Island 2022: Der Roadtrip hat begonnen

Island_flagHeute habe ich die erste Etappe meines 20-tägigen Roadtrips unter die Räder genommen.

Als erstes bin ich allerdings heute morgen in Reykjavík nach dem Auschecken im Hotel mit dem Landcruiser noch einmal zu Europcar gefahren, weil die Reifendrucklampe immer noch brannte.
Es waren natürlich andere Leute da als gestern. Aber die schienen ihren Job zu verstehen. Es dauerte nicht lange, bis klar war, wo das Problem lag: Das Reserverad hatte nicht genug Druck. Vermutlich war es beschädigt. Solange man damit keine Panne hat, eigentlich kein Problem. Aber wenn…
Damit konnte ich also nicht losfahren.
Für die Reparatur hätten wir woanders in der Stadt hinfahren müssen und das hätte alles in allem eine Stunde gedauert. Da entschied der Chef dort, mir einen anderen Wagen zu geben.
Nun fahre ich einen neuen Ford Explorer Hybrid 4WD. Umso besser. Es hatte sich also gelohnt, hartnäckig zu bleiben. 🙂

Ich fahre nun erst einmal Richtung Norden. Meine erste Etappe heute war mit ca 150 km eher kurz. Aber das liess mir mehr Zeit in Þingvellir und auf der Kaldidalur. Ich musste spätestens um halb vier bei der Lavahöhle Viðgelmir sein, denn dort hatte ich eine Besichtigung um 16:00 gebucht.
Bei Þingvellir war um halb elf der Teufel los, als ich ankam. Ich zählte mindestens 6 Busse am oberen Parkplatz und die PW Parkplätze waren auch voll. Wie viel zusätzlich an den anderen zwei Zugangsorten los war, konnte ich nur erahnen. Das gesamte für Gelände, das für Touristen zugänglich ist, erstreckt sich über gut 2 km. Um rund herum gibt es mehrere grosse Parkplätze.
Der Ort war also sehr gut besucht, auch wenn nicht alle weiter als vom Parkplatz zum ersten Aussichtspunkt gingen.
Am mühsamsten erwiesen sich wieder einmal die Reisegruppen, die wie Lemminge einem Führer nachgehen. So verteilen sich die vielen Leute leider nicht, und es kommt vor, dass solche Gruppen einen Aussichtspunkt richtiggehend verstopfen.
Erneut ist mir aufgefallen, dass kaum Asiaten hier sind. Dafür alle anderen möglichen Nationen. Zum ersten Mal habe ich gestern und heute je eine Gruppe aus Israel gesehen.
Das Spannendste geschah eine Stunde später, als alle Busse fast gleichzeitig abfuhren. Der Ort war zwar nicht gerade ausgestorben, aber man hatte plötzlich Platz. Und vor den WCs und an der Kasse des Imbissstandes gab es auch keine Schlangen mehr.
Þingvellir ist für Island schon fast ein heiliger Ort. Hier tagte schon vor tausend Jahren das wohl erste Parlament der Welt. Hier hielt man auch damals schon Gericht und richtet auch Leute hin.
Und hier wurde 1944 die Unabhängigkeit ausgerufen.
Zudem ist der Ort geologisch von Bedeutung: Hier sieht man den Graben zwischen der europäischen und der nordamerikanischen, tektonischen Platte.
Von Reykjavík aus ist Þingvellir mit dem Bus in gut einer Stunde erreichbar, mit dem Pw geht es sogar schneller. Logisch, dass jeder Touranbieter Þingvellir in seinem Programm hat.

Weil ich genügend Zeit hatte, entschied ich mich, anstatt auf der normalen Strasse weiter nach Norden zu fahren, die Kaldidalur unter die Räder zu nehmen. Kaldidalur heisst „kaltes Tal“. Die Strasse F550, die durch dieses Tal führt, nennt man auch so.
Die F550 ist eine einfach zu fahrende Hochlandpiste, auf der keine Furten zu durchqueren sind. Der Strassenzustand ist im Allgemeinen ganz gut, aber trotzdem darf man nur mit 4×4 SUV durchfahren. Und schneller als durchschnittlich 40 km/h kommt man auch nicht vorwärts. Es hat doch einige Schlaglöcher und Schwellen. Ausserdem liegen auch immer wieder mehr oder weniger grosse Steine auf der Strasse.
Aber ich fahre die Strecke ganz gerne. Sie ist nicht allzu lange (trotzdem empfiehlt sich ein grösserer, gut gefederter SUV), und ich finde die Aussicht immer ganz besonders. Man kommt auf ca 7 km an den Langjökull heran, den zweitgrössten Gletscher Islands.
Ansonsten ist es halt bergig und man fährt durch eine Steinwüste. Irgendwie hat man das Gefühl, durch eine völlig andere Welt zu fahren.

Mein Ziel war heute Viðgelmir, die längste Lavahöhle Islands und eine der grössten Lavahöhlen weltweit.
Der Name heisst übersetzt „weiter Wurm„. Offenbar glaubten die Leute früher, dass ein riesiger Wurm diesen 1.6 km langen Tunnel in die Lava gegraben hatte.
Nun, es war die Lava selbst. Aufgrund von Abkühlungen an der Oberfläche eines Lavaflusses erstarrt diese, und darunter fliesst die Lava weiter. Ein völlig normales Phänomen. Von diesen Höhlen gibt es in jedem Lavafeld mehrere.
Hier war die Tunneldecke an einer Stelle durchgebrochen, wodurch man die Höhle überhaupt entdeckte. Und dieser Durchbruch machte die Höhle auch zugänglich.
Wie fast alles Land in Island, ist auch dieses Lavafeld in privaten Händen. Somit kommt man nur mit (bezahlter Führung) in die Höhle.
In ca der Hälfte der Höhle sind Holzstege und -treppen eingebaut, auf denen man sich einfach und sicher bewegen kann. Es hat eingebaute Beleuchtungen und jeder Besucher kriegt einen Helm mit Stirnlampe.
Ich war zu früh da und hatte mich darauf eingestellt, noch über eine Stunde warten zu müssen. Aber da die Führung um 15:00 nicht ausgebucht war, bot man mir an, mich auf für diese Führung (anstatt erst um 16:00) umzubuchen.
Wir waren eine Gruppe von ca 12 Leuten. Unser Führer war ein deutscher Geologiestudent, der seit drei Jahren in Island lebt und studiert. Überall in der Höhle wies er auf Besonderheiten hin und gab immer wieder Erklärungen ab, wie diese Höhle und das Gestein entstanden war.
Er kannte auch isländische Sagen um die Höhle. Angeblich hatte der Gott Thor einen unartigen Riesentroll in dieser Höhle eingesperrt. Wir sind ihm allerdings nicht begegnet… 😉

Nun bin ich im Fosshotel Reykholt abgestiegen und morgen geht’s weiter Richtung Norden, auf die Halbinsel und Nationalpark Snæfellsnes. Dort bleibe ich zwei Tage, bevor ich mit der Fähre auf die Westfjorde übersetze.

Ford Explorer Hybrid 4WD

Stay tuned.

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