Bremen 2026: Grossartige Unterhaltung auf dem Marktplatz

Heute Morgen bin ich erst einmal in die Überseestadt gefahren, den Teil Bremens, in dem der Hafen liegt. Mit der Strassenbahn erreicht man den Stadtteil bequem in 20 Minuten.

Allerdings liegt die Hochblüte des Hafens wohl schon einige Jahre zurück. Wie auch Hamburg hatte Bremen einen grossen Hafen, in dem grosse Mengen an Gütern umgeschlagen wurden (unter anderem Kohle, Stahl, Tabak und Baumwolle).
Das Besondere am Bremener Hafen war, dass hier die Bahngleise bis zu den Kajen führten, an denen die Frachtschiffe anlegten, nachdem sie von der Nordsee her die Weser hinaufgefahren waren. Das machte den Warenumschlag um einiges leichter.

Nachdem heutzutage wohl der grösste Teil des Warenumschlags in Bremerhaven an der Wesermündung geschieht, hat die Stadt Bremen in der Überseestadt eine Stadtentwicklung vorangetrieben, bei der die vorhandenen Speicher und Lagerhallen anders genutzt werden. So gibt es neben Gastronomie- und Eventlokalitäten auch einen Grossmarkt und ein Hafenmuseum. Und am Sonntag findet dort ein Markt statt.

Aufgrund des regenerischen Wetters habe ich das Hafenmuseum besucht und viel über die Organisation, den Ablauf und die Entwicklung des Hafens gelernt.
Unter Anderem weiss ich nun, wen Harry Belafonte in seinem „Banana Boat Song“ besingt: Der Tallyman („Come, mister tally man, tally me banana„) ist eine Funktion im Hafen, die das Be- und Entladen der Schiffe kontrolliert und sicherstellt, dass alle Waren ein- resp ausgeladen werden, die da sein sollten.

Nach dem Mittag bin ich wieder zurück in die Innenstadt gefahren.
Auf dem Marktplatz und in den umliegenden Einkaufsstrassen war ganz schön was los. Man merkte, dass Samstag war und die Leute nicht arbeiten mussten.

Verschiedene Gruppierungen buhlten um die Aufmerksamkeit der Passanten:
Zuerst entdeckte ich beim Rathaus die „Omas gegen rechts„: Eine Gruppe von vielleicht 20 bis 30 älteren Damen (einige davon mit Gehstöcken resp in Rollstühlen), die sich mit Transparenten, in weissen Westen, Flugblättern und Lautsprechern beim Rathaus versammelten.
Auf dem Platz hatten ein paar in blau-gelbe Flaggen gehüllte Typen zwei Stände aufgebaut und verkauften zu Gunsten der Ukraine irgendwelchen Kleinkram.
Daneben baute irgendeine christliche Fundametalistengruppe ein Zelt auf, unter dem eine junge Liveband spielte, die immer wieder von irgendwelchen selbsternannten Predigern in Birkenstocksandalen unterbrochen wurde, welche mittels starker Laufsprecheranlage den Platz mit christlichem Erlösungsgelaber vollplärrten.
Als dann noch eine Antifa-Demo von vielleicht 50 Leuten unter Polizeischutz (ich habe sechs Mannschaftswagen der Polizei gezählt) über den Platz schrie, artete das Ganze in einen Lärmkrieg zwischen den Christen-Fundis und den Ultralinken aus.
Die Christen drehten ihre Livemusik hoch, was von den Demonstranten mit noch lauterem Geschrei beantwortet wurde.
Das Ganze wurde am Rand durch ein paar betrunkene Obdachlose aufgelockert, die sich wohl über ein Bier in die Haare geraten waren.

Zur Erklärung der Demo muss man wissen, dass heute in Erfurt der Bundesparteitag der AfD stattfand, was in ganz Deutschland bei jedem Berufslinken und allen Antifa-Chaoten das grosse Bedürfnis weckte, protestieren zu müssen. Weshalb die, die es nicht bis Erfurt schafften, in Bremen mit massenhaft Palästinafahnen gegen die AfD protestierten, verstehe ich nicht ganz.
Ich bin echt nicht sicher, ob jeder, der heute Nachmittag auf dem Bremer Marktplatz herumschrie, wirklich wusste, wofür und wogegen er protestierte. Und damit meine ich alle Lager, die dort waren…

Zur Beruhigung der Situation trugen die regelmässigen, heftigen Regenschauer bei, die von Windböen begleitet wurden. Die Demonstranten verzogen sich rasch, den Ukrainern wurden die Schirme weggeblasen und so die Waren nass gemacht, und die Christen-Fundis zogen sich unter ihr Zelt zurück. Wenigstens verteilte niemand mehr Flugblätter…
Ich habe mir (und mit mir ganze Heerscharen von deutschen Rentnern) das Ganze von einem gedeckten Strassenrestaurant aus bei Kaffee und Kuchen angeschaut, und mich köstlich amüsiert.

Das Interesse der meisten Passanten war in etwa mit dem vergleichbar, wenn jemand in einem Zoo anstelle eines exotischen Tiers einen Kuh oder Ziege entdeckt: Was? Das ist auch das? OK, lass uns weitergehen… 😉

Wie schon erwähnt, war das Wetter heute ziemlich regnerisch. Besonders am Nachmittag gab es einige heftige, längere Regenschauer. Zum Glück gibt es in Bremen grosse Kaufhäuser, die Markthalle 8 und eine gedeckte Lloyd-Passage. Und alle Strassencafés haben hier grossen Schirme, unter denen man trocken bleibt. Bloss auf dem Blumenmarkt braucht man einen Schirm.
Die Temperaturen lagen knapp unter 20 Grad Celsius, wobei der Wind, wenn er denn wehte, das Ganze noch ein bisschen mehr abkühlte. Trotzdem konnte ich mich den ganzen Tag im TShirt draussen aufhalten. Es war frisch, aber gerade das war ganz nach meinem Geschmack.

Stay tuned.

Omas gegen rechts

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..