Svalbart 2024: Eine Reise in die Arktis

Flagge_NorwegenDie letzten 11 Tagen war ich in der Arktis unterwegs, also in der nördlichen Polarregion, die kalte und scheinbar unwirtliche Gegend rund um den Nordpol, nördlich des Polarkreises auf 66° 33′ 55″ Nord.

Ich war zehn Tage und neun Nächte auf einem sogenannten Expeditionsschiff und hatte weder Internet- noch Telefonverbindung. Wohl war das Schiff mit Starlink ausgerüstet und man hätte Datenguthaben kaufen können. Die Preise dafür waren aber so exorbitant hoch, dass ich gerne darauf verzichtet habe.

Nun bin ich in Oslo und habe wieder „Netz“. 😉
Ich bin gestern Abend nach einem dreistündigen Flug aus Longyearbyen auf Spitzbergen hier angekommen und bleibe noch drei Tage, bevor ich in die Schweiz zurückfliege.
Draussen regnet es im Moment und ich warte darauf, dass meine Kleider wieder trocken sind.
Also habe ich gerade Zeit, eine kurz Zusammenfassung dieser Reise zu schreiben. Das wird deshalb ein etwas längerer Beitrag.

Am Montag, 29.07.24 bin ich zusammen mit ca 140 anderen Schweizern nach Oslo geflogen und habe am Flughafen übernachtet.
Am nächsten Tag ging’s dann weiter via Tromsø nach Longyearbyen, dem Hauptort von Svalbart. Eigentlich ist es der einzige Ort auf der Inselgruppe. Die wenigen anderen Siedlungen sind alles Forschungsstationen, die von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt bewohnt werden.
In Longyearbyen sind wir am späten Nachmittag an Bord der M/S Hondius gegangen.
Das Schiff gehört der hollandischen Reederei Oceanwide Expeditions, die in der Arktis und der Antarktis solche Reisen anbietet.
Die ganze Reise wurde von Kontiki Reisen organisiert, und ich habe sie beim Reisebüro meines Vertrauens gebucht: travel worldwide in Zürich.

Am frühen Abend hatte das Schiff dann abgelegt.
Ich hatte eine Zweierkabine auf Deck 3 (von 7) gebucht, mit Bullauge direkt über der Wasserlinie. Die Kabine war sehr gut, obwohl ich nicht sicher bin, ob es mir zu zweit darin wohl gewesen wäre. Gross genug für mich alleine mit meinem Gepäck. Aber wohl ein bisschen eng, wenn man zu zweit (oder sogar zu viert) darin wohnt.
Man merkte auch, dass das Schiff erst 5 Jahre alt war. Keine Abnutzung und sehr funktional, aber gleichzeitig komfortabel gebaut.
Und gleich vorweg: Die Crew war absolut Spitze.
Das Expeditionteam, bestehend aus Leuten aus Holland, Frankreich, Dänemark, Deutschland, der Schweiz und sogar Neuseeland, das die Ausflüge begleitete und vorallem auch für die Sicherheit der Gäste verantwortlich war, die Hotel- und Restaurantcrew, wie die restliche Schiffbesatzung hauptsächlich aus den Philippinen, aber auch die ganze Besatzung des Schiffs waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Besonders das philippinische Servicepersonal war Spitze. Bereits am ersten Abend kannten die alle 145 Gäste mit Namen, obwohl kein fester Sitzplan bestand und die Leute jedes Mal woanders sassen. Von da an war ich für alle Stewardesses und Stewards einfach nur „Sir Tom“. 🙂
Selbstverständlich habe ich das empfohlende Trinkgeld von €10.– bis €15.– pro Tag (für das ganze Schiff) noch etwas aufgrundet. 😉
Abgesehen davon, dass man spürte, dass diese Leute sehr lange zusammen arbeiteten und lebten (das war ein grosses Team), war wohl mit ein Grund, dass sie vor uns eine 10-tägige Tour mit 160 Chinesen machten, von denen kaum einer Englisch sprach. Und chinesische Touristen gehören zu den wohl schwierigsten und unangenehmsten überhaupt. Das weiss ich aus eigener Erfahrung aus Island. Als ich davon hörte, taten mir die Philippinas und Philippinos richtig leid.
Auch das Essen war sehr gut: Frühstück und Mittagessen gab es Buffet warm und kalt, und zum Abendessen wurde ein Drei-Gang-Menü serviert. Bei jeder Mahlzeit hatte man die Wahl zwischen Fleisch, Fisch und Vegetarisch. Und alles war sehr gut zubereitet.
Ab dem Moment, an dem wir den Hafen von Longyearbyen verliessen, gab es kein Netz mehr. Wir hatten also 10 Tage Internet-freie Zeit. Ganz angenehm. 🙂

Was nun folgte, kann in Bezug auf das Wetter kaum mehr übertroffen werden. Und laut Crew auch in Bezug auf Tiersichtungen. Ich würde diese Reise ganz sicher nicht wiederholen, da es praktisch unmöglich ist, die gleichen Bedingungen zu haben. Hier kann man sagen, dass es nie besser sein wird.
Wir hatten während der ganzen Reise gutes Wetter. Die Temperaturen waren meistens über dem Gefrierpunkt und die Sonne schien. Manchmal waren da etwas Wolken und ein bisschen Wind, aber kaum Seegang (ich hatte meine präventiven Tabletten gegen Seekrankheit am dritten Tag abgesetzt).
Ganz wichtig war aber, dass es kaum Nebel hatte:
Wenn man wegen Nebel das Ufer nicht sieht, darf man nicht an Land gehen.
Das ist zu gefährlich, weil man so die Eisbären nicht rechtzeitig sehen würde. Der Eisbär ist eines der wenigen Tiere, die auch Menschen als Beute betrachten und ohne Not angreifen können. Deshalb darf man auch nicht anlanden, wenn ein Eisbär in der Nähe ist. Die Tiere können sehr gut schwimmen und überqueren einen Fjord unter Umständen in weniger als einer halben Stunde. (Das Einladen am Strand von über 120 Touristen in Schlauchboote à 10 Personen dauert definitiv länger…) Und an Land kann ein Eisbär auch ein Rentier einholen und töten. Diese Tiere sinf also sehr schnell, wenn es darauf ankommt; schneller als Mensch.
Und wenn es trotzdem zu einer Begnung kommt, muss das Tier getötet werden, wenn es näher als 30 Meter kommt und Erschrecken mit Leuchtpistolen nicht funktioniert.
Jeder unserer Guides (einer pro 10 Gäste) war deshalb auf den Ausflügen immer mit Funkgeräten, Leuchtpistolen und geladenen Jagdgewehren (Kaliber .308) ausgrüstet.
Zum Glück hatten wir keinen solchen Zwischenfall und die Eisbären, die wir gesehen haben, waren oft nur ein weisser Punkt am Horizont.

Wir sahen viele Tiere: Wale (Zwergwale, Buckelwale, Weisswale [Belugas] und sogar einen Blauwal, das grösste Tier, das je auf der Erde gelebt hat), jede Menge Walrosse und verschiedene andere Robben und noch mehr Vögel.
Oft waren die Tiere allerdings so weit entfernt, dass es sich mit meinen Brennweiten nicht lohnte, zu fotografieren. Dann blieb es halt bei einer Beobachtung, allenfalls mit dem Fernglas.
Eine Ausnahme war eine Walross-Kolonie, der wir uns an Land auf ca 50 Meter nähern konnten.

Es gab einige Höhepunkte auf dieser Reise, und praktisch täglich fanden zwei Anlandungen oder Schlaubootfahrten statt.
Das ist viel. Es gibt selten eine Reise, auf der man so oft das Schiff verlassen kann.
Der Weckruf kam in der Regel um 07:00 und Frühstück gab’s ab 07:30.
Der erste Ausflug startete um 08:30 und der letzte kam gegen 17:00 zum Schiff zurück (dazwischen kam man natürlich zum Mittagessen zurück auf’s Schiff).
Um 18:15 gab’s einen Tagesrückblick des Expeditionsleiters (und einen Ausblick auf die Route und das Programm des nächsten Tages) und um 19:00 wurde das Abendessen serviert.
Auch wenn man nicht zu spät ins Bett ging und so zu genügend Schlaf kam, war man am Ende des Tages müde, und anders als auf anderen Schiffreisen hatte ich schon um 11:00 respektive 16:00 wieder Hunger. Mein Plan, wie immer das Mittagessen auszulassen, wenn es ein opulentes Frühstücksbuffet gibt, hat nicht funktioniert. Die frische Luft, die kühle Seeluft und die körperliche Betätigung verbrauchten mehr Energie als gewohnt. 😉

Da es ausser in Longyearbyen keine Häfen auf Svalbart gibt, in denen das Schiff hätte anlegen können, liefen die Landgänge (und Schlauchbootausflüge) immer folgendermassen ab:
Wasserfeste Kleidung anziehen, darunter warme Kleidung sowie Mütze und Handschuhe, damit man während zwei Stunden im Schlauchboot nicht fror. Ohne wasserfeste Kleidung wurde man nicht auf ein Schlauchboot gelassen. An den Füsse trug man Gummistiefel, die man an Bord erhielt. Es wurde davon abgeraten, die eigenen Outdoorschuhe zu tragen. Spätetens wenn man am Ufer aus dem Schlauchboot sprang und bis zu den Unterschenkeln im Wasser stand, wusste man wieso. 😉
Dann musste man sich mit seiner Zimmerkarte an Bord abmelden und in ein schwankendes Schlauchboot, ein sogenanntes Zodiac steigen. Zodiac ist ein Markenname für besonders stabile Schlauboote mit einem starken Motor. Unser Boote fassten je 10 Passagiere und einen Fahrer und hatten einen 60PS Aussenbordmotor. Die M/S Hondius hat 16 Zodiacs an Bord.
Am Strand angekommen, musste man im seichten Wasser aus dem Boot springen.
Zurück lief es genau gleich, einfach in umgekehrter Reihenfolge. Die Guides und die Schiffbesatzung halfen den Passagieren, wo sie konnten. Und wenn nötig half man sich auch unter den Passagieren. Da konnte selbst der älteste Passagier mit 82 Jahren und einem bösen Knie bei jedem Landgang mit dabei sein.
Besonders aufpassen musste man auf die Sonne: Strahlender Sonnenschein ist in der Arktis auf dem Wasser und im Eis ist besonders stark. Da war täglich zwei Mal Sonnenschutzfaktor 50 oder mehr angesagt. Ich habe schon am dritten Tag gesagt: „Wir fahren in die Arktis und kommen braungebrannter nach Hause, als wenn wir in den Süden gefahren wären. Und das alles ohne Schwitzen…“. 😉
Und ohne Sonnenbrille konnte man nicht längere Zeit draussen sein, ohne seine Augen auszutrocknen und zu entzünden.
Nach der Rückkehr auf’s Schiff musste man sich mit der Zimmerkarte wieder anmelden, durch eine automatisches Schuhreinigungsmaschine gehen und am Schluss mit den Stiefeln in ein Desinfektionsbecken stehen. Danach konnte man zum Umziehen in die Kabine.

Ich habe auf dieser Reise sehr viele Eindrücke gesammelt. Zuviele, um jeden einzelnen zu beschreiben. Wir haben an Land unter anderem auch zwei verweste Eisbären sowie Walknochen gefunden und noch vieles mehr.
Eins möchte ich hier aber erwähnen. Leider ist es nicht positiv:
Fast überall, wo wir an Land gingen, haben wir Unmengen von Plastik gefunden, die angeschwemmt wurden. Das war, einfach ausgedrückt, eine riesige Sauerei.
Wenn man nun in Betracht zieht, das die nächste menschliche Siedlung, die solche Abfall produzieren kann, Tausende von Kilometern entfernt liegt, kann man sich vorstellen, wie es in unseren Meeren aussieht, wenn das Zeug sogar in der unbewohnten Arktis angespühlt wird.
Ein paar Beispiele, die wir gefunden und eingesammelt haben: Teile von Fischernetzen, BIC-Feuerzeuge mit russischem Aufdruck, ein Etikett in dänischer Sprache von einer Dose Snus, eine abgeschossene Schrotpatrone und massenhaft grössere und kleinere Plastikstücke sowie Stücke von Kunststoffschnüren, etc. Den sogenannten Mikroplastik haben wir natürlich nicht gesehen. Der war aber auch da.
Unsere Gruppe hatte in zehn Minuten mehrere Kilos von dem Unrat aufgesammelt.
Nun glaube ich, dass die Verschmutzung der Meere tatsächlich ein sehr grosses Problem ist und die meisten Tiere dort draussen mehr oder weniger Plastik fressen und zum Teil daran verenden.
Darüber lesen und durchaus auch glauben, dass das, was man liest, wahr ist, ist eine Sache. Aber einen Strand zu sehen, der von dem Müll übersäht ist (und den Müll dann auch selbst aufsammeln), ist völlig etwas anderes. Daran werde ich mich sicher noch lange erinnern.

Natürlich habe ich auf der Reise auch ein wenig fotografiert. 😉
Ich bringe fast 4’000 Rohbilder mit nach Hause, die in den folgenden Monaten sortiert, ausgewählt und bearbeitet werden wollen. Das braucht etwas Zeit und ich werde mich auf diesem Kanal wieder melden, wenn ich Bilder hochgeladen habe.
Ebenfall werde ich sicher einen Beitrag schreiben, sobald ich von Kontiki und Ocreanwide alle Briefings und Karten erhalten habe, und ich den Verlauf der Reise auf der Karte beschreiben kann.

Stay tuned

Turin 2024: On my way

Flagge_ItalienDies ist ein kurzer Bericht von unterwegs:
Ich bin gerade auf dem Weg nach Turin.
Ich sitze im EuroCity 387 von Zürich nach Mailand. Die Fahrt dauert ca 4 Stunden und 20 Minuten. Dies ist meine erste Fahrt durch den neuen Gotthardtunnel. 😉

Um 13:50 werde ich in Mailand ankommen und 25 Minuten später geht’s weiter nach Turin, wo ich um 16:11 ankommen werde, wenn es keine Verspätung gibt.

Ich bleibe 6 Tage in Turin, um diese Stadt ein bisschen kennenzulernen. Am 30. April geht’s dann wieder nach Hause.

Heute ist in Italien ein Feiertag: Der Tag der Befreiung Italiens vom Faschismus am 25. April 1945.
Davon werde ich aber wohl nicht viel mitkriegen, weil ich fast den ganzen Tag unterwegs bin. Aber in Turin werden wohl alle Geschäfte geschlossen sein.

Oslo 2023: Heyerdahl, Nansen, Amundsen & Co

Flagge_NorwegenHeute hat es hier tatsächlich nicht mehr gescheit. Von der in der Wettervorhersage erwähnten Sonne habe ich nichts gesehen. Dafür war die Wolkendecke zu dick. Und es wehte ein giftiger Wind. Dadurch fühlten sich die -8 Grad C and wie -16 Grad.
Kurz: Es war den ganzen Tag ziemlich dunkel, es lag viel Schnee und es herrschte eine klirrende Kälte.
Das richtige Wetter für einen Museumsbesuch, denn nach ca 30 Minuten Spaziergang ging man heute gerne wieder rein. 😉

Wie geplant fuhr ich deshalb mit dem Bus auf die Halbinsel Bygdøy. Die Fahrt vom Bahnhof bis zur Endhaltestelle dauerte etwas mehr als 20 Minuten.
Gleich bei der Endhaltestelle der Linie 30 stehen drei Museen nebeneinander: das Kontiki-Museum, das Frammuseum (Museum zur Erkundung des Polargebietes) und das Norwegische Seefahrtsmuseum. Die ersten beiden sind durch private Stiftungen geführte Museen, das dritte steht in Verbindung mit der Universität Oslo.

Das Kontiki-Museum ist vollständig der Forschung von Thor Heyerdahl gewidmet und erklärt detailliert, wie seine Expeditionen abliefen und weshalb er sie überhaupt unternahm.
Sehenswert sind dabei vor allem zwei seiner Schiffe: die aus Balsaholz gebauter Kon-Tiki, mit der Heyerdahl 1947 zusammen mit fünf Kameraden von Peru nach Polynesien fuhr, und die aus Riet gebaute Ra II, mit der Heyerdahl 1970 von Marokko nach Barbados fuhr.

Das Frammuseum dokumentiert die verschiedenen Expeditionen zum Nord- und Südpol. Fram ist der Name des von Fridtjof Nansen entworfenen und in Auftrag gegebenen Schiffs, das extra dafür gebaut wurde, im Packeis eingeschlossen werden und mit dem Eis zu driften. Das Museum wurde um die Fram herum gebaut. Später kam ein zweiter Bau dazu, in dem die Gjøa ausgestellt wurde, das Schiff, mit dem Roald Amundsen als Erster die sogenannte Nordwestpassage schaffte.
Dabei ging es in erster Linie um einen kurzen Weg vom Atlantik in den Pazifik.
Vor dem Bau des Panamakanals mussten alle Schiffe die sehr gefährliche Route um das Kap Hoorn an der Südspitze von Südamerika nehmen, wenn sie den kürzesten Weg von einem in den anderen Ozean nehmen wollten. Die andere Route um das Kap der Guten Hoffnung, durch den indischen Ozean und das chinesische Meer war viel länger und teurer. Besonders wenn das Ziel die Westküste des amerikanischen Kontinents war.

Das dritte Museum, das Norwegische Seefahrtsmuseum ist der Schifffahrt in Norwegen ganz allgemein gewidmet.
Etwas besonderes gibt es im Untergeschoss: dort ist eines der kleineren Wikingerboote aus der Gokstad Ausgrabung (9. Jahrhundert) als Leihgabe des Vikingerschiffsmuseum (welches noch bis 2026 geschlossen ist) ausgestellt, und ein Zimmermann baut das Boot vor Ort nach. Sehr weit ist er allerdings noch nicht gekommen. Als ich heute dort war, arbeitete er immer noch am Kiel.
Allerdings war Schiffsbau bei den Wikingern vor über 1’000 Jahren eine Gemeinschaftsarbeit und keine Einzelarbeit.

Morgen fliege ich nach Hause. Wenn alles gut geht, und es zu keinen Verspätungen kommt, werde ich kurz nach Mittag in Zürich landen.

Oslo 2023: Viel Schnee & Edvard Munch

Flagge_NorwegenUnd nun (es ist leider unvermeidlich): Nach meinem letzten Post im 2023 folgt der erste Post im Neuen Jahr 2024 . 😉

Am heutigen Neujahrstag ist in Oslo noch mehr Feiertag als gestern am Sylvester. Wirklich alle Geschäfte, die meisten Restaurants und auch fast alle Museen sind geschlossen. Man hat Mühe, ausserhalb des Bahnhofs ein offenes Restaurant zu finden.
Dazu kommt, dass es seit gestern Abend ununterbrochen schneit. In der Nacht sind in der City sicher 20 cm Schnee liegengeblieben. Der Wind, der in der Nacht ziemlich stark war, hat nun etwas an Stärke verloren, ist aber zusammen mit den Schneeflocken immer noch recht bissig. Temperaturmässig bewegen wir uns hier tagsüber zwischen -5 und -10 Grad Celsius.

Natürlich wusste ich von den Feiertagen hier und was sie bedeuteten. Ich habe vor meiner Reise mit visitolso.no Kontakt aufgenommen, und die haben mir je eine Liste mit den Öffnungszeiten der Restaurants und der Museen gemailt. So habe ich wohlweislich für gestern und heute zum Abendessen je eine Reservation in einem Restaurant gemacht.

Deshalb wusste ich auch, dass das grosse Munch-Museum eines der wenigen, wenn nicht das einzige Museum im Zentrum ist, das heute geöffnet hatte. Also hatte ich den Besuch bei Edvard Munch für heute eingeplant, während der Besuch der Halbinsel Bygdøy, auf der es mehrere Museen (die heute notabene geschlossen waren) gibt, für morgen geplant ist.

Edvard Munch (1863-1944) ist der wohl bekannteste Maler Norwegens. Er war schon zu Lebzeiten ein international anerkannter Kunstmaler, der überall auf der Welt Ausstellungen hatte, und mindestens im letzten Drittel seines Leben komfortabel von seiner Kunst leben konnte.
Sein wohl bekanntestes Werk ist der Skrik“ (der Schrei). Munch hat den Schrei auf Karton gezeichnet, gemalt und als Lithografie gedruckt. Es gibt vier Versionen dieses kleinen Bilds (plus die Lithografie), allesamt Originale von Munch.
Als ich davor stand (nicht lange, denn es herrschte ein ziemliches Gedränge vor dem Bild), war ich doch ein bisschen enttäuscht. Ich hatte mir das Bild grösser vorgestellt. Munch hatte schliesslich auch meterhohe Gemälde gemalt.
Ich habe mir sagen lassen, dass es den Besucher des Louvre mit der Mona Lisa ähnlich ergeht. Die sei auch kleiner als man sich das vorstellen würde.
Viel mehr als für die eigentlichen Gemälde, von denen mir einige besser und andere weniger gut gefielen, interessierte mich die Lebensgeschichte von Munch, die auch sehr ausführlich mit moderner Multimedia dargestellt war.

Mit dem Museum hatte auch die Cafeteria im Museum (und natürlich der Souvenir Shop) geöffnet. Das gab mir Gelegenheit, nach dem langen Museumsbesuch (Die Ausstellung umfasst 7 der 12 Stockwerke mit verschiedenen Ausstellungen und Installationen) in aller Ruhe ausserhalb des Bahnhofs einen Kaffee zu trinken. Draussen schneite es derweilen munter weiter und die Asiaten kauften im Souvenirshop so ziemlich jeden Ramsch, der angeboten wurde.

Der Rest des Nachmittags verbrachte ich dann wieder in einem ruhigen Restaurant mit dem vierten Roman von Yrsa Sigurðardóttir.
Dazwischen erhielt ich noch einen Anruf von dem Restaurant, in dem ich für heute Abend reserviert hatte. Man teilte mir mit (was ich längst wusste), dass die Küche um 19:00 schliessen würde und man meine Reservation um 19:00 gerne nach vorne verschieben möchte.
Man merke: Die Reservation erfolgte vor mehr als drei Wochen online und wurde per eMail und SMS bestätigt. Meine eMails betreffend diesem Konflikt (den ich längst auf der Homepage des Restaurants gesehen hatte) wurden nie beantwortet, und dann ruft einer drei Stunden vorher an… (sic!)
Ich bin dann halt schon um 18:00 zum Abendessen. 🙂

Morgen mache ich mit dem Bus den Ausflug zur Halbinsel Bygdøy, um unter anderem das Kontiki-Museum zu besuchen. Leider ist das Vikingerschiff-Museum noch bis 2026 geschlossen. Dort wird ein komplett neues Konzept, verbunden mit einem drei Mal grösseren Neubau, umgesetzt.
Aber es gibt auf der Halbinsel auch noch das Norwegische Seefahrtsmuseum und das Frammuseum (Museum zur Erkundung des Polargebietes).
Da es morgen nicht schneien wird, könnte man auch allenfalls noch das Norsk Folkemuseum (Freilichtmuseum) in Betracht ziehen. Mal schauen, ob ich dann noch Lust dazu habe.
Eigentlich könnte man auch mit der Fähre zur Halbinsel fahren. Das wäre landschaftlich gesehen um einiges attraktiver als der Bus. Aber leider fährt die Fähre zur Zeit nicht, weil es im Hafen und im Fjord Eis hat.

Stay tuned.

Oslo 2023: Vigelandsanlegget & Akershus festning

Flagge_NorwegenErst einmal etwas Offensichtliches: Dies wird mein letzter Post in diesem Jahr. 😉

Heute ist nicht nur Sylvester und damit ein Feiertag in Norwegen. Es ist auch Sonntag.
Das bedeutet, dass in Oslo alle Geschäfte und auch einige Restaurants und Museen geschlossen sind. In den Strassen hat’s kaum Verkehr, auch nicht im Zentrum, und die öV fahren in grösseren zeitlichen Abständen.
Oslo ist fast doppelt so gross wie Zürich, mit nicht ganz doppelt so vielen Einwohnern. Aber heute kam mir die Stadt verlassener vor als Zürich an Morgen nach einem „Züri-Fest“.
Um 11:00 waren einzig ein paar Touristen in der Stadt unterwegs. Die Norweger waren entweder am Skifahren oder Rodeln, oder blieben an einem solchen Tag lieber zu Hause, bis sie dann abends zur Sylvesterparty gingen.

Deshalb hatte ich heute den Besuch von zwei Freiluftanlagen geplant.

Als Erstes fuhr ich mit dem Tram zum Vigeland-Park (Vigelandsanlegget).
Das ist eine grosse Parkanlage mitten in Oslo, in der ausschliesslich Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland aufgestellt sind. Er gilt als der wohl bedeutendste Bildhauer Norwegens. Von ihm stammt unter anderem auch die Medaille für den Friedensnobelpreis, die die jeweiligen Preisträger in Gold erhalten.
Im Park war dann doch einiges los. Etliche Touristengruppen, die mit Bussen gekommen waren. Am Eingang zählt ich zwei norwegische Busse, einen schwedischen und einen aus Lithauen. Aber es waren auch viele Norweger dort: Familien mit Kinderwagen, Spaziergänger und Leute mit Langlaufski.

Das Wetter war heute nicht berauschend. Zwar hatte ich am Morgen den Eindruck, dass es etwas wärmer geworden war, und einiges an Schnee weggeschmolzen war. Und was vom Himmel kam, konnte man im besten Fall als Nieselregen bezeichnen, aber sicher nicht als Schneefall. TRotzdem war es deutlich unter Null Grad, denn es wehte ein bissiger Wind.

Trotzdem ging ich als nächstes auf die Festung Akershus (Akershus festning), von der aus früher der ganze Schiffverkehr im Osloer Fjord, und damit vor allem die Hafeneinfahrt kontrolliert wurde.
Die militärische Bedeutung der Festung ist heute natürlich gleich Null. Trotzdem ist das norwegische Militär immer noch dort stationiert. Es gibt Wachposten, ein Museum der norwegischen Streitkräfte und die Militärakademie in der Festung. Sogar einige Pferde werden noch dort gehalten.r
Wie erwartet waren auch in der Festung sämtliche Museen und Ausstellungen geschlossen. Man konnte nur das Festungswerk besuchen. Und dort oben lag nicht nur reichlich Schnee. Vom Fjord her wehte auch ein ziemlich bissiger, kalter Wind.

Den Rest des Nachmittags verbrachte bei Waffeln und Kaffee mit einem weiteren isländischen Krimi von Yrsa Sigurðardóttir.

Morgen soll noch ruhiger werden. Ich wurde an der Rezeption gewarnt, dass ich in der Stadt kaum ein offenes Restaurant finden würde.
Ausserdem sei bis zu einem Meter Schnee angesagt. Wohl nicht gerade im Stadtzentrum, aber dort würde es auch ganz schön hinschmeissen. Von meiner Wetter-App weiss ich zudem, dass der Wind im Verlauf der Nacht immer stärker werden soll, und es zeitweise Orkanböen geben soll.
Na, mal schauen, wie dann morgen wirklich aussieht. 😉

Nun wünsche ich allen einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.

HAPPY NEW YEAR

Stay tuned.

Oslo 2023: Nobelpreis & Holmenkollen

Flagge_NorwegenFür einmal hat es sich in doppelter Hinsicht gelohnt, früher aufzustehen. Eigentlich etwas, dass ich vor allem in den Ferien nicht gerne mache.
Aber heute wollte ich vor dem grossen Run beim Frühstück sein, um nicht anstehen und mühsam einen freien Tisch suchen zu müssen.
Das hat auch ganz gut geklappt und ich konnte in Ruhe frühstücken, ohne am Buffet in den Kampf ziehen zu müssen…
Aber der eigentliche Vorteil meines frühen Aufstehen ergab sich während dem Frühstück: Als ich nach dem Frühstück in die Hotellobby zurückkehrte, herrschte dort eine grosse Aufregung. Die Rezeption wurde von Gästen belagert und die beiden Damen kamen kaum nach, Telefonanrufe und die Fragen der Gäste vor dem Tresen zu beantworten.
Es stellte sich heraus, dass es inzwischen irgendwo einen gröberen Wasserrohrbruch gegeben haben musste, und nicht nur das ganze Hotel sondern das ganze Viertel ohne Wasser, genauer ohne kaltes Wasser war. In den Zimmern gab es zwar noch heisses Wasser (wahrscheinlich aus den hoteleigenen Biolern). Aber das war so heiss, dass man kaum richtig die Hände waschen konnte, geschweige denn zu Duschen.
Mir war’s egal: Als ich vor acht Uhr geduscht hatte, hatte alles noch funktioniert.
Wäre ich wie gewohnt später aufgestanden, hätte ich wohl auch nicht duschen können. Und ob dann meine Toilette noch funktioniert hätte, weiss ich nicht.
Also ging ich erst einmal in die Stadt. Bis zu meiner Rückkehr am Nachmittag würde das Ganze schon wieder funktionieren.

Am Morgen hatte es hier noch etwas geschneit und die Wolken lagen sehr tief. Aber der Schneefall hörte bald auf und es wurde auch heller und freundlicher.

Also besuchte ich erst einmal das Nobel-Friedenszentrum. Während eigentlich alle Nobelpreise von der schwedischen Akademie in Stockholm verliehen werden, wird der Friedensnobelpreis von einem Komitee in Oslo verliehen. Entsprechend findet dann auch die Verleihungszeremonie hier in Rathaus von Oslo statt.
Das Nobel-Friedenszentrum ist ein Museum, dass sich ausschliesslich mit Alfred Nobel als Stifter und dem Friedensnobelpreis befasst.
Aktuell gibt es neben den ständigen Installationen zwei Ausstellungen: eine über die diesjährige Preisträgerin Narges Mohammadi, die zur Zeit im Iran im Gefängnis sitzt, und eine zweite Ausstellung über Yoko Ono, die Frau von John Lennon, die dieses Jahr 90 Jahre alt geworden ist.

Als ich aus dem Zentrum kam, hatte es ein bisschen aufgeklart und mit etwas Phantasie konnte man in den Wolken die Sonne schimmern sehen. 😉
Also beschloss ich, auf den Holmenkollen zu fahren. Ich nahm die Metro Linie 1 und musste ca eine halbe Stunden stadtauswärts fahren.

Der Holmenkollen ist nicht nur ein Naherholungsgebiet der Osloer, auf dem man im Winter langlaufen und rodeln kann. Er ist vor allem auch ein international bekanntes Wintersportzentrum, insbesondere natürlich durch seine Skisprungschanzen. Ich habe schon oft von internationalen nordischen Wettkämpfen auf dem Holmenkollen gehört, wusste aber bis vor vier Jahren nicht, dass der „Berg“ (er ist 371 Meter über Meer) auf dem Stadtgebiet von Oslo liegt.
Vom Holmenkollen hat man auch eine sehr schönes Aussicht über das ganze Stadtgebiet und den Osloer Fjord.

Jedenfalls liegt dort oben, wie eigentlich auch unten in der Stadt, viel Schnee. Bloss die Strassen sind geräumt. Gehwege, Trottoirs und Treppen sind schnee- und eisbedeckt.
Von der Metrostation geht es noch 10 bis 15 Minuten zu Fuss den Berg hoch, wobei der Schnee das Ganze noch etwas in die Länge zieht. Mit jedem Schritt rutscht man wieder ein wenig nach hinten.
Solange man hochgeht, braucht das lediglich ein bisschen Kraft. Beim runtergehen sollte man Spikes an die Schuhe montieren. Das habe ich später dann auch gemacht, nachdem es mich nach ein paar Schritten talwärts umgehauen hat. Nun schmerzt mich meine rechte Schulter ein wenig. Selber schuld… 😦

Ganz oben steht man auf halber Höhe zwischen Sprungturm und Landezone der grossen Schanze. Ich weiss nicht, ob man auch hoch in den Sprungturm fahren könnte (wie das in Innsbruck zumindest im Sommer möglich ist). Heute habe ich dort oben aber niemanden gesehen. Auch gesprungen wurde nicht, obwohl ich den Eindruck hatte, dass das Wetter dafür geeignet gewesen wäre. Allerdings weiss ich nichts über die Windverhältnisse, die beim Skisprung bekanntlich eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Dort oben gibt es zudem einen Skisprungsimulator (den ich nicht ausprobiert habe) und ein Skimuseum. Für ein Land im Norden mit vielen Bergen und langen Wintern sind Ski seit jeher ein wichtiges Fortbewegungsmittel gewesen. Und für skandinavische Könige waren gute Skiskills ein wichtiges Attribut, um beim Volk anerkannt zu werden. Olav V., der Vater des heutigen Königs Harald V. war bekannt dafür, alleine, ohne Leibwächter, aber mit seinem Hund mit der Bahn auf den Holmenkollen zu fahren, um die oben Langlauf zu machen. Eine Eisenplastik seines Hundes steht heute oben auf dem Berg.

Den Rest des Nachmittages verbrachte ich nach meiner Rückkehr in die Stadt bei Kaffee und dem dritten Krimi von Yrsa Sigurðardóttir.

Stay tuned.

Oslo 2023: Es schneit

Flagge_NorwegenDas Erste heute war der direkte Weg zum Visitor Center, um einen Oslo Pass zu holen.
Damit habe ich nun während drei Tagen freie Fahrt auf allen öffentlichen Verkehrsmittel im Raum Oslo: Bus, Tram und U-Bahn. Zudem habe ich freien Eintritt in die meisten Museen in der Stadt. 🙂

Damit habe ich dann den Bus der Linie 37 genommen, um zum Oslo Reptile Park zu kommen, einem kleinen, aber feinen Terrarium, das ich jedes Mal besuche, wenn ich in Oslo bin.

Wie immer war dort der Teufel los. Das Terrarium ist klein und so wie es aussieht, gehen die Norweger mit ihren kleinen Kindern offenbar gerne Schlangen schauen. Der Lärm der Kinder wurde nur noch durch den schrillen Balzruf einer Pfeilgiftfroschart übertönt. Zum Glück haben Reptilien kein Gehör…
Und die Dame an der Kasse hat dann auch wieder prompt den Königspython (Python regius) herausgeholt und ihn von den Kindern halten lassen. Dieses Mal hatte keines der Kinder Angst vor Schlangen. Das letzte Mal hat diese Aktion bei einem Teenager-Mädchen Panik und einen Schreikrampf ausgelöst. 🙂
Die Frau hat mir dann auch gesagt, das sei die einzige Schlange, mit der sie das machen könne. Im Gegensatz zu anderen Schlangen sind Königspythons meistens sehr entspannt, und man weiss, das nicht passiert, wenn man sie vorsichtig und richtig anfasst.

Als ich aus dem Reptile Park herausgekommen bin, hat es ziemlich stark geschneit. Winter pur mit einer schönen Schneedecke, auch auf den Fahrbahnen. Das dauerte bis nach dem Mittag. Dann hellte es auf und hörte auch auf zu schneien.

Da die eine Buchhandlung, die in Oslo Tautra Klosterkrem verkauft und gleich in der Nähe des Reptile Park liegt, geschlossen hatte, machte ich mich zu Fuss auf zur anderen mir bekannten Adresse, eine weitere katholische Buchhandlung. Dort angekommen hatte ich gefühlt mehrere Zentimeter Schnee auf dem Kopf und meinem Rucksack. 😉
Diese Buchhandlung hatte tatsächlich noch ein paar Döschen dieser besonderen Handcreme. Leider nicht mehr so viele, wie ich gerne gekauft hätte, um meinen Stock für eine Weil aufzufüllen. Aber..
Ich habe endlich eine Adresse erhalten, bei der ich die Creme im Internet bestellen kann, und die dann in die Schweiz geliefert wird. Das Kloster selbst liefert nämlich nicht ins Ausland. So bin ich in Zukunft für Nachschub nicht mehr von Besuchen in Norwegen abhängig. 🙂

Den Rest des Tages bin ich mit der Kamera in der Stadt herumgestreift. Dabei habe ich insbesondere das Weihnachtsdorf Jul i Vinterland, die Oper und die Deichmann Bibliothek besucht. Letztere ist die riesige Stadtbibliothek von Oslo. Es gibt sie zwar schon seit 1780. Aber das neue Gebäude wurde erst 2020 eröffnet. Es ist fünf Stockwerke hoch, hat eine besondere, sehr moderne Architektur und liegt zwischen Hauptbahnhof und Oper.

Nach dem Nachtessen bin ich noch einmal raus und habe ein paar Nachtaufnahmen gemacht. Dies auch als Test für kommende Nächte, in denen ich weitere Touren mit der Kamera machen will.

Morgen soll es nicht schneien. Das Wetter scheint etwas freundlicher zu sein und die Sicht besser. Für mich Grund genug, auf den Holmenkollen zu fahren, um die Schanze aus der Nähe zu sehen und mit etwas Glück auch die Aussicht über Oslo zu fotografieren. Als ich vor vier Jahren schon einmal dort oben war, war das Wetter so schlecht, dass man vor lauter Nebel und Regen nicht einmal die Schanze sah.
Die Dame im Visitor Center hat mir auch gesagt, dass auf der grossen Schanze morgen Trainingssprünge gemacht werden sollen. Natürlich nur, wenn das Wetter mitspielt.

Stay tuned.

Oslo 2023: Zum Jahreswechsel ein paar Tage echten Winter

Flagge_NorwegenHeute bin ich also nach Oslo geflogen. 🙂
Hier bleibe ich über den Jahreswechsel und werde am 3. Januar wieder zurück in die Schweiz fliegen.

Nachdem ich vor zwei Jahren den Jahreswechsel in Reykjavík erlebt hatte, ist meine diesjährige Wahl auf die norwegische Hauptstadt gefallen.
Mir gefällt Oslo sehr. Ich bin gerne hier. Aber ich war noch nie im Winter hier.

Allerdings hatte die Anreise eine gröbere Verzögerung. Mein Flug von Zürich nach Oslo hatte zwei Stunden Verspätung.
Der Grund: In Oslo schneite es heute morgen so stark, dass praktisch alle Flüge von Oslo und die meisten nach Oslo einige Verspätung hatten. Das waren im Grunde für mich gute Nachrichten, denn ich wollte den Jahreswechsel im Winter verbringen. Aber die Maschine, die mich nach Oslo bringen sollte hob demnach anstatt um 09:30 erst um 11:00 in Oslo ab und war kurz nach 14:00 in Zürich, anstatt um 13:00 in Zürich abzufliegen.
Damit war der ganze Vorteil der SAS Plus Buchung wieder dahin. Dank dieser Buchungsklasse flog ich praktisch „Business“. Allerdings äusserte sich das im Flugzeug bloss mit ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit und einem Platz in Reihe 3. Und beim Rückflug werde ich in den Genuss der SAS Lounge kommen. Die gibt es in Zürich leider nicht.
Aber mein Gepäck wurde bevorzugt behandelt und mein Koffer war einer der ersten in der Gepäckausgabe. So kurz war meine Wartezeit an der Gepäckausgabe nach der Landung noch nie. 🙂
Und in Zürich konnte ich bei der Sicherheitskontrolle den „Fast Track“ nehmen, und war dort innert 5 Minuten anstatt 15 bis 20 Minuten durch. Bloss…
Es nützte nichts. Ich musste danach trotzdem noch zwei Stunden auf den Abflug warten.

Also kam ich kurz nach fünf Uhr in Oslo an. Der Pilot machte eine halbe Stunde der Verspätung gut. Und vom Flughafen fährt alle 20 Minuten ein Schnellzug zum Hauptbahnhof. Alles in allem war ich schlussendlich um 18:15 im Hotel.
Mir war das im Grunde egal. Ich hatte ein gebuchtes Hotelzimmer direkt am Hauptbahnhof. Und heute hatte ich keinen fixen Programmpunkt mehr. Es spielte also keine grosse Rolle, ob ich ein oder zwei Stunden später ankommen würde.
Für die Leute mit Anschlussflügen war die Sache nicht so locker. Die, die nach Trondheim weiterflogen, wurden automatisch auf einen späteren Flug umgebucht. Wer nach Tromsø musste, hatte Pech. Dieser Flug wurde gestrichen und die Leute mussten in Oslo übernachten und morgen weiterfliegen. Alle anderen Anschlussflüge hatten auch Verspätung. Deshalb waren die zu kriegen, wenn auch knapp. Zum Glück ist der Flughafen Oslo/Gardermoen nicht so gross.

Morgen besorge ich mir als Erstes eine Oslo Card, damit ich auf dem öV Netz frei fahren kann. Dann gehe ich in der katholischen Buchhandlung vorbei, in der ich das letzte Mal Tautra Klosterkrem gekauft habe. Morgen ist Freitag. Es ist durchaus möglich, dass diese Buchhandlung morgen das letzte Mal geöffnet ist, bis ich wieder abreise. Ich muss meine Vorräte an Tautra Klosterkrem auffüllen…
Und vermutlich statte ich auch dem Oslo Reptilpark noch einen Besuch ab.

Noch ein Wort zum Wetter: Als ich heute Abend hier angekommen bin, hat es nicht mehr geschneit. In den Strassen liegt ein Gemisch aus Schnee und Salz. Da es aber deutlich unter Null ist, ist es kein Matsch. Die Gehwege sind beileibe nicht geräumt. Aber heute Abend habe ich auch keine Eisfläche gesehen. Im Moment reichen also gute Schuhe mit Profil, um sich in der Stadt bewegen zu können. 😉
Morgen soll es schneien bei einer Durchschnittstemperatur von -2 Grad Celsius.
Sonnenaufgang ist um 09:16 und Sonnenuntergang um 15:22.

Oslo 2023
Anflug auf Oslo um 17:00

Stay tuned.

Dunkelstes Nordic Noir aus Norwegen: Jo Nesbø

In diesem dritten Post zu Nordic Noir stelle ich meinen persönlichen Lieblingsautor vor: Jo Nesbø aus Norwegen.

Jo Nesbø wurde 1960 in Oslo geboren. Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Tätigkeit als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig. Heute ist er hauptberuflicher Schriftsteller.

Dass Jo Nesbø einer meiner bevorzugten Autoren ist, kann durchaus daran liegen, dass er der erste skandinavische Autor war, von dem ich ein Buch gelesen habe. Aber ich denke, das alleine kann nicht der Grund sein, weshalb ich Nesbøs Bücher so gerne lese.

Als ich vor etlichen Jahren nach Tom Clancy, Thomas Harris und Donna Leon nach einem neuen Krimi suchte, kam mir zufällig einer der ersten Bände von Jo Nesbøs Harry Hole Serie in die Hände. Ich erinnere mich heute nicht mehr daran, welches Buch das war.
Aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das Eröffnungskapitel las, das genau dann aufhörte, als etwas Schlimmes passierte (ohne genau zu beschreiben, was dieses „Schlimme“ war). Und das zweite Kapitel beschrieb dann eine völlig andere Situation, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit.
Auf die Geschehnisse im ersten Kapitel kam Nesbø erst mehrere Kapitel später zurück.

Genau dieser Erzählstil gefällt mir.
Jo Nesbø benutzt nicht bloss die Technik der Rückblenden. Das wäre für ihn wohl zu simpel. Er fordert seine Leser, indem er mit zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Verschachtelungen Spannung aufbaut.
Diese Technik kann ich übrigens bei Filmen nicht ausstehen. Dort langweilt sie mich, und wenn ein Regisseur zu oft davon Gebrauch macht, schaue ich mir den Film ziemlich sicher nicht bis zu Ende an.
Aber hier ist das anders.
Immer wieder streut Nesbø auch Einblendungen aus der Perspektive der Täter ein. Dabei entsteht in einem zweiten, parallelen Erzählstrang ein Bild des Täters, seiner Vergangenheit, seiner Gedanken, seiner psychischen Verfassung und seiner Motive.

Ganz allgemein hat Jo Nesbø einen flüssigen Schreibstil, der sich sehr angenehm liest. Dabei ist er sehr detailtreu, ohne langatmig (und damit langweilig) zu sein. Man kann sich die von ihm beschriebenen Szenen sehr gut vor dem geistigen Auge sehen. Das dürfte mit ein Grund für den Erfolg seiner Bücher sein, denn niemand will 600 Seiten anstrengenden Text lesen.
So etwas kann man bei Franz Kafka haben, wenn man will. Und Kafkas Werke sind kürzer als Nesbøs Bücher…

Seine Hauptfigur ist Harry Hole, ein Polizist bei der Osloer Mordkommission. Harry ist alleinstehend, Kettenraucher und Alkoholiker.
Ich würde ihn als „körperlich und psychisch ziemlich kaputt, aber mit einem sehr feinen Gespür und einer ausgeprägten Fähigkeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen“ beschreiben.
Harry ist zuweilen auch ziemlich unsympathisch und tut Dinge, die keinen Sinn machen. Aber er ist meistens ehrlich.
Harry hat kaum Freunde, und die meisten seiner Kollegen und Vorgesetzten mögen ihn nicht. Der Osloer Polizeipräsident, seinerseits eine schmierige, karrieregeile und vermutlich korrupte Figur, sagt selber, dass er Harry hasst.
Und Harry kann mit dieser Situation dann nicht mehr umgehen, wenn dazu noch die Belastung von brutalen Morden kommt, die er zu untersuchen und zu lösen hat.
Er stürzt dann komplett ab und besäuft sich bis zur Besinnungslosigkeit. Schon fast überflüssig zu erwähnen, dass auch sein Privatleben zu grossen Teilen chaotisch und kaputt verläuft.
Übrigens leidet seine Kollegin unter einer bipolaren Störung…
Manchmal frage ich mich, ob Jo Nesbø mit diesen Figuren nicht zu sehr in die Phantasie abdriftet. Solche Polizisten dürften auf lange Frist weder dienstfähig noch tragbar sein.

Eine Eigenheit von Nesbøs Kriminalromanen fiel mir schon auf, als ich das erste Buch las. Und ich war vom ersten Moment davon fasziniert:
Die geschilderten Verbrechen werden nicht als nur sehr brutal geschildert. Der Autor ist auch sehr erfinderisch, wenn es darum geht, sich Verbrechen auszudenken. Ich bin sicher, wenn ein Täter auch nur eines der Verbrechen begehen würde, so wie sie Jo Nesbø beschreibt, würde er, wenn er denn erwischt würde, bis zum Ende seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt werden.
Man braucht schon eine gehörige Portion einer besonderen Phantasie, um sich all das auszudenken.
Ein Beispiel: In „Durst“ (Originaltitel Tørst) überfällt der Täter alleinstehende Frauen in ihren Wohnungen und beisst ihnen mit einem schwarzlackierten Stahlgebiss den Kehlkopf heraus. Dabei trägt er immer Cowboy-Stiefel. Und man nimmt an, dass er danach das Blut seiner Opfer trinkt. Einmal mixt er sich nach dem Mord sogar ein Smoothie mit dem Blut des Opfers und Zitronen….
Und das alles passiert im heutigen Oslo.
Alle Verbrechen und Verbrecher bei Jo Nesbø sind von diesem Schlag: richtige Psychopathen. Und sie sind sicher Serienmörder, denn ein solcher Mord wäre wohl nicht genug.
Man kann also sicher sein, dass man nicht 0815 Krimistoff serviert kriegt, wenn man ein Harry Hole Buch in die Hand nimmt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es 13 Romane mit Harry Hole.
Der erste kam 1997 heraus, der bisher letzte, den ich noch nicht gelesen habe, 2022:
Der Fledermausmann (Flaggermusmannen) / Kakerlaken(Kakerlakkene) / Rotkehlchen(Rødstrupe) / Die Fährte(Sorgenfri) / Das fünfte Zeichen(Marekors) / Der Erlöser(Frelseren) / Schneemann(Snømannen) / Leopard(Panserhjerte) / Larve(Gjenferd) / Koma(Politi) / Durst (Tørst) / Messer(Kniv) / Blutmond (Blodmåne).
Alle 13 Bände werden in Deutsch bei ullstein verlegt.

Jo Nesbø schreibt natürlich nicht nur Harry Hole Romane. Er hat schon viele andere Romane herausgebracht, von denen ich bisher Der Sohn (Sønnen) und Headhunters (Hodejegerne) gelesen habe. Drei weitere sind noch auf meiner Leseliste.
Und soeben ist die deutsche Übersetzung seines neuesten Buches bei ullstein herausgekommen:
Das Nachthaus (‎Natthuset)
Ersten Beschreibungen zufolge handelt es sich dabei wieder um einen typischen Nesbø im Nordic Noir Stil. Ich bin gespannt. Sobald ich Durst mit Harry Hole fertig gelesen habe, werde ich mir Das Nachthaus zu Gemüte führen.

Jo Nesbø hat eine eigene Homepage –> https://jonesbo.com/

Stay tuned.

Norwegen 2022: Ein entspannter Tag in Oslo

Flagge_NorwegenHeute habe ich es langsam angehen lassen.
Ich hatte noch zwei „Pflichtziele“ zu absolvieren, die ich mir vorgenommen hatte.
Wobei das eine, der Oslo Reptilpark, durch mein reines Interesse auf die Liste gekommen war. Und das andere, die St Olav bokhandel eine Verkaufsstelle für Tautra Klosterkrem ist.

Der Oslo Reptilpark ist ein kleiner, privater Zoo mitten in Oslo, in dem, wie der Name schon sagt, Reptilien gehalten werden.
Das grösste Tier, das in dem Zoo gehalten wird, ist ein Albino Python. Aufgrund der Grösse und der Zeichnung könnte es sich dabei um einen Tigerpython (Python molurus) handeln. Ich bin mir aber nicht sicher, und habe nicht daran gedacht, das Schild am Terrarium zu lesen.
Ausserdem haben die dort auch einen Brillenkaiman (Caiman yacare) und eine Abgottschlange (Boa constrictor).
Der Rest der Tiere ist deutlich kleiner und reicht von einigen sehr interessanten und schönen, aber ungiftigen Schlangen über Geckos, Chamäleons und Taranteln bis zu den sogenannten Pfeilgiftfröschen, die zum Teil nur ein bis zwei Zentimeter gross sind.
Die sogenannten Pfeilgiftfrösche sind in Gefangenschaft nicht giftig, weil sie das Gift auf ihrer Haut (eine Verteidigungsmassnahme) von Insekten beziehen, die sie in freier Wildbahn fressen. Wenn nun in Gefangenschaft eben diese besonderen Insekten fehlen, fehlt dem Frosch auch das Gift.
Die Angestellten des Zoos, alles sehr junge Leute, spazieren zudem regelmässig mit einem ausgewachsenen Königspython (Python regius) durch die Räume, und bieten den Besuchern die Gelegenheit an, eine lebende Schlange in den Händen zu halten. Niemand muss, jeder kann.
Das hat heute bei zwei Teenagern im Alter von ca 15 Jahren zu panischen Reaktionen geführt. Als die die Schlange in einer Entfernung von zwei bis drei Metern in den Händen der Pflegerin sahen, ging sofort ein lautes Geschrei los (zum Glück hören Schlangen nichts…). Die Mädchen versteckten sich hinter dem nächsten Terrarium und zitterten und weinten, als ob sie gleich sterben müssten. Ein Wunder, dass keine zusammengeklappt ist.
OK. Ich weiss, dass es Leute gibt, die Ophidiophobie (Angst vor Schlangen) haben. Es gibt ja auch Leute, die an Archanophobie (Angst vor Spinnen) leiden.
Und ich bin selbst der Meinung, dass man Schlangen mit Respekt begegnen muss. Man muss sie kennen und wissen, wie man mit ihnen umgehen muss.
Aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt. Das waren ziemlich heftige Reaktionen.
Die Schlange war weit weg, definitiv ausser Reichweite. Und gleichzeitig hatten die Mädchen offenbar mit all den Schlangen, Spinnen und Skorpionen hinter Glas kein Problem, obwohl sie direkt davor standen.
Und es half auch nicht, dass die erwachsenen Begleiter und weitere Mädchen der gleichen Gruppe die Schlange ohne Scheu in die Hände nahmen.

Direkt um die Ecke des Oslo Reptilpark liegt die katholische Buchhandlung St Olav bokhandel, eine von zwei Verkaufsstellen der Tautra Klosterkrem. Eigentlich ganz bequem für mich. Damit konnte ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aber leider war dort die Handcreme, die ich wollte, ausverkauft. Also machte ich mit auf zur anderen Verkaufsstelle, einer weiteren katholischen Buchhandlung. Dort kriegte ich, was ich wollte. Somit habe ich nun einen guten Vorrat an diesen Cremes.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit einem gemütlichen Stadtbummel, bei dem ich mir auch den neuen Stadtteil östlich des Zentralbahnhofs angeschaut habe.
Dabei entdeckte ich im Hafenbecken in der Nähe der Oper den Grund, weshalb plötzlich ich plötzlich so viel Deutsch in den Strassen hörte. Die AIDAluna hatte in der Nacht oder am Morgen in Oslo angelegt. Dieses Schiff erlangte einige Berühmtheit, als am 9. September 2018 gegen 4 Uhr morgens der deutsche Sänger Daniel Küblböck vor der Küste Neufundlands von Bord der AIDAluna verschwand, während sie sich auf einer 17-tägigen Kreuzfahrt von Hamburg nach New York befand.
Jedenfalls ergoss sich dadurch natürlich ein Schwall (das Schiff kann 2’000 Passagiere aufnehmen) von vorwiegend deutschen Kreuzfahrttouristen in die Stadt. 🙂

Auch von heute gibt es Bilder auf dem Server. –> Galerie Norwegen 2022

Stay tuned.