Mein Roadtrip in Nordisland hat heute begeonnen.
Nach dem Auschecken im KEA Hotel konnte ich bei Europcar Akueryri meinen Mietwagen übernehmen. Dieses Jahr habe ich einen roten Suzuki S-CROSS 1.5 Hybrid 4X4 bekommen.
Nach der Übernahme des Wagens habe ich bei Krónan noch etwas Proviant für unterwegs eingekauft und bin dann los Richtung Osten.
Mein Ziel heute war Raufarhöfn, das nordöstlichste Dorf Islands. Mehr abgelegen kann man fast nicht mehr leben. Ich liebe die Ruhe in dieser Einöde. Es hat hier definitiv keine Touristenhorden, obwohl die Gemeinde die Einnahmen davon sehr gut gebrauchen könnte.
Raufarhöfn florierte einst, als die grossen Herringsschwärme vor der isländischen Küste schier unendliche Ressourcen brachten. In Raufarhöfn (wie auch in vielen anderen Gemeinden an der Küste) fing man die Herringe nicht nur. Man verarbeitete die Fische auch, wobei vor allem die Produktion von Herringsöl den grössten Gewinn brachte. Die Orte kamen zu Wohlstand und wuchsen, denn die viele Arbeit zog immer neue Leute an.
Das alles brach zusammen, als die Herringsschwärme plötzlich nicht mehr da waren. Entweder sie waren weitergezogen (was tatsächlich nach einer bestimmten Zeit passiert) oder sie waren schlicht abgefischt worden. Die Herringinsdustrie in Raufarhöfn brach zusammen. Die Leute verloren ihren Job und zogen weg. Heute leben noch weniger als 200 Leute in Raufarhöfn. Es gibt ein Hotel, ein Hostel und ein Café. Die Polizei kommt einmal wöchentlich vorbei und der nächste Arzt ist in Husavík mindestens eine Autostunde entfernt. Und im Winter ist der Ort oft abgeschnitten. Aber Raufarhöfn hat immer noch einen kleinen Flugplatz!
Von Akureyri fuhr ich erst einmal nach Husavík, der selbsternannten Hauptstadt der Walbeobachtung (Capital of Wale watching). Und in Husavík spielt der Film „The Story of Fire Saga„, eine Persiflage auf den Eurovision Song Contest ESC. Die Isländer sind tatsächlich verrückt nach dem ESC. Deshalb gibt es im Husavík auch ein ESC Museum. Und die Oscar-Präsentation des Titelsongs des Films fand 2021 wegen Corona live im Hafen von Husavík statt, im November bei Temperaturen um die Null Grad.
Allerdings hielt ich heute dort nur für einen kurzen Spaziergang und ein Sandwich zum Mittag an. Besonders daran war für mich das Wetter: Das war mein fünfter Besuch in Husavík. Zwei Mal hatte ich dort schon übernachtet. Aber heute schien zum ersten Mal die Sonne, als ich dort eintraf, 🙂
Von Husavík ging’s weiter zum Ásbyrgi Canyon. Diese hufeisenförmige Schlucht wurde vor Tausenden von Jahren durch drei besonders starke Gletscherläufe geformt. Dies ereignete sich nach Ausbrüchen der Vulkane Kverkfjöll oder Bárðarbunga, die zum Vatnajökull gehören.
Vor ca 80 Jahren wurde in der Schlucht damit begonnen, einen Birkenwald aufzubauen. Seit Hunderten von Jahren gibt es in Island keinen Wald mehr. Die Vikinger hatten alles abgeholzt, um Häuser und Schiffe zu bauen, und natürlich weil sie Brennholz brauchten.
Heute sind die Birken bis zu 4 Meter hoch und man geht tatsächlich durch ein Wäldchen, in dessen Unterholz die Blaubeeren sehr gut gedeien. Etwas, das man in Island nicht oft machen kann.
Für den letzten Abschnitt nach Raufarhöfn entschied ich mich, nicht die kürzere, asphaltierte Strasse zu nehmen, sondern 51 Kilometer auf einer zwar sehr gut planierten, aber trotzdem recht holprigen Naturstrasse zu fahren. Steinwüste und Einöde pur. Ich habe während der guten Stunde Fahrt genau ein anderes Auto gekreuzt und ein paar Schafe gesehen. Während der ganzen Fahrt hatte ich strahlenden Sonneschein.
Aber nun hat das Wetter gedreht. Seit ca 20:00 regnet es hier. Ich vermute, morgen wird’s eine nasse Fahrt werden. So hätte ich die Naturstrasse nicht machen wollen.
Ich wusste, dass dieser Wetterumschwung kommen würde. Ich war einfach überrascht, wie spät er kam. Gut für mich. So hatte ich eine schöne erste Etappe.
Morgen fahre ich wieder Richtung Westen. Allerding soweit möglich auf einer anderen Route, an der einige sehenswerte Orte liegen. Ob und wie ich sie besuchen werde, leigt vor allem am Wetter.
Stay tuned.
