
Heute war der zweite und letzte „Ruhetag“ dieser Reise.
Ich werde heute wiederum im Blue Hotel Fagrilundur in Reykholt übernachten, was bedeutete, dass ich heute nirgendwo hin musste und sowieso nicht zu einer bestimmten Zeit am Morgen mein Zimmer freigeben musste.
Ich habe also gemütlich gefrühstückt und gefaulenzt. Ich komme so mit meinem aktuellen Krimi aus Australien, „Hitze“ von Jane Harper ganz gut voran. Heute Abend wird er wohl ausgelesen sein. 😉
Das Wetter heute ist super. Den ganzen Tag Sonnenschein, wenig Wind und gute 13 Grad, in der Sonne sogar wärmer.
Ich musste heute zum ersten Mal mein Auto kühlen, nachdem es den ganzen Morgen in der Sonne gestanden war. Das ist mir in Island noch nicht sehr oft passiert. 🙂
Am Nachmittag bin ich dann los und habe gezielt zwei Wasserfälle besucht: den Brúarfoss (dt Brückenwasserfall), den ich bisher nur auf Bildern im Internet gesehen hatte, und den Faxi, den ich schon kannte.
Der Brúarfoss ist eigentlich ein kleiner Wasserfall, eher eine Stromschnelle. Das Besondere daran ist das eisblaue Gletscherwasser. Das macht ihn zu einem beliebten Fotosujet und somit zu einem Touristenmagneten.
Entsprechend viel Verkehr herrschte heute dort.
Es gibt zwei Parkplätze. Einer leigt direkt an der Strasse. Dafür muss man ca 25 Minuten zu Fuss durch das Gelände gehen, um zum Wasserfall zu kommen.
Den anderen Parkplatz erreicht man über eine 3 km lange Schotterpiste.
Das stellt den einen oder anderen Islandpiloten vor grosse Herausforderungen.
Da die Piste eigentlich ganz gut planiert ist und kaum Schlaglöcher hat, würde ich mit einem kleinen SUV, wie ich ihn im Moment fahre, mit ca 50 bis 60 km/h durchfahren. Signalisiert sind allerdings 30, und ich habe heute eine Lektion erhalten, weshalb das so ist.
Wenn vor einem Leute aus der Stadt, sagen wir zB eine knapp 20-jährige Chinesin, die zu Hause in Schanghai vermutlich höchstens zwei Mal um den Block herumgefahren ist, um den Führerschein zu erhalten (falls sie überhaupt einen hat…), mit dem kleinsten (weil billigsten) Kleinwagen eine solche Strasse befahren und sich dabei vor Angst fast in die Hosen machen, dann kommt man auch nicht mit 30 km/h vom Fleck. Da sind schon 20 km/h zu schnell. Zeitweise blieb die Dame fast stehen.
Der Parkplatz war voll von solchen Autos (KIA Picanto, etc). Unglaublich. Das sollte verboten werden. Auch wegen der Autovermieter, die die Schäden an den Autos haben.
Noch besser wurde es bei der Brücke, die dem Wasserfall den Namen gibt. Voller Chinesen, und ab und zu noch ein paar andere Nationen.
Die Brücke ist faktisch ein Holzsteg, auf dem zwei Leute kreuzen können. Und die Brücke war voll!
Unter der Brücke gab es einen kleinen Absatz, von dem man den Wasserfall unter die Brücke hindurch sehen konnte. Unter Brücke hatten maximal zwei Personen Platz. Davor standen die Chinesen Schlange, um ein Selfie vor dem Wasserfall machen zu können.
Ich habe mich auf ein paar Aufnahmen von der Brücke und vom Ufer aus beschränkt. Allerdings mit phantastischem Licht bei schönstem Wetter. 🙂
Der Wasserfall ist übrigens nicht ungefährlich. Überall hängen Warnschilder in sechs Sprachen (inkl Chinesisch), die darauf hinweisen, dass man sein Kinder unter Kontrolle und Abstand zu den Abhängen am Ufer haben soll. Tatsächlich sind hier schon mehrere Menschen ertrunken.
Vom Brúarfoss bin ich weiter zum Faxi gefahren.
Das ist ein ganz anderes Kaliber, mit einer Fallhöhe von 7 Metern und geschätzt 50 Meter Breite.
Das Wasser unterhalb des Wasserfalls ist recht seicht, denn ich habe hier schon vor Jahren jemanden mit Fischerhose und Angelrute mitten im Becken stehen sehen. Ausserdem gibt es neben dem Wasserfall eine Fischtreppe. Scheint ein Anglerplatz zu sein.
Neben dem Wasserfall gibt es ein Café und einen Campingplatz. Da war heue nicht viel los. Ein paar Leute machten ein Picknick und auf dem Parkplatz standen ein paar Autos von Besucher. Aber…. es hatte keine Chinesen. Entweder ist der Faxi in deren Augen noch selfiewürdig oder sie kennen ihn tatsächlich nicht. 😉
Apropos Parkplätze: Als ich 2017 das erste Mal Island besuchte, habe ich für zwei Parkplätze bezahlt: Seljalandsfoss und Þingvellir. An allen anderen Orten war das Parkieren gratis.
Heute gibt’s kaum noch gratis Parkplätze. Auf dieser Reise haben ich bis jetzt gute Fr. 40.– an Parkplatzgebühren ausgegeben. Und ich bin bei Weitem nicht alle Plätze angefahren, die ich früher besuchte.
Ich habe dafür Verständnis. Wenn man das Besucheraufkommen sieht und weiss, dass alles in Island Privateigentum ist, so kommen doch etliche Kosten für den Unterhalt auf die Besucher zu. Das möchte ich auch nicht auf mir sitzen lassen. Ausserdem sind die meisten dieser Bezahlparkplätze nun asphaltiert, was früher auch nicht der Fall war.
Und schlussendlich: Warum sollten sich die Landbesitzer nicht ein bisschen was dazu verdienen von den Touristenhorden, die täglich auf ihr Land einfallen?
Eine kleine Rechnung 😉
Die Parkgebühr bei der Krafla in Nordisland kostet ISK 1’200 pro Tag (man bezahlt immer für einen ganzen Tag, egal wie lange man dort ist).
Die durchschnittliche Verweildauer pro Auto ist vermutlich ca 30 Minuten. Der Parkplatz beim Kratersee fasst ca 30 Autos, die alle halbe Stunde wechseln. Das macht von 08:00 bis 23:00 (im Sommer wird es hier nicht dunkel) 900 Autos pro Tag. Im Sommer etwas mehr, im Winter etwas weniger. Wenn man von durchschnittlich von 750 Autos pro Tag ausgeht, dann ergibt das ISK 900’000 resp ca. Fr. 6’000 Umsatz pro Tag.
Davon werden drei Parkplätze, wovon allerdings nur zwei asphaltiert sind, sowie die Wege unterhalten und die elektronische Fahrzeugerfassung (mit Kameras) sowie die Bezahlmöglichkeiten (allesamt nur elektronisch) bezahlt.
Ich weiss nicht, ob der Landbesitzer Gewinn macht, aber ich denke, seine Unkosten dürften gedeckt sein.
Ich komme erst seit zehn Jahren regelmässig hierher. Andere machen das länger.
Aber auch mir fallen verschiedene Veränderungen auf:
Bauliche Massnahmen, die an die Touristenmenge angepasst wurden;
deutlich mehr Leute vor Ort, auch an Orten, wo früher fast niemand war;
mehr Indivdualverkehr auf den Strassen;
Kosten, wo man früher nichts bezahlen musste;
und vorallem der Eindruck, dass es jetzt, nach Ende der Hochsaison unvermindert viele Touristen im Land hat.
Morgen nehme ich die letzte Etappe in Angriff, die mich gegen Abend in die Nähe des Flughafens führt.
Stay tuned.
