður. Auf den dritten „Hildur“ Roman muss ich allerdings noch etwas warten. Der erscheint erst im Verlauf des Jahres auf deutsch.
Als nächtes war der Roman „Abgrund“ mit „Haldur & Freyja“ von Yrsa Sigurdardóttir dran, den ich heute beendet habe.
Morgen mache ich dann mit „R.I.P.“ weiter, einem weiteren „Haldur & Freyja“ Roman von Yrsa Sigurdardóttir.
Das schlechte Wetter hat nicht nur schlechte Seiten… 😉

Der Sturm scheint sich übrigens ein bisschen zu beruhigen und mit fortschreitender Zeit an Kraft zu verlieren.
Als ich vorhin die Informationen des isländischen Wetterdienstes angeschaut hatte, waren das viel weniger gelbe Alarme und die organgen dauerten weniger lange als gestern.

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Byggðasafn Vestfjarða – das Heimetmuseum der Westfjorde

Stay tuned.

Island 2024: Ein Sturm kommt auf!

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Nun bin ich in Ísafjörður, der „Hauptstadt“ der Westfjorde angekommen. Hier bleibe ich drei Tage bis Donnerstag.

Das passt sehr gut zur aktuellen Wetterentwicklung, denn laut dem isländischen Wetterdienst trifft heute Nacht ein starkes Sturmtief von Westen her kommend auf Island. Man rechnet mit heftigen Stürmen, Regen und Schnee bis in die Niederungen. Und das soll bis Freitag anhalten.
Also bin ich ganz froh, wenn ich die nächsten Tage nicht unterwegs sein muss.
Zwar wird es die Westfjorde nicht so heftig treffen wie den Rest von Island. Die Wetterwarnstufe hier ist ab heute Abend gelb (gelb-orange-rot).
Trotzdem ist es nicht lustig, bei strömendem Regen und Windgeschwindigkeiten von 50 bis 80 Stundenkilometern Auto zu fahren. Wenn es nur Wind wäre, hätte ich keine Probleme.

In den nördlichen und östlichen Landesteilen und im zentralen Hochland sind Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h angesagt, und auch Schneefall. Einige Strassen werden schon heute Abend gesperrt. Der Wetterdienst hat für diese Teile des Landes die orange Warnstufe ausgegeben.
Für Lastwagen und Wohnmobile, die dem Wind grosse Angriffsflächen bieten, ist das definitiv kein Reisewetter mehr. Aber auch Pws sollten nicht unnötig unterwegs sein.
Allgemein werden die Leute aufgefordert, möglichst wenig nach draussen zu gehen, keine unnötigen Fahrten zu machen, rund um’s Haus alle losen Gegenstände festzubinden. Man wird allgemein von herumfliegenden Gegenständen gewarnt.

Mit gelb kann ich gut umgehen, weil ich das schon mehrfach erlebt habe. Aber orange möchte ich eigentlich nicht kennenlernen.

Der Winter ist in Island Anfang Juni definitiv noch nicht vorbei. Entsprechend sind auch die Temperaturen:
Aktuell ist in Ísafjörður noch schönes Wetter und es geht ein relativ schwacher Wind. Die Temperatur beträgt rund 3 – 4 Grad Celsius. Die Temperatur mit dem sogenannten „Windchillfactor“, also die gefühlte Temperatur, wenn man im Wind steht, ist -3 Grad.
Ehrlich gesagt, das habe ich ein bisschen unterschätzt. Ich wusste zwar, dass es Anfang Juni in Island windig und nicht besonders warm ist. Aber dass die Temperaturen so tief fallen werden, habe ich nicht gedacht.

Es passt also ganz gut, dass ich die nächsten Tage keine grösseren Verschiebungen vor mir habe. Das Wetter konnte ich natürlich bei der Buchung im letzten Oktober nicht vorraussehen. Aber ich habe offenbar Glück gehabt. 🙂

Auf der anderen Seite fallen diversen Aktivitäten buchstäblich ins Wasser, die ich für die nächsten Tage hier in Ísafjörður geplant habe.
Bei Sturm und Regen werde ich wohl kaum auf die neue Aussichtsplattform auf dem Bollafjall fahren. Vermutlich ist die bei solchen Bedingungen sowieso gesperrt.
Auch ein Ausflug ins benachbarte Tal wäre nur schlau, wenn es kaum regnet und keinen Sturm gibt. Zu gross wäre sonst die Gefahr von Steinschlag auf den Bergstrassen.

Aber schauen wir mal, wie sich das Wetter morgen früh präsentiert.
Einen ersten Eindruck werde ich erhalten, wenn ich zum Frühstück fünf Minuten durch die Stadt zum anderen Hotel gehen muss. Dann werde ich wissen, ob und was ich unternehmen kann, oder ob ich mich mit Laptop und Buch in ein Café verlegen muss.
Und es gibt hier auch noch ein gutes Heimatmuseum…

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on the road durch die Westfjorde

Stay tuned.

Island 2024: Bless Snæfellsnes, halló Vestfirðingar

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Bless Snæfellsnes, halló Vestfirðingar
Auf Wiedersehen Snæfellsnes, hallo Westfjorde.

Nun bin ich also in den Westfjorden, genauer gesagt in Bíldudalur, einem kleinen Fischerdorf mitten in den Westfjorden.
Die Westfjorde sind übrigens meine liebste Gegend in Island.
Ganz Island ist toll, ganz klar. Und es gibt im ganzen Land sehr viele grossartige und sehr beeindruckende Landschaften zu sehen.
Aber die Westfjorde haben einen ganz anderen Charme.
Man sagt, es sei die einsamste Gegend Islands. Aber auch geologisch gesehen die älteste. Die Natur hier ist einfach noch ein bisschen rauher als sonst, und die Fjorde sind eng.
Und ganz wichtig: Es sind noch immer nicht alle Strassen hier asphaltiert. Ausserdem sind die Pässe, die von einem Fjord in den anderen führen, teilweise recht steil (nichts, was ein gutes Auto nicht schaffen würde).
Das hält den Massentourismus ein bisschen zurück. Ganze Scharen von grossen Bussen voller Touristen, wie man sie ander Südküste dauernd trifft, kommen hier selten vor. Und die Westfjorde sind zu weit von Reykjavík und Akureyri entfernt, um von dort Tagesausflüge zu unternehmen.
Man ist hier ein bisschen „unter sich“.
Lediglich die Plage „Kreuzfahrtschiffe“ hat natürlich auch die Westfjorde erreicht. Leider. Dadurch kommen nun auch hierher mehr Pauschaltouristen.

Um hierher zu kommen, war ich heute gut 7 Stunden im Auto unterwegs. Zieht man die Mittags- und die Kaffeepause ab, waren es rund 6 Stunden Fahrt.
Eigentlich ginge das auch bequemer und schneller.
Aber weil am Sonntag die Fähre über den Breiðafjörður zwischen Stykkishólmur und Brjánslækur nicht fährt, musste ich um einen der grössten Fjords Islands herumfahren. Das verlängerte meinen Weg um 260 km und 3 Stunden.

Und das Wetter hat heute wieder einmal seine isländische Seite gezeigt.
Wenn Dir das Wetter in Island nicht gefällt, warte 15 Minuten oder fahre 10 Kilometer weiter.
Ungefähr so lief es heute auf der ganzen Strecke:
In Grundarfjördur schien um 6 Uhr die Sonne, um 8 Uhr ging ein Regenschauer nieder und um halb 9 hagelte es. Aber um halb 10 schien schon wieder die Sonne.
Und so ging es den ganzen Tag weiter: auf und ab, auf und ab.
Wobei ich sagen muss, dass das Wetter in den Westfjorden viel besser war, als ich aufgrund der Vorhersagen erwartet hatte.

So war meine Fahrt zwar lang, aber mindestens im zweiten Teil fuhr ich dank des guten Wetters durch beeindruckende Landschaften, über mehrere schöne Pässe und grossartige Fjords.
Wegen der Länge der Fahrt konnte ich leider nicht so oft anhalten und fotografieren. Hätte ich das getan, hätte ich kein Abendessen mehr gekriegt, weil das einzige Restaurant hier im Ort am Sonntag sehr früh schliesst.
Aber eine Mittagspause und eine kurze Kaffeepause in mir bereits bekannten Hotels an der Strecke mussten dann aber doch sein. 🙂

Morgen fahre ich weiter nach Ísafjörður, der „Hauptstadt“ der Westfjorde. Dort werde ich die nächsten drei Tage bleiben.
Mit ca 130 km ist der Weg dorthin relativ kurz. Gutes Wetter vorausgesetzt gibt es unterwegs den einen oder anderen Ort, an dem es sich lohnt anzuhalten.
Vor der Abfahrt besuche ich aber hier noch das Seemonstermuseum.
Ich war schon zwei Mal auf der Durchreise hier in Bíldudalur. Und jedes Mal hatte das Museum geschlossen. Ich hoffe, morgen um 10 Uhr haben die offen. So wie es im Internet steht.

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Die Garðar BA 64, das älteste Stahlschiff Islands

Stay tuned.

Island 2024: Die 2. Runde auf der Snæfellsnes Halbinsel

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Heute war das Wetter tatsächlich besser als gestern.
Zwar hat es ab und zu genieselt. Es wehte immer ein bisschen Wind und im Grunde war es den ganzen Tag bewölkt.
Aber besonders am Morgen war die Luft klarer als gestern und es herrschten ganz andere Lichtverhältnisse.

Also bin ich noch einmal rund um die Snæfellsnes Halbinsel gefahren.
Und bin dieses Mal tatsächlich auch von der Hauptstrasse nach Arnarstapi abgebogen.
Vorher bin ich aber noch einmal zur schwarzen Kirche von Búðir. Dort hatte es heute viel weniger Besucher als gestern und das Licht war so viel besser. Die Aufnahmen von gestern werden archiviert. Ich werde nur die Rohdaten von heute benutzen.
Ausserdem hatte man heute von dort einen wunderbaren Blick auf den Snæfellsnesjökull, den Gletscher, der den alten Vulkan bedeckt, und der der Halbinsel den Namen gab.
Der war gestern in den Wolken verschwunden.

Von Búðir bis Arnarstapi sind es bloss 13 km. Da war ich im Handumdrehen.
Ich habe dort tatsächlich Vögel angetroffen, viele Vögel. Die ganzen Klippen entlang der Küste waren voll. Allerdings waren das keine Papageientaucher, wie ich gehofft hatte. Es waren sogenannte Dreizehenmöwen. Aber von denen sassen Tausende in den Klippen.

Nach cen Vögeln blieb ich noch für einen Kaffee in Arnarstapi.
Allerdings hatte ich in dem Restaurant dort wieder einmal ein Fremdschämerlebnis.
Als ich hineinkam, waren die einzigen freien Tische die einer Reisegruppe, die soeben aufbrach. Das waren alles Schweizer.
Aber die Sauerei, die sie auf den Tischen und am Boden hinterliessen, war so gar nicht schweizerisch. Ich hielt den Mund resp. sprach nur Englisch, denn mit denen wollte ich nicht in Verbindung gebracht werden. Ich musste geschlagenen 10 Minuten warten, bis das polnische Personal den gröbsten Dreck weggeräumt hatte und ich an einem der Tische Platz nehmen konnte…

Nach dem Kaffee fuhr ich weiter zu den Lóngdrangar.
Das sind zwei rund 75 Meter hohe Basaltfelsen, die entstanden, als Lava ins Meer floss und von diesem abgekühlt wurde. Während viel Basalt in den Tausenenden von Jahren durch die Brandung abgetragen wurde, sind diese beiden Säulen geblieben, weil deren Basalt härter ist als der Rest drumherum.
Man sieht sie schon einige Kilometer, bevor man dort ist, wenn man auf der Hauptstrasse entlang der Küste fährt.
Wie vieles in Island, sind auch die Lóngdrangar von Sagen umwoben. Die Bauern in der Gegend haben auf dem Hügel dahinter nie Heu gemäht, denn er gehört angeblich den Elfen, die in der Gegend leben.
Nicht weit von den Lóngdrangar liegt übrigens die Lavahöhle Vatnshellir, die ich gestern besucht habe.

Danach bin ich gemütlich zurück in die Unterkunft gefahren und habe den Nachmittag mit Lesen auslaufen lassen.
Der zweite Kriminalroman von Satu Rämö, „Hildur – Das Grab im Eis“ habe ich am Mittwoch im Flugzeug begonnen, und werde ihn heute Abend fertig lesen. 😉
Satu Rämö ist eine finnische Schriftstellerin, die mit einem Isländer verheiratet ist und schon sehr lang in Ísafjörður in den Westfjorden lebt.
Ihre Hauptfigur Hildur stammt aus Ísafjörður und arbeitet dort als Kriminalermittlerin. Satu Rämö hat bis jetzt drei Romane mit Hildur geschrieben. Zwei sind bisher in Deutsch erschienen.
Am Montag werde ich auch in Ísafjörður eintreffen und drei Tage dort bleiben. Da kann ich versuchen, auf Hildurs Spuren zu wandeln… 😉

In Island ist jetzt wieder erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht beim Autofahren angesagt.
Nachdem alle Lämmer da sind, sind die Schafe für den Sommer in die Freiheit entlassen worden.
Das heisst, die Schafe sind nicht auf eingezäunten Weiden, sondern bewegen sich frei, wie es ihnen passt. Das heisst natürlich auch auf der Strasse. Und da sie völlig unberechenbar sind, muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht plötzlich ein Schaf überfährt.
Zur Zeit sind viele Muttertiere mit einem oder zwei Lämmer unterwegs. Und die rennen gerne auch mal plötzlich über die Strasse. Dann hält man am Besten an und wartet, bis die Tierchen sich dafür entscheiden, die Strasse zu räumen. Vor drei Jahren musste ich in den Westfjorden einmal 10 Minuten warten, bis 2 junge Böcke ihre Meinungsverschiedenheit ausgetragen hatten. 🙂
Heute habe ich ein Schaf mitten auf der Strasse sitzen sehen.
Das war zwar kein Problem, weil ich es schon von weitem gesehen hatte. Aber dass es sass, war schon etwas komisch. Ich hoffe bloss, dass es nicht angefahren worden war, und der verantwortliche Autofahren sich davon gemacht hatte?
Als ich zurückkam, war es aber nicht mehr dort.

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Möwe auf den Felsen in Arnarstapi

Stay tuned.

Island 2024: Höhlenforschung

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Heute bin ich nicht wie geplant nach Arnarstapi zum Vogelfelsen.
Dafür war das Wetter zu schlecht. Neben Regen wehte ab und zu auch ein starker Wind, so dass der Regen zeitweise waagerecht kam. Und das Meer hatte einen relativ starken Seegang mit hohen Wellen, die an die Küste knallten.
Aus Erfahrung weiss ich, dass man unter diesen Bedingungen auf der Aussichtsplattform in Arnarstapi trotz der Höhe gelegentlich eine Dusche kriegen kann.
Ausserdem ist so die Linse der Kamera ständig voller Spritzwasser. So kriegt man keine vernünftigen Bilder hin. Ich wollte schliesslich versuchen, Vögel zu fotografieren, vielleicht sogar Papgeientaucher. Eventuell wird es morgen etwas besser. Mal schauen.

Anstelle dessen habe ich zuerst den Kirkjufellsfoss und die schwarze Kirche von Búðir besucht.
Allerdings blieb ich blos etwa 10 Minuten bei der Kirche.
Gerade als ich einen Moment erwischt hatte, in dem kein anderer Tourist im Bild stand oder ein Selfie vor der Kirche machte, fuhr hinter mir ein Bus voller neuer Touristen auf den Parkplatz. Die Türen öffneten sich, und es ergoss sich eine mit dem Smartphone winkende, bunte Schar in Richtung Kirche. Einige davon rannten schon fast. In den nächsten 20 Minuten war also nicht daran zu denken, einen Moment ohne Touristen vor der Kirche zu kriegen, um ein vernünftiges Bild zu machen. Und wer weiss, was in diesen 20 Minuten sonst noch auf den Parkplatz gefahren wäre…
Also hiess es, mir dem geschossenen Bildmaterial zufrieden zu sein, zusammenzupacken und weiter zum nächsten Ziel.

Das war die Lavahöhle Vatnshellir. Der Name bedeutet übrigens „Wasserhöhle“, weil sich früher im Frühling beim Eingang immer das Schmelzwasser sammelte.
Ich bin in den letzten Jahren schon mehrere Male daran vorbeigefahren. Dieses Mal habe ich am Morgen im Internet ein Ticket für die Führung um 12:30 gekauft und so hat’s geklappt.
Lavahöhlen entstehen, wenn die fliessende Lava aus einem Vulkanausbruch am Rand des Stroms erkaltet, aber in der Mitte weiterhin fliesst.
In jedem Lavafeld gibt es viele solcher Höhlen. Aber nur selten findet man sie und noch seltener sind sie zugänglich.
Vor zwei Jahren besuchte ich die Höhle Viðgelmir im Westen Island. Das ist mit einer Länge von 1.6 km die längste bekannte Lavahöhle.
Vatnshellir ist viel kleiner. Aber während Viðgelmir einige Meter unter der Oberfläche relativ flach verläuft, geht Vatnshellir viel tiefer hinunter, in mehreren Kammern bis 35 Meter unter die Erdoberfläche. Vom Einstieg an der Erdoberfläche und der untersten Kammer sind zwei hohe Wendeltreppen hinabzusteigen, bis man ganz unten ist.

Nach dieser Exkursion bin ich dann gemütlich entlang der Nordküste der Snæfellsnes Halbinsel zurück nach Grundarfjörður gefahren und habe den Nachmittag dort verbracht.

Die Snæfellsnes Halbinsel, die als Nationalpark unter besonderem Schutz steht, ist in meinen Augen eine der schönsten Gegenden Islands. Ich liebe die Westfjorde, aber danach kommt bei mir Snæfellsnes.
Bei schönem Wetter ist die Halbinsel der Hammer. Sie hat sehr viele natürliche Sehenswürdigkeiten (zB Ytri Tunga, der Strand an dem sich die Robben sonnen, aber auch viele eindrückliche Lavafelder mit teils bizzaren Lavaformationen) und wer gerne wandert, findet auf dem Snæfellsjökull ein grosses Gebiet, um seiner Leidenschaft zu frönen.

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Im Inneren der Lavahöhle Vatnshellir

Stay tuned.

Island 2024: Die nächste Etappe

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Nun bin ich auf der Snæfellsnes Halbinsel.
Ich habe mein Quartier für drei Nächte im Helgrindur Gästehaus in Grundarfjörður bezogen.

Das Gästehaus liegt mitten im Ort, im ersten Stock über einer Bank.
Die Räume sind scheinbar neu renoviert und recht grosszügig ausgelegt. Besonders das Bad hat mich in seiner Grösse und Ausstattung positiv überrascht.
Jedes Zimmer hat einen Microwellen-Grill, einen Kühlschrank und ein Lavabo. Weiter hat es je zwei Sets an Tellern, Tassen und Besteck. Und einen Wasserkocher. 🙂
Der Check-In fand eigentlich gar nicht statt. Ich erhielt heute Morgen eine eMail und meldete mich telefonisch an, weil ich aufgrund des nicht so schönen Wetters erwartet hatte, früher in Grundarfjörður einzutreffen, als das Zimmer bereit wäre.
Aber alles kein Problem. Mein Zimmer wurde als erstes bereit gemacht, und das Wetter erwies sich auf Snæfellsnes viel besser als gedacht. Da konnte ich unterwegs trotzdem den einen oder anderen Foto-Stopp machen.
Als ich ankam, klebte ein Post-It mit meinem Namen an der Zimmertür und der Schlüssel steckt von aussen im Schloss.
Für einmal wohne ich also nicht in einem Hotel, sondern in einer Einzimmer-Fereinwohnung.
Das ist etwas günstiger, aber ich kriege am Morgen also nicht automatisch Frühstück, sondern muss wie zu Hause selber dafür sorgen. Das heisst, ich muss einkaufen gehen. Aber das habe ich heute Morgen bereits erledigt, kurz nachdem ich losgefahren bin. 🙂
Ansonsten könnte sich so manches 3*- oder sogar 4*-Hotel hier etwas abschauen, was Ausstattung, Zustand und Sauberkeit anbelangt.

Das Wetter war heute wieder einmal typisch Island. 🙂
Gestern Nacht wurde ich wach vom Regen, der heftig gegen mein Zimmerfenster trommelte.
Am Morgen nieselte es zwar nur ein bisschen, als ich losfuhr. Und ab und zu drückte sogar die Sonne durch die Wolken. Aber es wehte ein starker Wind. Und der ist ein Garant für schnelle Wetterwechsel.
Aber 5 Minuten, nachdem ich losgefahren war, fuhr ich schon wieder in heftigem Regen, um dann weitere 10 Minuten später wieder auf trockener Strasse zu fahren.
Und als ich auf die Nordseite der Snæfellsnes Halbinsel kam, gab es plötzlich strahlend blauen Himmel und Sonne pur. Aber der relativ starke Wind blieb. Dem verdankten wir vermutlich, dass die Sonne schien.

Nun, während ich das hier um 22:00 schreibe, scheint draussen immer noch die Sonne. Dank dem Wind ist es ca acht Grad Celsius. Die Wolken kleben geradezu an den Berggipfeln rund um Grundarfjörður und scheinen nur darauf zu warten, dass der Wind nachlässt.
Auch ohne den Wetterbericht zu konsultieren, bin ich mir ziemlich sicher, dass es morgen auch hier regnen oder zumindest bewölkt sein wird.

Wenn morgen das Wetter nur ein bisschen mitspielt, will ich rund um die Halbinsel fahren und verschiedene Orte aufsuchen.
Besonders das Dorf Arnarstapi insteressiert mich. Dort gibt es einen Vogelfelsen, der bei meinen bisherigen Besuchen immer schon leer war, weil die Zugvögel alle schon weggeflogen waren. Vielleicht sehe ich morgen ein paar Tiere.

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Unterwegs auf Snæfellsnes

Stay tuned.

Island 2024: Wieder in Island

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Jetzt bin ich wieder hier. 🙂
Nach acht Monaten bin ich zurück in Island.

Die Anreise verlief problemlos und ohne Verzögerung. Alles wie immer.
Hier in Keflavík war verhältnismässig wenig los. Man merkt, dass noch nicht Hauptsaison ist.
Zwar war der Flieger fast kommplett belegt. Aber das lag wohl an einer relativ grossen Gruppe der Firma SwissLife, die offenbar einen Betriebsausflug macht. Betreut wurden die von einem Reiseführer des Reisebüros Mittelthurgau.
Ausserdem waren einige Amerikaner an Board, die in Keflavík zum grössten Teil auf einen Interkontinentalflug nach Hause umgestiegen sind.
Ausserdem wurde der Flughafen Keflavík in verschiedenen Teilen umgebaut. Unter anderem die Gepäckanlage, bei der man sein Gepäck nach der Ankunft in Empfang nimmt. Da wurde mehrere neue, leistungsfähige Bänder installiert,

Auch die Fahrt zu meiner ersten Unterkunft, dem Hótel Bifröst, verlief ohne grössere Probleme. Bifröst liegt in West Island. Es ist ein kleines Kaff, hat aber eine eigene Universität und eben ein Hotel.
Vom Flughafen dorthin dauerte die Fahrt rund zwei Stunden.
Stau und Kolonnen im Hauptstadtgebiet: Zur Feierabendzeit fährt alles aus der Stadt heraus in die umliegenden Wohngemeinden.
Je weiter nach Norden ich kam, desto weniger Autos fuhren vor und hinter mir. Wie ich es aus Island kenne.

Hier ist es jetzt zwanzig nach zehn am Abend. Wegen der westlichen Lage der Insel und auch, weil Island keine Sommerzeit kennt, liegen die Uhren hier um 2 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit. Zu Hause ist es jetzt also zwanzig Minuten nach Mitternacht. 😉
Bloss ist es hier taghell. Und es wird wohl auch nicht dunkel werden.
Der Himmel ist bewölkt und morgen wird es vermutlich regnen. Ausserdem bläst ein kalter Wind. Im Moment ist es draussen 8 Grad Celsius.
Auch wenn es hier in Westisland im Moment noch keine richtige Mitternachtssonne gibt (das heisst, dass die Sonne den Horizont nie berührt), sind die Tage fast 24 Stunden lang.
Je weiter ich in den nächsten Tagen nach Norden fahren werde, desto länger werden die Tage. Mit etwas Glück sehe ich in den Westfjorden (Vestfirðir) dann die Mitternachtssonne (falls das Wetter mitspielt)…. 😉

Morgen geht’s dann weiter auf die Halbinsel Snæfellsnes. Dort bleibe ich für drei Nächte in Grundarfjörður.

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In Keflavík angekommen

Stay tuned.

Turin 2024: Ein langer, aber interessanter Tag in Turin

Flagge_ItalienHeute Morgen war der Regen hier in Turin weg, und die Sonne drückte stellenweise durch die Wolken. Danke eines leichten Windes änderte sich dies zwar immer wieder ein wenig, aber heute konnte man die Sonnenbrille wirklich gebrauchen. 🙂
Am frappantesten war allerdings der Temperaturanstieg von 10 Grad gesten auf gute 20 Grad heute.
Am Abend begann es zwar während dem Abendessen wieder zu regnen, aber zum Einen war das kaum der Rede wert und zum anderen fielen die Temperaturen kaum.
Auf jeden Fall habe ich bis halb acht draussen gegessen. 🙂

Wie geplant bin ich also heute auf den Markt auf der Piazza della Repubblica gegangen.
Dieser Markt ist riesig und es wimmelt nur dort so von Leuten. Mir ist aufgefallen, dass die Fleisch-, Fisch-, Früchte- und Gemüseverkäufer zu einem grossen Teil Italiener/innen waren, während bei den Kleider-, Haushaltwaren-, „Schmuck“- und Ramschständen vorwiegend Arabisch gesprochen und geschriehen wurde.
Und ich habe ein beträchtliche Anzahl Bettler und Ramschverkäufer mit sehr dunkler Hautfarbe gesehen. Die Bettler auf dem Markt erschienen mir zudem äusserst aggressiv und hardnäckig. Ich war innerlich mehr als einmal kurz davor, einem solchen Bettler physisch deutlich zu machen, dass er mich in Ruhe lassen soll.
Mir hat es dort sehr gefallen: Sehr viele Eindrücke, sehr viele Fotomotive, sehr viele Beobachtungen. ICh hätte den ganzen Tag dort verbringen können.
Und wenn ich hier wohnen würde, würde ich wohl öfters hier einkaufen. Die Waren, besonders die Früchte und das Gemüse machten mir einen sehr guten, frischen Eindruck.

Danach bin ich ins Museo Egizio.
Das Ticket hatte ich vor vier Tagen online gekauft.
Vor dem Museum gab es keine Schlange, denn heute Montag hatte es deutlich weniger Leute in der Stadt als am Wochenende. Soweit schon mal gut.
Aber trotzdem war das Museum gut gefüllt. Und die vielen Gruppen, die mit einem Führer durch die Gänge und Säle gingen, machten es auch nicht immer einfach, die Objekte genauer zu betrachtten.

Eine beeindruckende Sammlung, das ist sicher. Und ich bin mir auch sicher, dass ihr Beitrag zur Erforschung des alten Ägyptens sehr gross ist. Immerhin wurde Italien von Ägypten nach der Rettung von Abu Simbel für sein Mitwirken und seine Unterstützung mit einem kompletten Tempel beschenkt!
Dieser wurde im Museo Egizio wieder aufgebaut.
Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass auch diese Sammlung das Ergebnis von grossangelegten, als archäologische Forschung getarnten Grabplünderungen ist: die Engländer, die Deutschen, die Franzosen und offenbar auch die Italiener bedienten sich in Ägypten, wie sie wollten. Und die kaum existente und verarmte ägyptische Regierung machte damit ein gutes Geschäft…

Heute Abend konnte ich dann doch noch einige Nachtbilder schiessen.
Da der Nieselregen nach dem Abendessen praktisch aufgehört hatte, bin ich noch für zweieinhalb Stunden mit der Kamera in die Stadt gegangen: Piazza Castello und Piazza San Carlo sowie die Via Roma.
Da ich jedes Bild mit der sogenannten Bracketing-Methode, also als Belichtungsreihe aufnahm, sind so über 600 Rohbilder zusammengekommen. Effektiv wird das Ergebnis zahlenmässig überschaubar sein. Viele dieser Bilder sind ausserdem Testaufnahmen, die ich später sowieso löschen werde.

Morgen geht’s schon wieder nach Hause.
Turin ist eine tolle Stadt, die viel zu bieten hat. Vier volle Tage und fünf Nächte reichen bei Weitem nicht, um alles zu sehen und kennenzulernen. Dafür braucht es wohl regelmässige Besuche über Jahre.
Ich nehme mal an, ich bin nicht das letzte Mal hier gewesen… 😉

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Stay tuned!