
Wie vom Wetterdienst angekündigt, drehte letzte Nacht das Wetter in Ísafjörður (faktisch in den ganzen Westfjorden) komplett.
Als ich heute Morgen aufstand, schneite es draussen.
Damit hatte ich gerechnet. Und auch damit, dass es noch schlimmer kommen könnte.
Aber das Verückteste erlebte ich einige Stunden vorher:
Um ca halbzwei Uhr in der Nacht (oder sollte ich besser sagen „am Tag“) erwachte ich wegen Lärm unter meinem Hotelfenster.
Nun war mein Zimmer gegen die Strasse gelegen und das Hotel mitten in der Stadt. Es war also nichts Ungewöhnliches, wenn ab und zu ein Lastwagen oder gröhlende Jugendliche unter meinem Fenster Lärm machten. Aber das dauerte immer nur kurz und hat mich kaum im Schlaf gestört.
Dieses Mal war der Lärm aber anhaltend und tönte wie ein Baumaschine. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken.
Also stand ich auf und sah nach. Und glaubte meinen Augen kaum.
Da unten malte ein Bauarbeiter um 01:30 alle Parkfelder in dieser Stasse nach. Dass die Maschine, auf der er sass, laut war, konnte man schon nur daran erahnen, dass er selbst Gehörschutz trug…
Zum Glück war er nach einer Viertelstunde damit fertig und fuhr weiter. Da konte ich wieder einschlafen.
Ich verstehe ja, dass in der Zeit, in der es hier nicht dunkel wird, vorallem draussen auch nachts gearbeitet wird. Das geht im Winter schlechter, wenn es nur wenige Stunden Tageslicht gibt.
Aber muss es so eine lärmige Arbeit sein??? Mitten in der Stadt???
Zurück zum Verlauf des heutigen Tages:
Als ich in Ísafjörður kurz vor 10 losfuhr, regnete es, die Wolken hingen tief, in den Bergen lag Schnee und es wehte ein starker Wind.
Diese Bedingungen bin ich in Island gewohnt. So kann ich gut fahren. Es allerdings nicht immer einfach, auszusteigen und zu fotografieren, ohne komplett nass zu werden.
Ausserdem gab es gemäss isländischem Wetterdienst zwischen 10:00 und 15:00 ein Fenster, in dem das Unwetter nachlassen sollte. Es gab jedenfalls für diese Zeit keine besonderen Wetterwarnungen.
Aber am Ende meiner Fahrtstrecke war ein ca 25 km langer Pass resp die Hochebene Steingrímsfjarðarheiði. Dort könnten die Bedingungen durchaus kritisch werden, wenn das Wetter plötzlich umschlagen würde.
Als ich losfuhr, meldete der Wetterdienst auf der Strasse 61, die über die Steingrímsfjarðarheiði führt, zuerst Nassschnee auf der Fahrbahn und später vereinzelte Vereisungen. Ausserdem wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 15 Meter pro Sekunde (54 km/h) angezeigt. Das könnte ein Problem werden, da ich keine Spikes mehr hatte. Die sind in Island nur im Winter erlaubt.
Die Fahrt bis zur Steingrímsfjarðarheiði verlief aber ereignislos. Mal Regen, mal nicht. Mal starker Wind, mal kein Wind. Und wenn es nicht regnete, war die Strasse trocken.
Als ich zum Aufstieg zur Steingrímsfjarðarheiði kam, hatte ich die erste Überraschung: Die Wettertafel zeigte keinen Wind an und die Strasse war trocken. Ich konnte also ganz normal weiterfahren.
Ganz oben gab es dann ein paar nasse Stellen auf der Strasse und auch der Wind nahm deutlich zu. Ausserdem schneite es ganz leicht und die Temperatur lag um den Gefrierpunkt.
Aber man konnte immer noch völlig ungehindert weiterfahren, und so kam ich ohne Probleme ans Ziel.
Da ich für den Check-In noch etwas zu früh dran war, habe ich einen Abstecher nach Hólmavík gemacht und dort das Museum für Hexerei und Zauberei in Island besucht.
Island hat wie ganz Europe im 17. Jahrhundert an Hexenparanoia gelitten, die durch die Kirche noch geschürt wurde.
Das Besondere hier war, dass praktisch nur Männer dieses Verbrechens angeklagt und verbrannt wurden. Unter 21 in Island verbrannten Hexen resp Zauberer war nur ein Frau. Ganz Gegenteil zum restlichen Europe, wo praktisch nur Frauen diesem Wahn zum Opfer fielen.
Ausserdem ist es schon sehr speziell, wenn in einem Land, in dem akuter Holzmangel herrscht (die Wälder in Island wurden schon kurz nach der Besiedelung innert hundert Jahren von den Wikingern komplett abgeholzt), viel Holz für eine solche Hinrichtung verwendet wurde. Oft wurde deshlab das Holz für den Scheiterhaufen vom Haus des Verurteilten geholt. Oder man verwendete Treibholz.
In jedem Fall bietet das Museum einen interessanten Einblick in die Geschichte Islands.
Als ich nach dem Zimmerbezug hier im Malarhorn Guesthouse in Drangsnes wieder im Internet den Strassenzustand checkte, wurde dort für die Strasse 61 über die Steingrímsfjarðarheiði „Nassschnee“ angezeigt und das Symbol der Schneeräumung.
Ich habe offenbar das „Gutes Wetter“ Fenster ganz gut erwischt, als ich hierher gefahren bin. 🙂
Jetzt tobt der Sturm hier. Ein bisschen Regen, aber vor allem stürmischer Wind, der am Haus rüttelt. Es pfeift und knirscht im ganzen Haus. Hoffentlich hält das Dach und es fliegt kein Stein in die Windsschutzscheibe meines draussen geparkten Autos.
Kurz nach Mitternacht sollte aber auch der Spuck ein Ende haben, und das Wetter sich wieder beruhigen.
Auf der morgigen, letzten Etappe meiner diesjährigen Islandreise sollte ich also bei ruhigem Wetter Richtung Süden fahren können.









Heute Morgen war der Regen hier in 