
Heute hat es nur einmal geregnet. Ich hasse es, wenn der Wetterbericht für einmal so genau stimmt…
Bereits am Morgen beim Aufstehen in Egilsstaðir goss es in Strömen. Und so blieb es den ganzen Tag hindurch. Die Intensität des Regens änderte sich zwar immer mal wieder, aber die Wolken hingen so tief, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, im Nebel zu fahren.
Das ist zwar nichts Besonderes und Regen gehört für mich irgendwie zu einer Islandreise. An solchen Tagen gibt es dann einfach viel weniger Bilder, weil man oft nicht viel und nicht weit sieht.
Wenn aber der isländische Zivilschutz für Ostisland und die Ostfjorde schon am Morgen die erste Wetterwarnung ausgibt und die Alarmstufe von grün auf gelb erhöht, weil so viel Regen erwartet wird, dass es möglich ist, dass Bäche und Flüsse über die Ufer treten, und auch die Möglichkeit von Erdrutschen besteht, dann ist das etwas mehr als ein normaler Regen.
Später am Tag wurde die Alarmstufe für die Ostfjorde auf orange erhöht!
Und in Seyðisfjörður wurde für heute Abend für einen Teil des Dorfes die Evakuation angekündigt, weil man grössere Erdrutsche befürchtet.
Seyðisfjörður hat diesbezüglich eine längere Geschichte mit mehreren Schlammlawinen, bei denen auch schon Leute ums Leben kamen.
Im Dezember 2020 ging nach tagelangen, schweren Regenfällen der grösste Erdrutsch im Dorf nieder, der je in Island bewohntes Gebiet traf. Dabei wurden 13 Häuser verschüttet. Ein Teil des Dorfes war damals auf dem Landweg nicht mehr erreichbar. Nur mit viel Glück gab es dieses Mal keine Toten.
Als ich acht Monate später dort war, war von dem Erdrutsch nur noch die Abbruchstelle am Berg zu sehen. Ansonsten fehlten zwar ein paar Häuser (was man nur durch einen Vergleich mit alten Fotos feststellen konnte), aber ansonsten sah man praktisch nichts mehr von der Zerstörung.
Und man hat offenbar gelernt, ist jetzt vorsichtig geworden und alarmiert frühzeitig.
Ich werde die Geschichte in den isländischen News weiterverfolgen. Ich bin gespannt, wie sich die Lage entwickelt. Der Regen soll noch bis Mittwoch anhalten, im Osten Islands sogar länger.
Ich bin auf jeden Fall mit der heutigen Fahrt aus Ostisland weggekommen und befinde mich nun an der Südküste.
Hier regnet es zwar auch. Aber ich habe noch keine Wetteralarme gesehen. Die kommen hier meistens eher wegen starker Winde aus dem Hochland. Dann kann durchaus sein, dass es Wohnwagen von der Strasse windet. Aber im Moment ist noch kein solcher Alarm draussen. Am Mittwoche soll es aufhören zu regnen.
Morgen geht es dann weiter entlang der Südküste Richtung Westen. Es wäre schön, wenn der Regen nachlassen würde, denn nun komme ich an einigen schönen Orten vorbei, die es durchaus wert sind, anzuhalten.
Und ich werde durch Eldhraun (dt Feuerlava) fahren, das wohl grösste Lavafeld der Welt: mit Moos bedeckte, erstarrte Lava, soweit das Auge reicht. 🙂
