Island 2026: Der goldene Zirkel

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Meine fünfte Etappe führte mich heute von Borgarnes in ein Gebiet, das allgemein als der „Goldene Zirkel“ bezeichnet wird. In Isländisch heisst das Gullni hringurinn, in Englisch The Golden Circle.

Diese Gegend, die ca eineinhalb Fahrstunden nordöstlich von Reykjavík liegt, heisst so, weil hier einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes (der Þingvellir-Nationalpark, das Geothermalgebiet im Haukadalur mit dem aktiven Geysir Strokkur sowie der Wasserfall Gullfoss, deutsch Goldener Wasserfall) innerhalb eines Tages besucht werden können, wenn man ab Reykjavík in einem 300 km langen Kreis fährt.

Das ist einer der Gründe, weshalb die Gegend sehr, sehr stark touristisch belastet ist. Nirgends in Island trifft man innerhalb eines so kleinen Gebietes auf so viele Touristen, von denen ein Grossteil eben mit Bussen ab Reykjavík den Goldenen Kreis abfahren. In der Regel stehen bei einer Sehenwürdigkeit gleichzeitig mindestens zehn Busse aus Reykjavík auf dem Parkplatz.

Ich habe meine Unterkunft etwas abseits dieser Routen in Reykholt gewählt. Das Blue Hotel Fagrilundur ist ein neues Hotel, das in den Wald gebaut wurde. Sehr schön gemacht, modern und funktional mit geräumigen Zimmern. Ausserdem ist es in der Nacht trotz Hauptstrasse sehr ruhig. Hier bleibe ich nun für zwei Nächte.

Allerdings befindet sich gleich hinter dem Hotel eine dieser beliebten Destinationen für Touristen: Friðheimar, die bekannte, grosse Tomatenzucht, deren Treibhäuser (ohne würden in Island kaum Tomaten wachsen) mit heissem Wasser aus der Erde beheizt werden.
Ausserdem werden  dort in den Treibhäusern Hummeln gezüchtet, die für die Bestäubung der Tomatenpflanzen gebraucht werden.
Friðheimar bietet ein Mittagessen an. Man kann in einem der Treibhäuser zwischen den Pflanzen Tomatensuppe mit Brot essen, das einzige Menü.
Und genau das zieht die Touristen an. Die werden gruppenweise mit Bussen für die Suppe hergebracht. Ohne Reservation hat man keine Chance, bei Friðheimar einen Tisch zu kriegen. Und da morgen Sonntag ist, werde ich es schon gar nicht erst probieren. Obwohl ich isländische Tomatensuppe liebe. 😉

Die heutige Fahrroute habe ich wiederum wo möglich etwas auf Nebenstrassen verlegt.
So bin ich zum Beispiel rund um den Hvalfjörður gefahren.
Diese Strecke war früher die Hauptverkehrsachse, um von Westisland nach Reykjavík zu gelangen. Bis vor einigen Jahren unter dem Fjord ein Tunnel gebaut und so die Reisezeit um eine gute Stunde verkürzt wurde. Ausserdem wurde die Verbindung im Winter so viel sicherer, da man nicht mehr mit gesperrten Strassen am Fjord rechnen muss.
Entsprechend gibt es heute rund um den Fjord nicht mehr viel Verkehr.

Mein erstes Ziel, das War and Peace Museum am Hvalfjörður war leider bereits geschlossen. Die Saison endete Ende August. Pech gehabt.
Also fuhr ich weiter und auf dem Weg nach Þingvellir hielt ich noch kurz am Þórufoss, einem kleineren Wasserfall, der etwas versteckt in einer Schlucht liegt. Wenn man ihn nicht kennt, fährt man daran vorbei.

Bei Þingvellir konnte ich zwar einen Parkplatz in der Nähe des Visitor Centers ergattern (Parkgebühr pro Tag ISK 1’000 – Fr. 7.20).
Der Ort war aber komplett mit Leuten geflutet. Im Café (to go) und im Souvenirshop musste man anstehen, damit man überhaupt bestellen konnte. Das liess ich sein.
Amis, Chinesen, Inder, ganz Europa, etc war vertreten. Touristen, wohin das Auge reichte.
Und zum ersten Mal sah ich ein Warnschild, das überall angebracht war: Beware of pickpocketsVorsicht vor Taschendieben.
Das habe ich zwar schon in Reykjavík gesehen, aber noch nicht bei den Sehenswürdigkeiten ausserhalb der City. Offenbar haben die Touristenströme weitere unangenehme Nebeneffekte mit sich gebracht. Die Schilder bedeuten ganz einfach, dass die Zahl der gemeldeten Taschendiebstählen markant zugenommen hat. Nun hat sich dieses Pack also auch in Island etabliert. Wo es viele Leute hat, sind die Ratten auch nicht weit.

Nach ein paar Bildern bin ich dann weiter gefahren, mit dem Ziel des Geysirs Strokkur.
Aber als ich dort ankam, war das Chaos mit Autos, Bussen und Leuten noch grösser als in Þingvellir. Alleine auf den 150 Metern entlang des Visitor Centers hätte ich locker zehn Chinesen überfahren können, die, ohne links und rechts zu schauen, mir vor den Wagen gerannt sind.
Ausserdem war mein Geheimtipp-Parkplatz, den ich seit CORONA immer benutze, gesperrt und eine Baustelle.
Da habe ich mich entschieden, die Übung abzubrechen und ins Hotel zu fahren.

Morgen ist der letzte Chillday dieser Reise. Ich muss nirgends hin und kann mir meine Ziele auswählen. Oder ich kann auch einfach im Hotel bleiben und lesen und relaxen.
Ich weiss es noch nicht. Mal sehen, was der Tag so bringt.

Stay tuned.

Hvalfjörður
Hvalfjörður

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