Die heutige Etappe war mit 337 km wieder etwas länger, aber noch OK. Insgesamt war ich sieben Stunden unterwegs, wovon 5 Stunden reine Fahrzeit waren.
Ich weiss, dass andere von morgens um acht bis abends um acht unterwegs sind. So kommt man natürlich weiter und schafft es auch, in einer Woche die ganze Insel zu umrunden, wie viele stolz berichten.
In meinen Augen ist das Blödsinn, denn wieviel Zeit bleibt dabei für Stops und dem Erkunden von Orten ?
Weniger ist auch hier mehr. Aber jedem das Seine…
Ausserdem ist eines sehr wichtig: Ich bin alleine unterwegs. Ich habe niemanden bei mir, der mich bei Müdigkeit am Steuer ablösen kann. Das ist eine andere Ausgangslage, als wenn man zu zweit oder mehr ist.
Und dass man auf langen, zum Teil eintönigen Fahrten müde wird, habe ich heute wieder erlebt. Ich musste mindestens zwei Mal auf einem Rastplatz anhalten, mir die Beine vertreten und etwas essen, weil ich sonst in Gefahr gelaufen wäre, in Sekundenschlaf zu fallen!
Ich kenne das und weiss auch, was ich wie tun muss, um wieder munter zu werden.
Das liegt nicht an zu wenig Schlaf. Ich habe mit mindestens acht Stunden pro Nacht hier in Island genug Schlaf. Das hat viel mit Eintönigkeit zu tun. Auch deshalb fahre ich nie mehr als eine Stunde am Stück.
Das sagt mir auch, dass es ganz vernünftig ist, eher kürzere Etappen zu planen.
Ausserdem bin ich hier in den Ferien und nicht auf der Flucht! Da soll man auch mal auspannen, oder nicht? 😉
Heute habe ich per Zufall die letzte Hinrichtungsstätte in Island gefunden.
Eigentlich habe ich in erster Linie einen Rastplatz mit Toilette gesucht und gefunden.
Und dann stand daneben eine Informationstafel, auf der stand, dass hier (der Ort heisst Þrístapar – die drei Hügel) am 12. Januar 1830 ein junges Paar, das zwei Männer ermordet hatte, geköpft wurde.
Das waren die letzten Hinrichtungen in Island.
Die Exekutionen sollten eine maximale abschreckende Wirkung haben:
Der Vorsteher der Region (Amtmann, Gouverneur, …) liess das Richtbeil extra aus Dänemark importieren und ordnete an, dass alle Bewohner der Gegend, mindestens aber ein Vertreter pro Bauernhof den Hinrichtungen beiwohnen mussten.
So sahen rund 140 Bauern zu, als man den beiden den Kopf abschlug, zuerst dem Mann, dann der Frau. Die Körper wurden vor Ort begraben und die Köpfe pflanzte man auf Pfähle.
Die beiden Deliquenten waren noch nicht einmal 20 Jahre alt, als man sie hinrichtete.
1939 fand man bei einer Ausgrabung nach Hinweisen durch ein sogenanntes Medium die Särge mit den Skeletten und den Köpfen, und bestattete sie in einem Friedhof.
Vor Ort kann man entlang eines Weges bis zum Richtplatz gehen, wo ein symbolischer Richtblock mit Beil aufgebaut ist. Auch die beiden Pfähle für die Köpfe sind da. Entlang des Weges gibt es Tafeln, auf denen die ganze Geschichte in isländisch und englisch erzählt wird.
Ganz nebenbei war gleich neben dem Richtplatz eine Weide, auf dem sich mehrere Stuten mit ihren Fohlen befanden. Die meisten Besucher bekundeten am Ende mehr Interesse an den Pferden als am Richtplatz. 😉
Noch ein Wort zum Wetter:
Am Morgen war der Himmer in Laugar komplett bedeckt. Eine schwere Wolkendecke hing über dem Tal und es wehte ein leichter, kühler Wind.
Aber keine 70 km (eine Dreiviertelstunde Fahrt) weiter schien in Akureyri die Sonne, und der Himmel war wolkenlos. Ich konnte in der Fussgängerzone in Akureyri meinen HotDog unter freiem Himmel im TShirt geniessen.
Und so blieb das Wetter bis heute Abend hier in Westisland.
Nun bin ich in Bifröst angekommen, einige Kilometer nordöstlich von Borgarnes entfernt im Westen Islands.
Morgen fahre ich auf meiner letzten Etappe nach Garður auf der Halbinsel Reykjanes, wo ich für zwei Nächte in der Nähe des Flughafens Quartier beziehen werde, bevor ich am Montag nach Hause fliege.









