
Heute bin ich weiter von Westen nach Osten entlang der Landezonen der Alliierten von 1944 gefahren. Konkret war ich in den Abschnitten Omaha und Gold.
Omaha Beach war neben Utah Beach der zweite Landungsabschnitt der Amerikaner, während Gold Beach (zusammn mit Sword Beach) von den Briten angegriffen wurde. Juno Beach, der Abschnitt zwischen den beiden britischen Abschnitten, wurde von den Kanadiern angegriffen.
Begonnen habe ich am Morgen mit dem Besuch der Pointe du Hoc, einer Felsnase der normannischen Steilküste (Calvadosküste) ca 6.5km westlich von Omaha Beach.
Die Deutschen hatten die Pointe du Hoc sehr stark befestiget und mit schwerer Artillierie (sechs 15.5-cm-Kanonen) bestückt. Damit nahmen sie sowohl die sich nähernden Schiffe der Invasionsflotte als auch die anlandenden Truppe massiv aus grosser Distanz unter Feuer.
Dem 2nd Rangerbattailon, einer Elitetruppe der Amerikaner, gelang es in verlustreichen Kämpfen, die Stellungen auf der Pointe du Hoc auszuschalten.
Danach bin ich weiter zum Amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer (Cimetière Américain de Normandie de Colleville-sur-Mer).
Dabei handelt es sich um eine der bedeutentsten Gedenkstätten in der Normandie. Der Friedhof wurde von der American Battle Monuments Commission angelegt und wird von ihr unterhalten.
Hier liegen 9’000 amerikanische Soldaten begraben. Diese Soldaten waren ursprünglich auf verschiedenen temporären Soldatenfriedhöfen begraben worden. Ihre Angehörigen konnten dann entscheiden, ob die sterblichen Überreste in Colleville-sur-Mer begraben oder nach Hause in die USA gebracht werden sollten.
Das bekannteste Kriegsopfer, das in Colleville-sur-Mer begraben liegt, ist Brigadier Theodore Roosevelt jr.
Der älteste Sohn des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt war stellvertretender Kommandant der 4th Infantry Division (The Poison Ivy) und der einzige General, der mit der ersten Welle an Land ging. Mit 56 Jahren war er zudem der älteste Soldat, der dabei war. Er hatte Arthritis und ging deshalb an einem Stock, und er war herzkrank. Aber er setzte sich bei seinem Kommandanten durch und ging mit seinen Männern an Land.
Er schaffte die Landung unbeschadet, starb aber einen Monat später an einem Herzinfarkt.
Nun liegt er in Colleville-sur-Mer neben seinem Bruder begraben, der bereits im ersten Weltkrieg gefallen war.
Dies ist insofern bemerkenswert, als dass alle Offiziere der US Streitkräfte das Recht haben, auf dem Nationalfriedhof Arlington bei Washington D.C. begraben zu werden, und auch dass die Familie Roosevelt (der damals amtierende Präsident Franklin Delano Roosevelt war ein Cousin) die sterblichen Überreste nicht nach Hause holte.
Nach einem Besuch des „Overlord Museum“ fuhr ich weiter der Küste entlang in den britischen Sektor „Gold Beach„.
In Arromanches-les-Bains machte ich Halt, um etwas zu Mittag zu essen und das Musée du Débarquement zu besuchen.
Hier bauten die Engländer nach der Landung und Eroberung des Dorfes einen von zwei grossen künstlichen Häfen, um Nachschub an Truppen, Material, Waffen und Munition an Land bringen zu können. Admiral Lord Mountbatten meinte dazu: „Wir haben keine Häfen dort (weil sie zu stark von den Deutschen verteidigt waren). Also bringen wir sie mit.„
Im Museum, das mitten im Dorf liegt, wird diese Operation schrittweise detailliert und anschaulich beschrieben.
Am Strand und vor der Küste sieht man immer noch Reste dieses künstlichen Hafens, der wieder abgebaut wurde, sobald man ihn nicht mehr brauchte. Der Stahl, der für den Bau gebraucht worden war, brauchte man nun für andere kriegswichtige Güter.
Meine letzte Station heute war das Britisch Normandy Monument in Ver-sur-Mer.
In dieser gross angelegten Anlage wird der Britischen Soldaten und derer des Commonwealth gedacht, die ihr Leben in der Normandie verloren.
Am nördlichen Ende des Monuments, zur Küste hin steht eine grosse Installation mit hunderten lebensgrossen Schattenrissen aus Metall von verschiedenen Soldaten. Dieses Installation heisst „Standing with Giants“ und wurde vor 3 Tagen beim Monument offiziell eingeweiht.
Morgen werde ich mich hier in Bayeux in der Stadt umsehen. Die Stadt soll geschichtlich einiges zu bieten haben. Das wohl bekannteste dürfte der Teppich von Bayeux sein, einer Stickarbeit aus dem 11.Jahrhundert, die zum UNSECO Weltkulturerbe gehört. Ausserdem will ich mir die Kathedrale anschauen. Die sieht schon aus der Ferne sehr eindrücklich aus.
Was ich danach mache, weiss ich noch nicht. Entweder Juno Beach und Sword Beach (mit der Pegasusbrücke) oder einen Abstecher in Land. Wir werden sehen.
Stay tuned.
