Island 2022: Familie „Michael“…

Island_flag

Heute habe ich wieder einen relativ ruhigen Tag, weil mein heutiger Ausflug erst um 21:00 beginnt. Ich mache sogenanntes „Iceberg Sightseeing“ (so wird die Tour angepriesen) im Icefjord südlich von Ilulissat.
Ich bin gespannt und hoffe auf einige gute Bilder. Es könnte etwas kühler werden als gestern. Aber das stört mich nicht. Ausserdem soll das Wetter besser werden. Davon merkt man allerdings im Moment am Mittag noch nicht viel. Wir werden sehen.

Heute morgen ging ich in die Stadt. Ilulissat ist mit immerhin fast 5’000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Grönlands.
Ich ging durch die Strassen und schaut mich um. Dabei fielen mir bald zwei Dinge auf: Es gibt hier keine Trottoirs und neben vielen Elektroautos fahren hier auffällig viele, vermutlich alte Dieselfahrzeug herum, die ziemlich stinken und wahrscheinlich nie etwas von Dieselfilter oder anderen neuen Gadgets gehört haben.
Abgesehen von einigen Industriebauten und Hotels wird hier fast alles aus Holz gebaut. Bei einem Einfamilienhaus besteht der Keller in der Regel aus Beton und darauf wird dann das Wohnhaus aus Holz gebaut. Jedes Haus hat eine andere Farbe. Das finde ich zumindest sehr hübsch.
Ich fand zudem auch die Kirche, den Supermarkt und das Krankenhaus.
Ich sprach auch mit einer älteren einheimischen Frau, die sich etwas Sonne wünschte. Sie erzählte mir, dass es schon lange her sei, seit es hier in Ilulissat im Winter richtig Schnee gegeben hätte. Das fand ich allerdings kaum zu glauben.
Nach drei Stunden ging ich zurück ins Hotel und mache mir nun einen faulen Nachmittag.

Wenn man alleine reist, hat man mehr Zeit, die anderen Reisenden zu beobachten. Wahrscheinlich fallen einem auch mehr Details auf, die man sonst nicht wahrnehmen würde.
Ich habe jeweils grossen Spass, andere Reisende und ihre Eigenheiten und Ticks zu beobachten. Das kann aber auch, wenn es zu lange geht und/oder zu penetrant ist, von Spass in Ärger umschlagen.
Auf dieser Reise betrifft das neben einem lauten und vordrängelnden Italiener, der keine Ahnung von nichts hat und nie zuhört, vor allem die Familie „Michael“.

Die Familie „Michael“ ist ein Schweizer Paar zwischen 40 und 50 und ihr ca 12-jähriger Sohn Michael. Dem Dialekt nach zu urteilen, kommen die aus der Nordostschweiz.
Die sind mir schon am Flughafen Keflavik aufgefallen, als ich in einem Restaurant zu Abend ass, und anschliessend dort auf meinen Weiterflug nach Ilulissat wartete.
Aufgefallen waren sie mir nicht nur wegen ihrer Masken, die hier und in Island fast niemand mehr trägt (ausser besagtem Italiener und seiner Frau).
Schon im Restaurant am Montagabend ging es am Nebentisch ständig so: „Michael, setzt Dich richtig hin.“ „Michael, nein das machst Du jetzt nicht.“ etc.
Blöderweise gingen die auf den gleichen Flug wie ich und landeten im gleichen Hotel wie ich. Also ging es weiter mit „Michael, Du schaltest das jetzt nicht ein.“ und „Michael, lass‘ die Tasche geschlossen.“ etc. etc.; beim Boarding, im Flugzeug, im Shuttle zum Hotel und in der Hotellobby beim Einchecken.
Und natürlich sehe ich sie, wenn ich Pech habe, auch beim Frühstück resp, wie gestern beim Abendessen: „Michael, isst Deinen Fisch. Der ist so fein.“ „Nein, Michael, Du stehst jetzt nicht auf.“ „Michael, leg‘ das Besteck richtig hin.“ „Michael, mach‘ das nicht noch mal.“ „Michael, ich hab’s Dir schon so oft gesagt, Du sollst das nicht tun. Zum letzten Mal. Wenn Du das noch einmal machst…
Das Beste war, dass Michael anschliessend noch Dessert bekam, obwohl er seinen Fisch kaum angerührt hatte…
Und Michael? Dem scheinen die Tiraden seiner Eltern bei einem Ohr hineinzugehen und (Durchzug) beim anderen wieder hinaus. Also „Göschenen-Airolo„, wie wir schon immer sagten.
Im Gegenteil, er gibt seinen Eltern freche, unhöfliche Antworten, bei denen ich ihm wahrscheinlich längst eine gelangt hätte. Oder ihm seinen Videoplayer und sein iPad auf Dauer weggenommen hätte. Aber die Eltern scheinen das zu akzeptieren und diskutieren stattdessen mit dem Kleinen.
Wie gesagt, es ist eigentlich ganz lustig, zuzuhören. Vor allem, weil die keine Ahnung haben, dass ich Schweizer bin, und alles verstehe.
Und irgendwie möchte ich auch nicht, dass irgend jemand erfährt, dass ich aus dem gleichen Land komme wie die.

Ich hoffe bloss, sie fliegen am Samstag nicht wieder mit mir nach Reykjavik. Sonst werde ich sie wohl erst dort los.

Bin gespannt, was mir in den nächsten drei Wochen sonst noch begegnet. Man sagt ja, Reisen würden den Horizont erweitern.

Ilulissat

Stay tuned.

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