Island 2026: Im Norden angekommen

Island_flagNach dem Morgenessen (Dürrenmatt weigerte sich, in seinem Stück „Romulus der Grosse“ das Wort „Morgenessen“ durch „Frühstück“ zu ersetzen, als ein deutscher Regiesseur meinte, das sei kein deutsches Wort.) habe ich im Hótel Óðinsvé in Reykjavík ausgecheckt und bin mit dem Taxi zum regionalen Stadtflughafen gefahren.

Der Flughafen Reykjavík RKV (isländisch Reykjavíkurflugvöllur) ist nicht zu verwechseln mit dem internationalen Flughafen Keflavík KEF, der 45 Autominuten westlich der isländischen Hauptstadt auf der Halbinsel Reykjanes liegt, und den Namen der Gemeinde trägt, auf deren Gebiet er liegt.
Während auf KEF vorallem internationale Flüge landen und starten, und er auch als Hub zwischen Europa und Nordameria dient, liegt RKV mitten in der Stadt Reykjavík und bedient vorallem die Inlandflüge. Weiter operieren ab hier verschiedene private Flugtaxi- und Helikopterunternehmen, sowie der isländische Luftrettungsdienst.

Entsprechend klein ist der Flughafen: Es gibt nur ein Terminal, mit zwei Check-In Schaltern und alle 5 Gates haben den selben Ausgang. Ankommende und abfliegende Passagiere benutzen den gleichen Ein- resp Ausgang und kreuzen sich in der Abflughalle.
Check-In beginnt in der Regel frühestens 45 Minuten vor Abflug und Boarding entsprechend erst 15 Minuten vor Abflug.
Ausserdem gibt es keinen Securitycheck. Einzig beim Boarding wollte man von mir eine ID, um zu überprüfen, dass ich auch wirklich der war, der auf dem Boardingpass stand.
Grosses Passagieraufkommen mit Schlangen vor den Schaltern gibt es hier nicht. Es reicht daher völlig, eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde vor Abflug dort zu sein.
Natürlich sind auch die Flugzeuge, die Icelandair für die Inlandflüge benutzt, kleiner als bei den internationalen Flügen. Ich bin heute mit einer De Havilland DHC-8-400 nach Akureyri geflogen, einer Propellermaschine, die je nach Ausbau 65 bis 90 Passagiere fasst.
Die Flugzeit für die 250 km Luftlinie betrug 35 Minuten.

Am Mittag war ich in Akureyri angekommen, und zu meiner Überraschung war im KEA Hotel mein Zimmer bereits bezugsbereit.
Nach dem Zimmerbezug bin ich in die Stadt und habe mir als Erstes als Mittagessen einen der bekannten isländischen Hot Dogs genehmigt. Der HotDog Stand steht seit Jahren an der gleichen Stelle und bietet eine Auswahl aus 20 (!) verschiedenen HotDogs.
Danach bin ich noch etwas durch die Stadt getreift.

Da ich allerdings schon öfters in Akureyri war und die Stadt nicht sehr gross ist, hatte ich meine Runde rasch gemacht.
Ausserdem lag im Hafen ein grosses Kreuzfahrtschiff. Das bedeutete, dass Tausende Passagiere die Stadt unsicher machten. Den Sprachen nach zu urteilen, die man in den Strassen hörte, war der grösste Teil davon Deutsche.
Darauf hatte ich keine grosse Lust.
Diese grossen Kreuzfahrtschiffe sind für die kleinen isländischen Gemeinden Segen und Fluch zugleich. Zum Einen nehmen die Gemeinden gutes Geld an Hafengebühren, Zöllen, etc ein. Und wenn die Schiffe Verpflegung und Treibstoff bunkern, hat auch der Grosshandel etwas davon.
Zum Anderen leidet vor allem die lokale Bevölkerung, wenn Horden von Kreuzfahrttouristen in ihre Ortschaft einfallen.
Das Besondere an Kreuzfahrttouristen ist, dass sie an Land kaum etwas konsumieren, weil sie an Bord alles inklusive und somit gratis bekommen. Gleichzeitig wird die Infrastruktur der Gemeinde übermässig beansprucht und bei schlechtem und kaltem Wetter strömen die Kreuzfahrer die Läden und Restautrants, ohne gross etwas zu konsumieren.
Mein Taxifahrer hat mir heute Mittag erzählt, dass diesen Sommer einmal vier Kreuzfahrtschiffe in gleichzeitig Akureyri angelegt hatten. Crews und Passagiere hätten zusammen ca 15’000  Leute gegeben, die in die Stadt strömten. Akureyri hat knapp 20’000 Einwohner…

Eigentlich wollte ich zurück ins Hotel. Unterwegs habe ich aber ein isländisches Kaffee, das Bláa Kannan gefunden, das offenbar (leiner konnte mir sagen, warum) das Interesse der Kreuzfahrer kaum geweckt hatte. Also habe ich mich mit einer heissen Schokolade und Rhabarberkuchen (wo kriegt man das denn sonst noch) ans Fenster gesetzt und in Ruhe ein bisschen gelesen. Ein gemütlicher Nachmittag in Nordisland.

Als ich gegen sieben zum Nachtessen ging, war die Stadt wie ausgestorben. Die Läden waren geschlossen und das Kreuzfahrtschiff hatte sich eine Stunde vorher mit lautem Horn verabschiedet. Die Hunnen hatten die Stadt wieder verlassen…

Morgen übernehme ich meinen  Mietwagen. Dann beginnt mein Roadtrip durch den Norden Islands

 

Stay tuned.

Der Wurstwagen in Akureyri (Übersetzung des Schriftzuges)

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