Island 2023: Wieder auf isländischen Strassen

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Heute morgen wurde ich in Reykjavík pünktlich um neun von Europcar in meinem Hotel abgeholt und zur Mietwagenstation beim Stadtflughafen gebracht. Dort musste ich noch kurz den Papierkram erledigen und schon konnte ich losfahren. 🙂
Dieses Mal habe ich einen SUV von Mitsubishi gekriegt, einen weissen Eclipse Cross Hybrid.

Mein erstes Ziel war der Þingvellir Nationalpark.
Allerdings war der Ort dermassen von Touristen überlaufen, dass ich zuerst keinen Parkplatz fand, nicht zuletzt, weil die Leute parkierten wie die letzten Idioten und zum Teil zwei Parkfelder belegten. So kriegt man den Parkplatz natürlich auch ganz schnell voll. Es war relativ schnell auszumachen, aus welchem Teil der Welt die meisten Touristen dort kamen, und zumindest einen Teil davon kenne ich sehr gut als schlechte und rücksichtslose Autofahrer. Ich werde nicht genauer, aber es sind keine Europäer.
Diesem Volk sollte man ein generelles Fahrverbot erteilen…
Beim Infozentrum fand ich schliesslich einen Parkplatz. Aber weil dort auch alle Reisebusse aus Reykjavík anhalten und ihre Gäste ausladen, war auch das Infozentrum und die Gegend drumherum ziemlich überlaufen. Eine Rangerin sagte mir, man hätte in Þingvellir in diesem Sommer 2 Millionen Besucher gehabt.

Also bin ich bald einmal weiter nach Húsafell gefahren. Dabei habe ich bewusst eine etwas längere Strecke gewählt, die ich noch nie gefahren bin, nämlich um den Hvalfjörður.

Húsafell ist nicht nur der Ort meiner heutigen Übernachtung.
In Húsafell hatte ich einen Besuch in den Canyon Baths gebucht. Das sind warme Quellen in einem abgelegenen Canyon, die 2019 ein Einheimischer gefasst hatte und zwei Naturpools sowie eine Garderobe und einen Kiosk gebaut hatte.
Er sagt selbst, dass er die Kosten für die Bohrungen (nach heissem Wasser) und die ganzen Installationen wahrscheinlich nie wieder reinholen wird. Aber er hat die Anzahl Besuche trotzdem auf 4 pro Tag limitiert und auch 20 Gäste pro Tour begrenzt. Ausserdem wurde beim Bau so weit wie möglich auf Beton verzichtet, um das Ganze bei Bedarf auch wieder rückbauen zu können.
Zuerst wurden wir (ich und vier andere Touristen) mit einem Kleinbus ca 6 km zum Canyon gefahren, um dann über eine lange Treppe in den Canyon zu den Umkleidekabinen und den beiden Pools zu gelangen. Das Wasser ist um die 30 Grad und hat hier hat praktisch keinen Schwefelgehalt. Dafür ist ist es reich an Silikat. Dadurch riecht es nicht unangenehm, aber unterstützt die Hautpflege, wie ich es schon vom Schwefelwasser gekannt habe. Die Haut wird im Wasser weich und geschmeidig.
Da haben wir uns über eine Stunde einweichen lassen, bevor wir wieder zurück mussten.

Während ich am Schreiben dieses Posts war, klingelte gegen 22:00 mein Telefon. Das war der automatische Aurora-Alarm des Hotel. Viele Hotel im Norden bieten das an. Man kann sich an der Rezeption registrieren und wenn Nordlichter am Himmel auftauchen, wird man telefonisch alarmiert.

Also bin ich mit Kamera und Stativ raus, und habe eine Stunde lang den Himmel fotografiert.
Und ich muss sagen, da ging eine ziemliche Lichtshow in grün ab. Für alle, die das noch nie live gesehen habe: Die Lichter sind nicht statisch. Die bewegen und verändern sich ständig. Und wandern auch am Himmel. So weiss man nie, wie lange die Show dauert. Das können ein paar Minuten sein, oder so, wie heute Abend.
Ich habe seit 2017, als ich in Reykjavík das erste Mal Nordlichter (auch Polarlichter oder Aurora borealis genannt) sah, ungefähr sechs oder sieben Mal Auroras fotografieren können. Aber so stark wie heute habe ich sie noch nie gesehen. Man konnte die auch mit dem Smartphone fotografieren. Einfach sehr beindruckend, was die Natur da jeweils für ein Schauspiel bietet. 🙂

Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, das geplante Bild für diesen Post, eine Aufnahme von den Canyon Baths, zu kippen und stattdessen eines von heute Abend hochzuladen.

Nordlichter über Húsafell
Nordlichter über Húsafell

Stay tuned.

Island 2023: Ein ruhiger Tag in Reykjavík

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Heute habe ich mir in Reykjavík etwas Kultur gegönnt. 🙂

Als erstes habe ich dem Isländischen Punkrock-Museum (Pönksafn Íslands) einen Besuch abgestattet. Da bin ich bei meinen letzten Besuchen in Reykjavík oft daran vorbeigegangen, ohne es zu bemerken. Erst gestern ist mir das Schild aufgefallen, dass eine Treppe hinab auf das Museum hinwies.
Tatsächlich befindet sich das Museum in einer ehemaligen, unterirdischen öffentlichen Toilette mitten in der Fussgängerzone von Reykjavík, gleich gegenüber dem Sitz der Premierministerin.
Die Toilette steht unter Denkmalschutz und konnte deshalb nicht behinderten-gerecht umgebaut werden. Also wurde sie geschlossen, bis vor sieben Jahre eine Gruppe Punks auf die Idee kam, dort ein Museum einzurichten.
Und genau so sieht es aus. Und die Punkmusik ist nicht zu überhören.
Und am Eingang, an der Kasse, sitzt ein waschechter Punk mit grünem Irokesenschnitt, Tattoos, jede Menge Piercings im Gesicht und Lederklamotten mit vielen Ketten. Neben ihm auf dem Stuhl ein kleiner weisser Hund.
An ihm sah man auch gleich, dass der Punkrock auch in die Jahre gekommen ist, und vor allem eine Modeerscheinung der späten 60er und der 70er Jahre war. Der Mann war höchstens 5 Jahre jünger als ich. 😉

Das nächste Museum, das ich besuchen wollte, war das Photographie-Museum (Reykjavík Museum of Photography).
Aber da hatte ich Pech. Die hatten die letzte Ausstellung gestern abgebaut und waren nun im Begriff, eine neue Ausstellung zu installieren. Also gab es heute nichts zu sehen.
Ich hab’s mir für das nächste Mal vorgemerkt.

Also bin ich weiter zum alten Hafen gegangen. Diesen Teil von Reykjavík mag ich besonders. Da ist viel los und es gibt ein paar Museen sowie viele kleinere Restaurants.
Dort habe ich das Saga-Museum besucht. Da war ich vor 7 Jahren bei meiner ersten Islandreise schon einmal. Das Museum erzählt mittels Wachsfiguren und Ton die isländische Geschichte von der Landnahme bis ins Mittelalter. Island hat einen sehr gewalttätige Geschichte. Selbst die Reformation ging nicht ab, ohne dass man den letzten katholischen Bischof und seine beiden Söhne köpfte.

Den Rest des Tages verbrachte ich bei Kaffee in meinem neuen „Lieblingskaffee“ in Reykjavík, dem Hressó Hressingarskálinn an der Austurstræti 20.
Neben der Kuchenauswahl gefällt es mir dort wegen der Atmosphäre und dem Umstand, dass nie viele Leute drin sind und man seine Ruhe hat. Einen solchen Ort brauche ich, um in meinem neuesten „Isländerbuch“ zu lesen: „Kalmann und der schlafende Berg“ von Joachim B. Schmidt.
Der Autor ist eigentlich ein Bündner, lebt und arbeitet aber schon sehr lange in Island und besitzt auch die isländische Staatsbürgerschaft. Seine Figur Kalmann Óðinsson ist etwas zurückgeblieben und lebt an einem der abgelegensten Ort in Island, in Raufarhöfn in Nordostisland. „Kalmann und der schlafende Berg“ ist der zweite Kalman-Roman von Schmidt. Die passende Lektüre für diese Reise. 🙂
Versteht sich schon fast von selbst, dass ich schon zwei Mal in Raufarhöfn war. Das erste Mal kannte ich Schmidt und die Kalmann-Geschichte noch gar nicht. 😉

Das Wetter wechselt nun wieder. Während es am Morgen noch so schön war wie gestern, zogen ab Mittag mehr und mehr Wolken auf. Heute Abend ist es nun komplett bewölkt, was ausnahmsweise sehr, sehr schlecht ist.
Heute sind die Vorhersagewerte für Nordlichter für Reykjavík (eigentlich ganz Island) so hoch wie schon lange nicht mehr. Der Himmel müsste heute Nacht grün leuchten. Wenn bloss die Wolkendecke nicht wäre…
Voraussichtlich wird man kaum etwas sehen. Ich werde um 22:00 noch einmal raus gehen, und nachschauen, ob es sich lohnt, die Kamera auszupacken. Aber ich habe keine grosse Hoffnungen. 😦

Morgen beginnt meine Reise rund um die Insel. Ich werde von Europcar um 09:00 abgeholt, um dann beim Flughafen meinen Mietwagen zu übernehmen.
Dann kann ich losfahren.

Übrigens fiel im Hochland gestern Nacht der erste Schnee. Heute wurden mehrere Hochlandpisten gesperrt, unter anderem die Sprengisandsleið (F26), die längste Hochlandpiste.
Da ich damit gerechnet hatte, im September hier Schnee zu sehen, habe ich bewusst keine Strecke durch das Hochland geplant. Ich müsste meine Pläne nun sowieso ändern…

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Installation eine Projektes eine isländischen Fotografen vor dem Hotel Borg beim Parlament

Stay tuned.

Island 2023: Ein wunderschöner Tag in Reykjavík

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Heute zeigte sich Reykjavík von seiner besten Seite. 🙂
Den ganzen Tag keine einzige Wolke am Himmel; nur Sonne pur. Entsprechend waren auch die Temperaturen herbstlich – wenn man im Windschatten stand. Der Wind war ziemlich kalt und so war es tatsächlich trotz der Sonne etwas frisch. 😉
Umso paradoxer, wenn es dann in der Nacht wärmer als tagsüber war, weil der Wind am Abend praktisch aufhörte.

So war ich heute den ganzen Tag in der Stadt unterwegs.
Und es schien so, dass das Gros der Touristen hier in Reykjavík ziemlich spät aufstand. Bis am Mittag waren die Strassen ziemlich leer, und die meisten Restaurants machten erst um 11:00 auf. Ab Mittag begann die Stadt dann so richtig zu leben. Und das hielt dann bis heute Abend um 22:00 an, als ich ins Hotel zurückkehrte.

Am Nachmittag hatte ich eine persönliche Premiere:
Ich bin nun zum fünften Mal in Reykjavík. Aber ich war bisher noch nie auf dem Turm der Hallgrímskirkja, dem höchsten Punkt von Reykjavík.
Das habe ich heute nachgeholt. Bei dem Wetter konnte ich die Gelegenheit nicht verpassen, Reykjavík aus einer anderen Perspektive zu fotografieren.
Ich habe also meine Aversion gegen „Schlange stehen“ und „Kinderwagen in einem kleinen Lift“ überwunden, habe mir ein Ticket gekauft und bin beim Lift angestanden.
Zum Glück musste ich nicht lange warten. Die Aussicht in 70 Meter Höhe ist wunderschön. Man sieht in allen Himmelsrichtungen über die Stadt. Man steht dabei im Glockenstuhl unter den Glocken. Und die läuten im Viertelstundentakt. Das ist zwar überall angeschrieben. Aber die wenigsten Touristen beachten dies und sind dann ziemlich überrascht, wie laut das sein kann. 😉

Nach dem Nachtessen habe ich wieder einmal mein Stativ genommen und bin durch die Stadt gezogen, um Nachtaufnahmen zu machen.
Angefangen habe ich beim „Sun Voyager“ an der Bucht. Und während ich auf den Sonnenuntergang wartete und mit einem Amerikaner sprach, tauchte vor uns plötzlich ein Zwergwal auf. Leider war das Licht nicht mehr stark genug, um den Wal zu fotografieren. Aber es war schon faszinierend, zu sehen wie der Wal nur einige Meter vom Ufer entfernt seine Runden zog.
Zwergwal ist übrigens eine irreführende Bezeichnung für ein Tier, das fast 10 Meter lang und über 5 Tonnen schwer werden kann. Der internationale Namen des Tieres lautet Minkwal. Der „Zwerg“ taucht nur im deutschen Namen auf. 😉

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Reykjavík – vom Turm der Hallgrímmskirkja

Stay tuned.

Island 2023: Zurück in Reykjavík

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Nun bin ich wieder zurück in Island. 🙂

Der heutige Reisetag verlief im Grunde problemlos. Alles wie immer.
Die 25 Minuten Abgangsverspätung in Zürich holte der Pilot dank Rückenwind wieder auf und wir landeten pünktlich um 15:50 (Ortszeit) in Keflavík.
Hier allerdings war einiges los. Und zwar nicht nur, weil auch am Flughafen eifrig gebaut wird. In der Ankunftshalle funktionieren nur zwei (neue) Gepäckbänder. Die anderen drei müssen erst noch fertig gebaut werden.
Die Flybusse vom Flughafen in die Stadt fuhren auch wie gewohnt im 10 Minuten Takt. Allerdings kamen die Shuttle-Busse nicht mehr nach, die die Leute vom Bussterminal in Reykjavík zu den Hotels brachten. Ich musste am Terminal über 20 Minuten auf meinen Shuttle warten. Das war zwar nicht weiter schlimm (ich bin schliesslich im Urlaub und nicht auf der Flucht), aber ich hab’s so noch nie erlebt.

In Reykjavík ist immer noch viel los. Touristen, wohin man schaut. Obwohl die Hochsaison seit Ende August eigentlich vorbei ist. Heute ist Sonntag und trotzdem waren die Strassen und Restaurants in der Innenstadt am Abend voll. Und ganz klar spür- und sichtbar: die Asiaten sind zurück. Mit voller Wucht.
Mal schauen, wie das morgen sein wird.

Das Wetter hier ist mit Tagestemperaturen von ca 10 Grad Celsius, einem moderaten Wind, den man in der Innenstadt kaum spürt (umso mehr, wenn man ans Wasser geht) und einer ständig wechselnden Bewölkung ganz gut. Ich geniesse die Abkühlung nach den Wochen der Hitze zu Hause.
Ab und zu gibt es auch einen kurzen Regenschauer. Das ist aber kaum der Rede wert.
Laut isländischer Wettervorhersage soll es heute Nacht die erste Frostnacht geben. 🙂

Island ist übrigens 2 Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit. Rein nur wegen seiner geographischen Lage wäre der Zeitunterschied bloss eine Stunde. Aber weil Island keine Sommerzeit kennt, kommt im Sommer noch eine Stunde dazu. Ab Oktober geht deshalb der Flug nach Reykjavík in Zürich nicht wie jetzt um 14:05, sondern um 13:05.
Wer also auf die Idee kommen sollte, mich um 08:00 anzurufen (alles schon vorgekommen), kriegt Ärger, denn ich schätze es ganz und gar nicht, im Urlaub um 06:00 geweckt zu werden. Den werde ich um 23:00 Ortszeit zurückrufen… 😉

Ich werde nun zwei volle Tage in Reykjavík bleiben, und dann am Mittwoch meine Rundreise mit einem Mietwagen beginnen.

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Heute Abend in Reykjavík – der Sunvoyager in der untergehenden Sonner

Stay tuned.