Stockholm 2024: Der letzte Tag des Jahres

Wie schon letztes Jahr in Oslo: Dies ist der letzte Post von 2024. 🙂

Das Wetter hier in Stockholm ist immer noch schön. Die Sonne schien den ganzen Tag und am Himmel zeigten sich bloss ein paar dünne Schleierwolken.
Aber es ist noch kälter geworden. Die Temperaturen sind nun auch tagsüber in den Minus-Bereichen. Zusammen mit dem Wind kommt man nun locker auf -8 Grad Celsius oder tiefer gefühlte Temperatur.
Eigentlich so, wie ich es erwartet hätte. Richtig Winter! Bloss, es fehlt der Schnee.
Doch das könnte sich allerdings heute Nacht ändern: Zum einen ist der Schnee in den Meteo-Apps für heute Nacht schon länger angesagt (und für morgen den ganzen Tag).
Zum anderen fahren seit heute Abend die Streufahrzeuge durch die Stast und streuen auf eine trockene Strasse…
Wie es aussieht, erwartet die Stadtverwaltung in der heutigen Nacht offenbar etwas Niederschlag.
Nun, wir werden es spätestens morgen früh sehen.

Ich habe mich realtiv spät am Morgen nach einem gemütlichen Morgenessen zu Fuss nach Gamla Stan aufgemacht. Dabei habe ich vor allem nach Strassenszenen und auffälligen Leute Ausschau gehalten, um einige Bilder für meine Galerie „The Street“ zu schiessen. Dabei wollte ich auch gleich ein neues Teleobjktiv testen.
Trotz der Kälte hatte es heute vor allem in Gamla Stan recht viele Leute in den Strassen. Zum einen wohl wegen dem schönen Wetter (gegen die Kälte kann man sich ja schützen), zum anderen sicher auch, weil ausser dem königlichen Schloss fast alle Museen geschlossen waren. 😉

Eher zufällig bin ich am Schloss vorbei gekommen, und gesehen, dass die Soldaten Absperrungen errichteten. Offenbar war Zeit für die Wachtablösung (ich weiss nie genau, wann die ist, obwohl ich schon mehrere Male dabei war).
Also bin ich stehen geblieben und habe mir einen Logenplatz direkt an der Absperrung gesichert. Das war auch gut so, denn als die Wachtablösung begann, war der ganze Platz vor dem Schloss voll.
Allerdings bedeutete das, dass ich wohl über eineinhalb Stunden auf dem Platz im Wind stand und mich kaum bewegen konnte. Die Wachtablösung dauert inklusive Kurzkonzert des Militärspiels gute 45 Minuten, und ungefähr genau so lange stand ich vorher da…
Irgendwann gibt jede noch so gute Isolierung auf und die Kälte kriecht sich langsam durch Mark und Bein. Der einize Ort, an dem ich am Schluss nicht kalt hatte, waren meine Füsse. Gute Schuhe sind halt auch in der Stadt Gold wert. 🙂 Danke Onkel Sam. 😉

Der anschliessende Spaziergang zurück zum Hotel mit Umweg durch die Bahnhofshalle (natürlich auf der Suche nach Motiven) und mit Zwischenstopp im Espresso House hat mich relativ schnell wieder aufgewärmt. 🙂

Heute Abend bin ich relativ früh zum Dinner gegangen.
Das Hotel hat einen Vier-Gänger angeboten, und Anfang Dezember kam eine eMail von Concierge mit der Einladung, doch bitte früh zu reservieren, da die Plätze begehrt seien. Das habe ich dann auch gleich gemacht. Und man hat sich sehr flexibel gezeigt: Da die ersten beiden Gänge Rogen (also Fischeier) und Hummer waren, konnte ich diese durch die beiden ersten Gängen aus dem Vegi-Menü ersetzen: Heisser Ziegenkäse und gebratener Tofu. Anschliessend gab’s Rindfilet mit Entenleber. Und zum Dessert weisse Schokoladenmousse mit Pistazienglacé. Hat super geschmeckt. 🙂

Nun schreibe ich diesen Post etwas früher als sonst.
Später soll es in der Stadt Feuerwerk geben. Eigentlich knallt es bereits jetzt schon, um 21:30.
Eventuell gehe ich noch mal raus und schaue mit das an. Aber ich glaube nicht, dass man hier das schlägt, das ich in Reykjavík gesehen habe. 😉

Stay tuned.

Wachtablösung vor dem Königlichen Schloss in Stockholm

Stockholm 2024: Gamla Stan

Das Wetter hier in Stockholm hat sich gebessert. Heute kam die Sonne durch die Wolken. Allerdings wurde es auch kälter und vom Meer her wehte ein bissiger, kalter Wind.
Wenn man sich an windgeschützter Stelle in die Sonne stellen konnte, war es ein sehr angenehmer Wintertag. Aber der Wind drückte die gefühlte Temperatur so deutlich nach unten, dass Mütze und Handschuhe nötig wurden, wenn man sich länger im Freien aufhielt. Das Winterfeeling war definitiv da.

Heute Morgen habe ich als Erstes das Fotografiemuseum „Fotografiska“ besucht. Nach eigenen Angaben ist es ein zeitgenössisches Museum für Fotografie, Kunst & Kultur. „Zeitgenössisch“ stimmt ganz sicher. Aber ich habe es eher wie eine Galerie empfunden, in der Ausstellungen von einzelnen Fotografen oder zu bestimmten Themen stattfinden. Unter einem „Museum“ stelle ich mir etwas anderes vor.
Von den drei Ausstellungen waren zwei bestimmten Fotografen gewidmet, und eine dem Thema „Space A Visual Journey“. In letzterer kam so viel Multimedia zum Einsatz, dass ich etwas Mühe hatte, das Ganze mit Fotografie zu verbinden. Nichts desto trotz eine sehr gute, interessante Ausstellung, wenn vielleicht auch unter falschem Label.
Von den Fotografen haben mir vor allem die Arbeiten von Bruce Gilden gefallen. Der 78-jährige, amerikanische Portrait- und Street-Fotograf hat für die Ausstellung die in seinen Augen besten 45 Bilder aus seinem Archiv zusammengestellt. Ich habe Bruce Gilden noch nicht gekant, bin aber von seinen Arbeiten fasziniert.

Vom Fotografiska bin ich weiter nach Gamla Stan (schwedisch für Altstadt).
Ich wusste zwar, dass das Nobelpreismuseum am Montag geschlossen ist. Aber in Gamla Stan gibt es auch sonst viel zu sehen: das Stockholmer Schloss, die engen Gässchen mit den vielen Läden und Restaurants sowie etliche schöne, ältere Gebäude. Im Sommer hätte es zudem überall vor den Restaurant Tische und Stühle auf den Trottoirs und Plätzen. Die sind jetzt natürlich nicht da.

Da das Wetter gut war, schlenderte ich durch die Gassen, wie immer ständig auf der Suche nach Motiven.
Dabei ich mir einen Spass daraus gemacht, meine „Mit-Touristen“ ein bisschen zu beobachten. Dabei sieht man viel, und man versteht nicht alles. Einiges ist ziemlich lustig, wie zum Beispiel das asiatische Mädchen mit den grünen Haaren, pinken Fingernägel und Designerklamotten, die an ihrer Mini-Kompaktkamera den Blitz eingeschaltet hatte (der reicht knapp zwei Meter weit, wenn überhaupt) und damit Gebäude fotografierte. Oder der junge Mann, der dick eingepackt in einen Marken-Daunenmantel mit einem Herrentäschen umgehängt seinen Eltern nachtrottete und dabei permanent auf sein Smartphone glotzte. Ein Wunder, dass der nirgends heruntergefallen ist oder mit jemandem zusammengestossen ist. 🙂 Man sah ihm deutlich an, dass ihn das Ganze nicht interessierte. Er hatte kein Auge für irgendetwas rund um ihn herum. Vermutlich musste er mit Mama und Papa mitkommen, und hätte aber Sylvester lieber mit ein paar Kumpels zu Hause gefeiert.

Mit mir waren viele andere Touristen dort. Die Stadt ist jetzt in der Altjahreswoche ziemlich voll.
Allerdings konzentriert sich das Ganze vor allem auf Touristen-Hot-Spots wie eben Gamla Stan oder gestern Djurgården.
Im restlichen Stockholm würde ich das Publikumsaufkommen als eher normal für so eine grosse Stadt bezeichnen. Man kriegt eigentlich überall einen Platz in einem Restaurant, und wenn es nicht gerade die Linie 7 von und nach Djurgården ist, dann sind U-Bahn und Trams in meinen Augen auch durchschnittlich belegt.
Gestern Abend musste ich 20 Minuten in einem mir bekannten Grill-Restaurant warten, weil ich keinen Tisch reserviert hatte. Das war’s. Danach kriegte ich sogar einen 4-er Tisch für mich alleine. Und nach 20:00 leerte sich das Restaurant zusehends.
Das Fleisch, dass ich dort kriegte, war die Warterei übrigens alle Mal Wert. 😉

Den morgigen Besuch des Militärmuseums musste ich auf den 2. Januar verschieben, weil das Museum bis dann geschlossen ist. Das Gleiche gilt auch für das Nobelpreismuseum.
Somit ist das Programm für den 2. Januar 2025 gemacht. 🙂
Was ich morgen mache, weiss ich noch nicht. Schauen wir einmal.
Der einzige Fixpunkt ist 18:00 für das Sylvester-Dinner im Hotel. Da habe ich einen Platz reserviert.

Stay tuned.

Das Rathaus von Stockholm

Stockholm 2024: Djurgården

Heute war ich den ganzen Tag auf Djurgården.
Auf der Insel im Süden des königlichen Parkes mit dem gleichen Namen findet man eine ungewöhnliche Dichte an Museen.
Ausserdem ist der Park ein Naherholungsgebiet mitten in Stockholm. Entsprechend hat es dort auch einen Vergnügungspark und diverse Verpflegungsmöglichkeiten vom HotDog Stand bis zum gediegenen Speiserestaurant.
Und die Tramlinie 7 fährt vom Hauptbahnhof nach Djurgården und zurück.

Allerdings wurde ich am Morgen noch etwas im Hotel aufgehalten, bevor ich los konnte.
Gestern Abend liess sich mein Zimmersafe plötzlich nicht mehr öffnen. Mein Code schien zu funktionieren, aber der Riegel bewegte sich nicht mehr.
Blöderweise hatte ich bei meiner Ankunft meine Kamera in den Safe gelegt. Und ohne Kamera brauchte ich schon gar nicht nach Djurgården zu gehen.
Sämtliche Versuche des Hotels mittels Universalcode den Safe zu öffnen, waren erfolglos. Man versprach mir, für heute Morgen die „Maintenance“ aufzubieten.
Bloss erklärte man mir dann heute Morgen, dass keine Maintenance verfügbar sei. Am Sonntag arbeiten die schlicht nicht.
Ich stelle mich also darauf ein, frühestens morgen wieder an meine Kamera zu kommen, und begann, mein Tagesprogramm umzustellen. In Museen brauchte ich die Kamera kaum, wohl aber im Skansen Aquarium, das eigentlich heute auf dem Plan stand…
Aus irgendeinem Grund kam nach dem Morgenessen nocheinmal ein Hotelmitarbeiter auf mein Zimmer und versuchte es wieder mit den Universalcode. Und plötzlich, nach einigen erfolglosen Versuchen konnte ich den Safe wieder mit meinem Code öffnen. 🙂
Ich werde den Safe sicher nicht mehr benutzen, denn der Fehler könnte durch ein Softwareproblem hervorgerufen worden sein, oder schlicht und einfach durch eine schwache Batterie.
Mir egal. Soll sich das Hotel darum kümmern.

Also bin ich mit ein bisschen Verspätung dann doch noch in Skansen Aqurium gefahren.
Der Skansenpark ist viel mehr als bloss das Aquarium. Es ist im Wesentlichen ein Freilichtmuseum mit Zoo und eben dem Aquarium. Wobei das Aqurium ein separater Teil ist, für den man zusätzlich bezahlen muss.
Den Park und den Zoo (der nur einheimische Tierart hält) habe ich mir heute geschenkt. Im Winter sieht man in den Aussenhegen in der Regel nicht viel, und ausserdem ist die Anlage recht weitläufig.
Ich bin also ins Aquarium, das genauso gut Terrarium heissen könnte, und habe ein paar Reptilien und Affen fotografiert. 😉

Nach dem Skansen Aquarium bin ich zum ABBA Museum gegangen. Aber dort bin ich vor der Kasse wieder raus, als ich hörte, dass ich über 20 Minuten hätte warten müssen, bis ich ins Museum gekonnt hätte. Man merkte, dass Sonntag war. Da waren viele Familien mit Kindern und zudem auch viele Touristen.

Also bin ich weiter ins Wikingermuseum.
Leider glich das einem Kinderspielplatz. Irgendwie glaubten offenbar viele Familien, dass ein solches Museum für ihre Nachkommen eine grosser Spass wäre.
Naja, das Museum wäre sehr informativ und man könnte dort viele sehr interessante Sachen über die Wikinger, ihre Geschichte, Lebensweise und Religion erfahren. Alles sehr gut und absolut nicht reisserisch gemacht.
Aber laute und drängelnde Kinder, die alles betaschen mussten, weil sie von ihren Eltern (aller möglicher Nationen) nicht unter Kontrolle gehalten wurden, verunmöglichten leider einen langen und interessanten Aufenthalt.
Immerhin konnte niemand mit dem Kinderwagen rein, weil das Museum einige Treppen hatte, die man auf dem Rundgang rauf und runter gehen musste. 😉

Also ging ich weiter ins Vasamuseum. Auf dem Weg dorthin ging ich am Spritmuseum, Wrackmuseum und dem Nordischen Museum vorbei.
Auch im Vasamuseum hatte es sehr viele Leute. Allerdings ist das Gebäude, das um das Wrack der Vasa herumgebaut wurde, sehr gross, und die Massen können sich verteilen.

Anschliessend bin ich mit dem Tram wieder zum Hauptbahnhof und von dort zu Fuss zurück zum Hotel. Dabei habe ich gesehen, wie viele Leute an diesem Sonntag in der Innenstadt (also nicht nur in Djurgården) unterwegs waren. Die Fussgängerzone war kurz vor 15:00 so voll, wie ich es bisher nur in New York und Barcelona angetroffen hatte. Die Leute strömten in Scharen durch die Strassen.

Ich habe mir noch nicht überlegt, wohin ich morgen gehen werde.
Wahrscheinlich gehe ich in die Altstadt Gamla stan. Dort gibt es dan Nobelpreismuseum, in dem ich noch nie war. Oder auch das königliche Schloss mit Wachtablösung, Schatzkammer, Rüstungskammer etc.
Und ich habe ein Fotografiemuseum gefunden, von dem ich bisher noch nichts wusste. Das werde ich diese Tage ganz sicher noch besuchen.

Stay tuned.

Die Innenstadt von Stockholm am Sonntagnachmittag

Stockholm 2024: Zum Jahreswechsel in die schwedische Hauptstadt

Heute bin ich nach Stockholm geflogen, um den Jahreswechsel 2024/25 in der schwedischen Hauptstadt zu verbringen.

Die Anreise verlief problemlos und ohne Verzögerungen. Der Flug mit SAS war ganz angenehm und kam pünktlich auf dem Flughafen Arlanda nördlich von Stockholm an. Das Gepäck kam recht rasch auf dem Gepäckband und dank dem Arlanda Express, der in Stosszeiten ca alle 15 Minuten direkt vom Flughafen an den Hauptbahnhof von Stockholm fährt, war ich ca eine Stunde nach der Landung schon im Hotel.

Hier in Stockholm regnet es immer wieder ganz leicht. Eigentlich ist es mehr ein Nieseln als Regen. Die Temperaturen liegen im einstelligen Bereich über Null. Aber die gefühlte Temperatur ist wegen der Nässe einige Grad tiefer.
Ich komme auch in der Nacht zwar gut ohne Mütze und Handschuhe aus, aber man muss sich schon warm anziehen, wenn man längere Zeit draussen sein will.
Eigentlich bin ich ja wegen dem Winter hierher gekommen, den wir zu Hause zumindest im Flachland nicht mehr haben.
Aber weit gefehlt: Hier liegt gar kein Schnee und der Niederschlag ist wie schon erwähnt Regen.
Tja, ich hätte wohl nach Reykjavík fliegen sollen. Die hatten über Weihnachten einen heftigen Schneesturm und nun liegt dort genug Schnee… 😉

Morgen gehe ich das erste Mal in die Stadt. Von meinen früheren Besuchen hier kenne ich einiges schon. Allerdings gibt es auch noch Vieles, das ich noch nicht besucht habe.
Ich habe mir einen Stockholm Pass gekauft. Damit habe ich nun 5 Tage freie Fahrt auf allen öV und freien Eintritt oder Reduktion bei vielen Museen und Ausstellungen.

Stay tuned.

Svalbart 2024: Eine Reise in die Arktis

Flagge_NorwegenDie letzten 11 Tagen war ich in der Arktis unterwegs, also in der nördlichen Polarregion, die kalte und scheinbar unwirtliche Gegend rund um den Nordpol, nördlich des Polarkreises auf 66° 33′ 55″ Nord.

Ich war zehn Tage und neun Nächte auf einem sogenannten Expeditionsschiff und hatte weder Internet- noch Telefonverbindung. Wohl war das Schiff mit Starlink ausgerüstet und man hätte Datenguthaben kaufen können. Die Preise dafür waren aber so exorbitant hoch, dass ich gerne darauf verzichtet habe.

Nun bin ich in Oslo und habe wieder „Netz“. 😉
Ich bin gestern Abend nach einem dreistündigen Flug aus Longyearbyen auf Spitzbergen hier angekommen und bleibe noch drei Tage, bevor ich in die Schweiz zurückfliege.
Draussen regnet es im Moment und ich warte darauf, dass meine Kleider wieder trocken sind.
Also habe ich gerade Zeit, eine kurz Zusammenfassung dieser Reise zu schreiben. Das wird deshalb ein etwas längerer Beitrag.

Am Montag, 29.07.24 bin ich zusammen mit ca 140 anderen Schweizern nach Oslo geflogen und habe am Flughafen übernachtet.
Am nächsten Tag ging’s dann weiter via Tromsø nach Longyearbyen, dem Hauptort von Svalbart. Eigentlich ist es der einzige Ort auf der Inselgruppe. Die wenigen anderen Siedlungen sind alles Forschungsstationen, die von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt bewohnt werden.
In Longyearbyen sind wir am späten Nachmittag an Bord der M/S Hondius gegangen.
Das Schiff gehört der hollandischen Reederei Oceanwide Expeditions, die in der Arktis und der Antarktis solche Reisen anbietet.
Die ganze Reise wurde von Kontiki Reisen organisiert, und ich habe sie beim Reisebüro meines Vertrauens gebucht: travel worldwide in Zürich.

Am frühen Abend hatte das Schiff dann abgelegt.
Ich hatte eine Zweierkabine auf Deck 3 (von 7) gebucht, mit Bullauge direkt über der Wasserlinie. Die Kabine war sehr gut, obwohl ich nicht sicher bin, ob es mir zu zweit darin wohl gewesen wäre. Gross genug für mich alleine mit meinem Gepäck. Aber wohl ein bisschen eng, wenn man zu zweit (oder sogar zu viert) darin wohnt.
Man merkte auch, dass das Schiff erst 5 Jahre alt war. Keine Abnutzung und sehr funktional, aber gleichzeitig komfortabel gebaut.
Und gleich vorweg: Die Crew war absolut Spitze.
Das Expeditionteam, bestehend aus Leuten aus Holland, Frankreich, Dänemark, Deutschland, der Schweiz und sogar Neuseeland, das die Ausflüge begleitete und vorallem auch für die Sicherheit der Gäste verantwortlich war, die Hotel- und Restaurantcrew, wie die restliche Schiffbesatzung hauptsächlich aus den Philippinen, aber auch die ganze Besatzung des Schiffs waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Besonders das philippinische Servicepersonal war Spitze. Bereits am ersten Abend kannten die alle 145 Gäste mit Namen, obwohl kein fester Sitzplan bestand und die Leute jedes Mal woanders sassen. Von da an war ich für alle Stewardesses und Stewards einfach nur „Sir Tom“. 🙂
Selbstverständlich habe ich das empfohlende Trinkgeld von €10.– bis €15.– pro Tag (für das ganze Schiff) noch etwas aufgrundet. 😉
Abgesehen davon, dass man spürte, dass diese Leute sehr lange zusammen arbeiteten und lebten (das war ein grosses Team), war wohl mit ein Grund, dass sie vor uns eine 10-tägige Tour mit 160 Chinesen machten, von denen kaum einer Englisch sprach. Und chinesische Touristen gehören zu den wohl schwierigsten und unangenehmsten überhaupt. Das weiss ich aus eigener Erfahrung aus Island. Als ich davon hörte, taten mir die Philippinas und Philippinos richtig leid.
Auch das Essen war sehr gut: Frühstück und Mittagessen gab es Buffet warm und kalt, und zum Abendessen wurde ein Drei-Gang-Menü serviert. Bei jeder Mahlzeit hatte man die Wahl zwischen Fleisch, Fisch und Vegetarisch. Und alles war sehr gut zubereitet.
Ab dem Moment, an dem wir den Hafen von Longyearbyen verliessen, gab es kein Netz mehr. Wir hatten also 10 Tage Internet-freie Zeit. Ganz angenehm. 🙂

Was nun folgte, kann in Bezug auf das Wetter kaum mehr übertroffen werden. Und laut Crew auch in Bezug auf Tiersichtungen. Ich würde diese Reise ganz sicher nicht wiederholen, da es praktisch unmöglich ist, die gleichen Bedingungen zu haben. Hier kann man sagen, dass es nie besser sein wird.
Wir hatten während der ganzen Reise gutes Wetter. Die Temperaturen waren meistens über dem Gefrierpunkt und die Sonne schien. Manchmal waren da etwas Wolken und ein bisschen Wind, aber kaum Seegang (ich hatte meine präventiven Tabletten gegen Seekrankheit am dritten Tag abgesetzt).
Ganz wichtig war aber, dass es kaum Nebel hatte:
Wenn man wegen Nebel das Ufer nicht sieht, darf man nicht an Land gehen.
Das ist zu gefährlich, weil man so die Eisbären nicht rechtzeitig sehen würde. Der Eisbär ist eines der wenigen Tiere, die auch Menschen als Beute betrachten und ohne Not angreifen können. Deshalb darf man auch nicht anlanden, wenn ein Eisbär in der Nähe ist. Die Tiere können sehr gut schwimmen und überqueren einen Fjord unter Umständen in weniger als einer halben Stunde. (Das Einladen am Strand von über 120 Touristen in Schlauchboote à 10 Personen dauert definitiv länger…) Und an Land kann ein Eisbär auch ein Rentier einholen und töten. Diese Tiere sinf also sehr schnell, wenn es darauf ankommt; schneller als Mensch.
Und wenn es trotzdem zu einer Begnung kommt, muss das Tier getötet werden, wenn es näher als 30 Meter kommt und Erschrecken mit Leuchtpistolen nicht funktioniert.
Jeder unserer Guides (einer pro 10 Gäste) war deshalb auf den Ausflügen immer mit Funkgeräten, Leuchtpistolen und geladenen Jagdgewehren (Kaliber .308) ausgrüstet.
Zum Glück hatten wir keinen solchen Zwischenfall und die Eisbären, die wir gesehen haben, waren oft nur ein weisser Punkt am Horizont.

Wir sahen viele Tiere: Wale (Zwergwale, Buckelwale, Weisswale [Belugas] und sogar einen Blauwal, das grösste Tier, das je auf der Erde gelebt hat), jede Menge Walrosse und verschiedene andere Robben und noch mehr Vögel.
Oft waren die Tiere allerdings so weit entfernt, dass es sich mit meinen Brennweiten nicht lohnte, zu fotografieren. Dann blieb es halt bei einer Beobachtung, allenfalls mit dem Fernglas.
Eine Ausnahme war eine Walross-Kolonie, der wir uns an Land auf ca 50 Meter nähern konnten.

Es gab einige Höhepunkte auf dieser Reise, und praktisch täglich fanden zwei Anlandungen oder Schlaubootfahrten statt.
Das ist viel. Es gibt selten eine Reise, auf der man so oft das Schiff verlassen kann.
Der Weckruf kam in der Regel um 07:00 und Frühstück gab’s ab 07:30.
Der erste Ausflug startete um 08:30 und der letzte kam gegen 17:00 zum Schiff zurück (dazwischen kam man natürlich zum Mittagessen zurück auf’s Schiff).
Um 18:15 gab’s einen Tagesrückblick des Expeditionsleiters (und einen Ausblick auf die Route und das Programm des nächsten Tages) und um 19:00 wurde das Abendessen serviert.
Auch wenn man nicht zu spät ins Bett ging und so zu genügend Schlaf kam, war man am Ende des Tages müde, und anders als auf anderen Schiffreisen hatte ich schon um 11:00 respektive 16:00 wieder Hunger. Mein Plan, wie immer das Mittagessen auszulassen, wenn es ein opulentes Frühstücksbuffet gibt, hat nicht funktioniert. Die frische Luft, die kühle Seeluft und die körperliche Betätigung verbrauchten mehr Energie als gewohnt. 😉

Da es ausser in Longyearbyen keine Häfen auf Svalbart gibt, in denen das Schiff hätte anlegen können, liefen die Landgänge (und Schlauchbootausflüge) immer folgendermassen ab:
Wasserfeste Kleidung anziehen, darunter warme Kleidung sowie Mütze und Handschuhe, damit man während zwei Stunden im Schlauchboot nicht fror. Ohne wasserfeste Kleidung wurde man nicht auf ein Schlauchboot gelassen. An den Füsse trug man Gummistiefel, die man an Bord erhielt. Es wurde davon abgeraten, die eigenen Outdoorschuhe zu tragen. Spätetens wenn man am Ufer aus dem Schlauchboot sprang und bis zu den Unterschenkeln im Wasser stand, wusste man wieso. 😉
Dann musste man sich mit seiner Zimmerkarte an Bord abmelden und in ein schwankendes Schlauchboot, ein sogenanntes Zodiac steigen. Zodiac ist ein Markenname für besonders stabile Schlauboote mit einem starken Motor. Unser Boote fassten je 10 Passagiere und einen Fahrer und hatten einen 60PS Aussenbordmotor. Die M/S Hondius hat 16 Zodiacs an Bord.
Am Strand angekommen, musste man im seichten Wasser aus dem Boot springen.
Zurück lief es genau gleich, einfach in umgekehrter Reihenfolge. Die Guides und die Schiffbesatzung halfen den Passagieren, wo sie konnten. Und wenn nötig half man sich auch unter den Passagieren. Da konnte selbst der älteste Passagier mit 82 Jahren und einem bösen Knie bei jedem Landgang mit dabei sein.
Besonders aufpassen musste man auf die Sonne: Strahlender Sonnenschein ist in der Arktis auf dem Wasser und im Eis ist besonders stark. Da war täglich zwei Mal Sonnenschutzfaktor 50 oder mehr angesagt. Ich habe schon am dritten Tag gesagt: „Wir fahren in die Arktis und kommen braungebrannter nach Hause, als wenn wir in den Süden gefahren wären. Und das alles ohne Schwitzen…“. 😉
Und ohne Sonnenbrille konnte man nicht längere Zeit draussen sein, ohne seine Augen auszutrocknen und zu entzünden.
Nach der Rückkehr auf’s Schiff musste man sich mit der Zimmerkarte wieder anmelden, durch eine automatisches Schuhreinigungsmaschine gehen und am Schluss mit den Stiefeln in ein Desinfektionsbecken stehen. Danach konnte man zum Umziehen in die Kabine.

Ich habe auf dieser Reise sehr viele Eindrücke gesammelt. Zuviele, um jeden einzelnen zu beschreiben. Wir haben an Land unter anderem auch zwei verweste Eisbären sowie Walknochen gefunden und noch vieles mehr.
Eins möchte ich hier aber erwähnen. Leider ist es nicht positiv:
Fast überall, wo wir an Land gingen, haben wir Unmengen von Plastik gefunden, die angeschwemmt wurden. Das war, einfach ausgedrückt, eine riesige Sauerei.
Wenn man nun in Betracht zieht, das die nächste menschliche Siedlung, die solche Abfall produzieren kann, Tausende von Kilometern entfernt liegt, kann man sich vorstellen, wie es in unseren Meeren aussieht, wenn das Zeug sogar in der unbewohnten Arktis angespühlt wird.
Ein paar Beispiele, die wir gefunden und eingesammelt haben: Teile von Fischernetzen, BIC-Feuerzeuge mit russischem Aufdruck, ein Etikett in dänischer Sprache von einer Dose Snus, eine abgeschossene Schrotpatrone und massenhaft grössere und kleinere Plastikstücke sowie Stücke von Kunststoffschnüren, etc. Den sogenannten Mikroplastik haben wir natürlich nicht gesehen. Der war aber auch da.
Unsere Gruppe hatte in zehn Minuten mehrere Kilos von dem Unrat aufgesammelt.
Nun glaube ich, dass die Verschmutzung der Meere tatsächlich ein sehr grosses Problem ist und die meisten Tiere dort draussen mehr oder weniger Plastik fressen und zum Teil daran verenden.
Darüber lesen und durchaus auch glauben, dass das, was man liest, wahr ist, ist eine Sache. Aber einen Strand zu sehen, der von dem Müll übersäht ist (und den Müll dann auch selbst aufsammeln), ist völlig etwas anderes. Daran werde ich mich sicher noch lange erinnern.

Natürlich habe ich auf der Reise auch ein wenig fotografiert. 😉
Ich bringe fast 4’000 Rohbilder mit nach Hause, die in den folgenden Monaten sortiert, ausgewählt und bearbeitet werden wollen. Das braucht etwas Zeit und ich werde mich auf diesem Kanal wieder melden, wenn ich Bilder hochgeladen habe.
Ebenfall werde ich sicher einen Beitrag schreiben, sobald ich von Kontiki und Ocreanwide alle Briefings und Karten erhalten habe, und ich den Verlauf der Reise auf der Karte beschreiben kann.

Stay tuned

Island 2024: Die letzte Etappe

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Der Sturm hatte letzte Nacht ziemlich getobt und am Haus, in dem ich untergebracht war, gerüttelt. Irgendwann nach Mitternacht bin ich eingeschlafen und heute Morgen war alles ruhig.
Es wehte zwar immer noch ein kräftiger Wind, der so stark war, dass auf sich auf dem Meer Schaumkronen bildeten. Aber zum Einen war das nichts gegen gestern Abend, und zum Anderen weht in Island immer ein mehr oder weniger starker Wind.

Heute ging’s Richtung Süden, in die Nähe des Flughafens.
Die Fahrt verlief absolut problem- und ereignislos. Sogar mein Zeitplan ging voll auf:
Ich hatte ausgerechnet, dass ich in der Mitte der rund vierstündigen Fahrt ziemlich genau bei Restaurant Hraunsnef in der Nähe von Bifröst sein würde.
In Bifröst habe ich vor zehn Tagen meine Rundreise über Snæfellsnes und die Westfjorde begonnen. Und zum Hotel/Restaurant Hrausnef gehört ein Hof mit eigener Rinderzucht. Das ist in Island nicht so häufig anzutreffen. Entsprechend kriegt man im Restaurant nicht bloss Gerichte mit Fisch oder Lamm, sondern auch mit Rindfleisch, und das zum Mittagessen. 🙂
Also bin ich in Drangsnes um kurz vor 10 uhr losgefahren und war genau um 12:00 im Hraunsnef. 🙂

Nach dem Mittagessen habe ich den zweiten Teil der Strecke in Angriff genommen. Die Fahrt verlief auch jetzt problemlos.
Leidglich im Bereich der Hauptstadt geriet ich in einen kurzen Stau. Das ist dort nicht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, das fast drei Viertel der Bewohner Island in der Hauptstadt oder in einer der umliegenden Gemeinden leben. Also auch hier wie beim isländischen Wetter: Menschleere Strassen und plötzlich ein dreispuriger Stau. Island ist halt voller Gegensätze. 😉

Das Wetter wurde umso besser, je weiter südlich ich kam.
Während im Norden noch dunkle Wolken am Himmer hingen, und ich gelegentlich durch einen kleinen Nieselregen fuhr, schien hier auf Reykjanes, der Halbinsel im Südwesten (auf der auch der intl Flughafen Keflavík liegt) die Sonne und kein Wölkchen trübte den Himmel.

Nun heisst es, die Koffer zu packen und früh ins Bett gehen.
Morgen um 05:00 fahre ich an den Flughafen, gebe mein Mietauto ab und meine Koffer auf.
Um 07:20 hebt mein Flug (Icelandair FI 568) Richtung Zürich ab.

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Blick aus dem Fenster beim Mittagessen

Stay tuned.

Island 2024: Der Sturm meldet sich noch einmal

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Wie vom Wetterdienst angekündigt, drehte letzte Nacht das Wetter in Ísafjörður (faktisch in den ganzen Westfjorden) komplett.
Als ich heute Morgen aufstand, schneite es draussen.
Damit hatte ich gerechnet. Und auch damit, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Aber das Verückteste erlebte ich einige Stunden vorher:
Um ca halbzwei Uhr in der Nacht (oder sollte ich besser sagen „am Tag“) erwachte ich wegen Lärm unter meinem Hotelfenster.
Nun war mein Zimmer gegen die Strasse gelegen und das Hotel mitten in der Stadt. Es war also nichts Ungewöhnliches, wenn ab und zu ein Lastwagen oder gröhlende Jugendliche unter meinem Fenster Lärm machten. Aber das dauerte immer nur kurz und hat mich kaum im Schlaf gestört.
Dieses Mal war der Lärm aber anhaltend und tönte wie ein Baumaschine. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken.
Also stand ich auf und sah nach. Und glaubte meinen Augen kaum.
Da unten malte ein Bauarbeiter um 01:30 alle Parkfelder in dieser Stasse nach. Dass die Maschine, auf der er sass, laut war, konnte man schon nur daran erahnen, dass er selbst Gehörschutz trug…
Zum Glück war er nach einer Viertelstunde damit fertig und fuhr weiter. Da konte ich wieder einschlafen.
Ich verstehe ja, dass in der Zeit, in der es hier nicht dunkel wird, vorallem draussen auch nachts gearbeitet wird. Das geht im Winter schlechter, wenn es nur wenige Stunden Tageslicht gibt.
Aber muss es so eine lärmige Arbeit sein??? Mitten in der Stadt???

Zurück zum Verlauf des heutigen Tages:
Als ich in Ísafjörður kurz vor 10 losfuhr, regnete es, die Wolken hingen tief, in den Bergen lag Schnee und es wehte ein starker Wind.
Diese Bedingungen bin ich in Island gewohnt. So kann ich gut fahren. Es allerdings nicht immer einfach, auszusteigen und zu fotografieren, ohne komplett nass zu werden.
Ausserdem gab es gemäss isländischem Wetterdienst zwischen 10:00 und 15:00 ein Fenster, in dem das Unwetter nachlassen sollte. Es gab jedenfalls für diese Zeit keine besonderen Wetterwarnungen.
Aber am Ende meiner Fahrtstrecke war ein ca 25 km langer Pass resp die Hochebene Steingrímsfjarðarheiði. Dort könnten die Bedingungen durchaus kritisch werden, wenn das Wetter plötzlich umschlagen würde.

Als ich losfuhr, meldete der Wetterdienst auf der Strasse 61, die über die Steingrímsfjarðarheiði führt, zuerst Nassschnee auf der Fahrbahn und später vereinzelte Vereisungen. Ausserdem wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 15 Meter pro Sekunde (54 km/h) angezeigt. Das könnte ein Problem werden, da ich keine Spikes mehr hatte. Die sind in Island nur im Winter erlaubt.

Die Fahrt bis zur Steingrímsfjarðarheiði verlief aber ereignislos. Mal Regen, mal nicht. Mal starker Wind, mal kein Wind. Und wenn es nicht regnete, war die Strasse trocken.
Als ich zum Aufstieg zur Steingrímsfjarðarheiði kam, hatte ich die erste Überraschung: Die Wettertafel zeigte keinen Wind an und die Strasse war trocken. Ich konnte also ganz normal weiterfahren.
Ganz oben gab es dann ein paar nasse Stellen auf der Strasse und auch der Wind nahm deutlich zu. Ausserdem schneite es ganz leicht und die Temperatur lag um den Gefrierpunkt.
Aber man konnte immer noch völlig ungehindert weiterfahren, und so kam ich ohne Probleme ans Ziel.

Da ich für den Check-In noch etwas zu früh dran war, habe ich einen Abstecher nach Hólmavík gemacht und dort das Museum für Hexerei und Zauberei in Island besucht.
Island hat wie ganz Europe im 17. Jahrhundert an Hexenparanoia gelitten, die durch die Kirche noch geschürt wurde.
Das Besondere hier war, dass praktisch nur Männer dieses Verbrechens angeklagt und verbrannt wurden. Unter 21 in Island verbrannten Hexen resp Zauberer war nur ein Frau. Ganz Gegenteil zum restlichen Europe, wo praktisch nur Frauen diesem Wahn zum Opfer fielen.
Ausserdem ist es schon sehr speziell, wenn in einem Land, in dem akuter Holzmangel herrscht (die Wälder in Island wurden schon kurz nach der Besiedelung innert hundert Jahren von den Wikingern komplett abgeholzt), viel Holz für eine solche Hinrichtung verwendet wurde. Oft wurde deshlab das Holz für den Scheiterhaufen vom Haus des Verurteilten geholt. Oder man verwendete Treibholz.
In jedem Fall bietet das Museum einen interessanten Einblick in die Geschichte Islands.

Als ich nach dem Zimmerbezug hier im Malarhorn Guesthouse in Drangsnes wieder im Internet den Strassenzustand checkte, wurde dort für die Strasse 61 über die Steingrímsfjarðarheiði „Nassschnee“ angezeigt und das Symbol der Schneeräumung.
Ich habe offenbar das „Gutes Wetter“ Fenster ganz gut erwischt, als ich hierher gefahren bin. 🙂

Jetzt tobt der Sturm hier. Ein bisschen Regen, aber vor allem stürmischer Wind, der am Haus rüttelt. Es pfeift und knirscht im ganzen Haus. Hoffentlich hält das Dach und es fliegt kein Stein in die Windsschutzscheibe meines draussen geparkten Autos.
Kurz nach Mitternacht sollte aber auch der Spuck ein Ende haben, und das Wetter sich wieder beruhigen.

Auf der morgigen, letzten Etappe meiner diesjährigen Islandreise sollte ich also bei ruhigem Wetter Richtung Süden fahren können.

Ein Sturmtief über Island

Stay tuned.

Island 2024: Ein schöner Tag in Ísafjörður

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Heute war das Wetter hier in Ísafjörður so ganz anders als gestern.
Die Sonne schien den ganzen Tag und die Temperaturen sind deutlich gestiegen. Wäre da nicht der ständige Wind (wenn auch nicht so heftig wie gestern) gewesen, hätte man sich im TShirt draussen sonnen können.

Am Morgen habe ich das Arctic Fox Center in Súðavík besucht.
Das ist nicht bloss ein Museum, sondern eine private Forschungs- und Dokumentationsstation, die sich ausschliesslich dem grössten Raubtier auf Island widmet, dem Polarfuchs (Vulpes lagopus).
Ausserdem gibt es dort noch eine Auffangstation, die verletzte oder kranke Tiere aufnimmt und für den Rest ihres Lebens für sie sorgt. In Island ist es verboten, Wildtiere wieder auszuwildern, nachdem sie einmal in menschlicher Obhut waren. Es gibt keine Resozialisierungsstation wie in Norwegen, in der die Tiere auf die Freiheit vorbereitet werden können.
Zum Glück sind die Polarfüchse in Island nicht gefährdet. Es geht ihnen hier gut und die Fuchspopulation ist gesund. Im Gegensatz zum Rest der Polarregion. Dort (zB Norwegen, Schweden, Finnland und Russland) sind die Tiere aus verschiedenen Gründen von Aussterben bedroht.
Zur Zeit gibt es zwei Füchse in der Auffangstation. Die Tiere wurden von Jägern gefunden, die sie, anstatt sie zu töten, hierher brachten. Der Fuchs auf dem Foto wechselt gerade sein Feld. Deshalb sieht er etwas räudig aus. Es geht ihm aber gut. 🙂
In Freiheit bin ich den Tierchen vor vier Jahren im Hornstrandir Naturschutzgebiet schon begegnet. Sie sind in der Regel sehr scheu. Aber wenn’s um Futter geht, werden sie neugierig.

Am Nachmittag wollte ich auf die Aussichtsplattform auf dem Berg Bolafjall.
Als ich 2020 das erste Mal dort oben war, gab es die Platform noch nicht. Daneben steht übrigens eine ehemalige Radarstation der NATO, die heute von der isländischen Küstenwache betrieben wird.
Vom Bolafjall hat man einen sehr guten Ausblick über den Ísafjörður (den Fjord, nach dem die Stadt benannt ist) und zum Hornstrandir Naturschutzgebiet. Mit der Plattform soll man noch mehr sehen.

Also bin ich nach Bolundarvík gefahren und von dort den Berg hinauf. Die Strasse ist eine Naturstrasse, die so breit ist, dass zwei Fahrzeuge jederzeit kreuzen können.
Allerdings war halb oben Schluss: Die Strasse zum Gipfel (und zur Plattform) war gesperrt, weil offenbar noch zu viel Schnee liegt. Schon im mittleren Drittel befanden sich links und rechts der Strasse noch meterhohe Schneewände, die davon zeugten, dass die Strasse im Frühling wohl mit der Schneefräse in den Schnee geschnitten werden musste.

Nachdem ich mich bei der Sperre kurz umgesehen hatte, und natürlich die Gelegenheit nutzte, im Juni noch einmal im Schnee zu stehen, bin ich dann zurück nach Ísafjörður.
Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Einkaufen und Spaziergängen in der Stadt (dieses Mal in der Sonne), sowie Kaffee und Lesen.

Morgen geht es weiter nach Osten, nach Drangsnes. Das sind 236 Kilometer, für die ich normalerweise ca zweieinhalb bis dreienhalb Stunden brauche.
Das sollte auch eingermassen aufgehen, obwohl für morgen wieder Sturm und Schneefall angesagt ist. Gemäss der Webseite des isländischen Wetterdienstes gibt es auf meiner Fahrstrecke ein Fenster von ca 10:00 bis 15:00 ohne irgendwelche Wetteralarme. Das heisst nicht, dass es keinen Wind und keine Niederschläge gibt. Aber es gibt zumindest keine extremen Wettersituationen.
Für 15:00 gibt der Wetterdienst dann an meinem Zielort Drangsnes wieder eine orange Wetterwarnung heraus.
Dann sollte ich dort angekommen sein, damit ich unter diesen Bedingungen nicht mehr fahren muss. Ausserdem muss ich kurz vorher über einen Pass, auf dem etwas kältere Temperaturen (eventuell unter Null) herrschen. Falls Schnee auf der Strasse liegt, komme ich dort wohl nicht soooo schnell vorwärts.
Aber ich kenne die Strecke gut. Ich bin sie schon drei Mal gefahren, und ein Zeitfenster von fünf Stunden reicht für eine Strecke von zweieinhalb Stunden längstens. 🙂

Island 2024
Polarfuchs

Stay tuned.

Island 2024: Ein Wintertag in Ísafjörður

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Wie gestern angekündigt, wurde das Wetter heute rauher.

Der Sturm aus dem Osten machte sich mit Windböen und Regen bemerkbar, und die Temperatur bewegte sich den ganzen Tag im einstelligen Bereich.
In der Stadt war es wohl kalt und windig, und manchmal auch nass. Aber sonst merkte man nicht viel davon, dass in anderen Teilen des Landes ein Sturm tobte.

Vorsichtshalber machte ich aber keine grösseren Ausflüge mit dem Auto. Rund um Ísafjörður herum sind die Berge weiss. In der Nacht ist dort oben offenbar einiges an Schnee heruntergekommen. „Berge“ heisst hier eine Höhe um die 500 Meter über Meer. Dabei haben die Passstrassen auf jeden Fall auch Schnee abbekommen .

Ich habe stattdessen das Heimatmuseum der Westfjorde besucht. Da wa ich vor sechs Jahren das letzte Mal. Die Geschichte und das Leben in den Westfjorden wird dort mittels orginialen Ausstellungsstücken und Dokumenten aus den vergangenen Zeiten dargestellt.
Das Leben in den Westfjordenkann auch heute noch hart sein. Besonders, wenn jemand ausserhalb einer Ortschaft auf einem abgelegenen Hof wohnt. Vor hundert Jahren muss das aber noch viel rauher gewesen sein, als es noch nicht überall Strom gab, und die Strassen besser Pfade waren.

Neu hat das Museum auch eine Museumskatze, die sich auf den drei Stockwerken frei bewegt. Wenn man ihr sympatisch ist, folgt sie den Besuchernund verbringt etwas Zeit mit ihnen. Mir hat sie eine Viertelstunde lang beim Anschauen eines Videos über die Fischerei von vor 100 Jahren Gesellschaft geleistet.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit gelegentlichen Spaziergängen im Ort und Lesen.
Heute habe ich meinen zweiten isländischen Kriminalroman seit meiner Ankunft in Island beendet:
Zuerst habe ich den zweiten „Hildur“ Roman von Satu Rämö gelesen. Der spielt hier in Ísafjörður. Auf den dritten „Hildur“ Roman muss ich allerdings noch etwas warten. Der erscheint erst im Verlauf des Jahres auf deutsch.
Als nächtes war der Roman „Abgrund“ mit „Haldur & Freyja“ von Yrsa Sigurdardóttir dran, den ich heute beendet habe.
Morgen mache ich dann mit „R.I.P.“ weiter, einem weiteren „Haldur & Freyja“ Roman von Yrsa Sigurdardóttir.
Das schlechte Wetter hat nicht nur schlechte Seiten… 😉

Der Sturm scheint sich übrigens ein bisschen zu beruhigen und mit fortschreitender Zeit an Kraft zu verlieren.
Als ich vorhin die Informationen des isländischen Wetterdienstes angeschaut hatte, waren das viel weniger gelbe Alarme und die organgen dauerten weniger lange als gestern.

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Byggðasafn Vestfjarða – das Heimetmuseum der Westfjorde

Stay tuned.

Island 2024: Ein Sturm kommt auf!

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Nun bin ich in Ísafjörður, der „Hauptstadt“ der Westfjorde angekommen. Hier bleibe ich drei Tage bis Donnerstag.

Das passt sehr gut zur aktuellen Wetterentwicklung, denn laut dem isländischen Wetterdienst trifft heute Nacht ein starkes Sturmtief von Westen her kommend auf Island. Man rechnet mit heftigen Stürmen, Regen und Schnee bis in die Niederungen. Und das soll bis Freitag anhalten.
Also bin ich ganz froh, wenn ich die nächsten Tage nicht unterwegs sein muss.
Zwar wird es die Westfjorde nicht so heftig treffen wie den Rest von Island. Die Wetterwarnstufe hier ist ab heute Abend gelb (gelb-orange-rot).
Trotzdem ist es nicht lustig, bei strömendem Regen und Windgeschwindigkeiten von 50 bis 80 Stundenkilometern Auto zu fahren. Wenn es nur Wind wäre, hätte ich keine Probleme.

In den nördlichen und östlichen Landesteilen und im zentralen Hochland sind Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h angesagt, und auch Schneefall. Einige Strassen werden schon heute Abend gesperrt. Der Wetterdienst hat für diese Teile des Landes die orange Warnstufe ausgegeben.
Für Lastwagen und Wohnmobile, die dem Wind grosse Angriffsflächen bieten, ist das definitiv kein Reisewetter mehr. Aber auch Pws sollten nicht unnötig unterwegs sein.
Allgemein werden die Leute aufgefordert, möglichst wenig nach draussen zu gehen, keine unnötigen Fahrten zu machen, rund um’s Haus alle losen Gegenstände festzubinden. Man wird allgemein von herumfliegenden Gegenständen gewarnt.

Mit gelb kann ich gut umgehen, weil ich das schon mehrfach erlebt habe. Aber orange möchte ich eigentlich nicht kennenlernen.

Der Winter ist in Island Anfang Juni definitiv noch nicht vorbei. Entsprechend sind auch die Temperaturen:
Aktuell ist in Ísafjörður noch schönes Wetter und es geht ein relativ schwacher Wind. Die Temperatur beträgt rund 3 – 4 Grad Celsius. Die Temperatur mit dem sogenannten „Windchillfactor“, also die gefühlte Temperatur, wenn man im Wind steht, ist -3 Grad.
Ehrlich gesagt, das habe ich ein bisschen unterschätzt. Ich wusste zwar, dass es Anfang Juni in Island windig und nicht besonders warm ist. Aber dass die Temperaturen so tief fallen werden, habe ich nicht gedacht.

Es passt also ganz gut, dass ich die nächsten Tage keine grösseren Verschiebungen vor mir habe. Das Wetter konnte ich natürlich bei der Buchung im letzten Oktober nicht vorraussehen. Aber ich habe offenbar Glück gehabt. 🙂

Auf der anderen Seite fallen diversen Aktivitäten buchstäblich ins Wasser, die ich für die nächsten Tage hier in Ísafjörður geplant habe.
Bei Sturm und Regen werde ich wohl kaum auf die neue Aussichtsplattform auf dem Bollafjall fahren. Vermutlich ist die bei solchen Bedingungen sowieso gesperrt.
Auch ein Ausflug ins benachbarte Tal wäre nur schlau, wenn es kaum regnet und keinen Sturm gibt. Zu gross wäre sonst die Gefahr von Steinschlag auf den Bergstrassen.

Aber schauen wir mal, wie sich das Wetter morgen früh präsentiert.
Einen ersten Eindruck werde ich erhalten, wenn ich zum Frühstück fünf Minuten durch die Stadt zum anderen Hotel gehen muss. Dann werde ich wissen, ob und was ich unternehmen kann, oder ob ich mich mit Laptop und Buch in ein Café verlegen muss.
Und es gibt hier auch noch ein gutes Heimatmuseum…

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on the road durch die Westfjorde

Stay tuned.