Oslo 2023: Zum Jahreswechsel ein paar Tage echten Winter

Flagge_NorwegenHeute bin ich also nach Oslo geflogen. 🙂
Hier bleibe ich über den Jahreswechsel und werde am 3. Januar wieder zurück in die Schweiz fliegen.

Nachdem ich vor zwei Jahren den Jahreswechsel in Reykjavík erlebt hatte, ist meine diesjährige Wahl auf die norwegische Hauptstadt gefallen.
Mir gefällt Oslo sehr. Ich bin gerne hier. Aber ich war noch nie im Winter hier.

Allerdings hatte die Anreise eine gröbere Verzögerung. Mein Flug von Zürich nach Oslo hatte zwei Stunden Verspätung.
Der Grund: In Oslo schneite es heute morgen so stark, dass praktisch alle Flüge von Oslo und die meisten nach Oslo einige Verspätung hatten. Das waren im Grunde für mich gute Nachrichten, denn ich wollte den Jahreswechsel im Winter verbringen. Aber die Maschine, die mich nach Oslo bringen sollte hob demnach anstatt um 09:30 erst um 11:00 in Oslo ab und war kurz nach 14:00 in Zürich, anstatt um 13:00 in Zürich abzufliegen.
Damit war der ganze Vorteil der SAS Plus Buchung wieder dahin. Dank dieser Buchungsklasse flog ich praktisch „Business“. Allerdings äusserte sich das im Flugzeug bloss mit ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit und einem Platz in Reihe 3. Und beim Rückflug werde ich in den Genuss der SAS Lounge kommen. Die gibt es in Zürich leider nicht.
Aber mein Gepäck wurde bevorzugt behandelt und mein Koffer war einer der ersten in der Gepäckausgabe. So kurz war meine Wartezeit an der Gepäckausgabe nach der Landung noch nie. 🙂
Und in Zürich konnte ich bei der Sicherheitskontrolle den „Fast Track“ nehmen, und war dort innert 5 Minuten anstatt 15 bis 20 Minuten durch. Bloss…
Es nützte nichts. Ich musste danach trotzdem noch zwei Stunden auf den Abflug warten.

Also kam ich kurz nach fünf Uhr in Oslo an. Der Pilot machte eine halbe Stunde der Verspätung gut. Und vom Flughafen fährt alle 20 Minuten ein Schnellzug zum Hauptbahnhof. Alles in allem war ich schlussendlich um 18:15 im Hotel.
Mir war das im Grunde egal. Ich hatte ein gebuchtes Hotelzimmer direkt am Hauptbahnhof. Und heute hatte ich keinen fixen Programmpunkt mehr. Es spielte also keine grosse Rolle, ob ich ein oder zwei Stunden später ankommen würde.
Für die Leute mit Anschlussflügen war die Sache nicht so locker. Die, die nach Trondheim weiterflogen, wurden automatisch auf einen späteren Flug umgebucht. Wer nach Tromsø musste, hatte Pech. Dieser Flug wurde gestrichen und die Leute mussten in Oslo übernachten und morgen weiterfliegen. Alle anderen Anschlussflüge hatten auch Verspätung. Deshalb waren die zu kriegen, wenn auch knapp. Zum Glück ist der Flughafen Oslo/Gardermoen nicht so gross.

Morgen besorge ich mir als Erstes eine Oslo Card, damit ich auf dem öV Netz frei fahren kann. Dann gehe ich in der katholischen Buchhandlung vorbei, in der ich das letzte Mal Tautra Klosterkrem gekauft habe. Morgen ist Freitag. Es ist durchaus möglich, dass diese Buchhandlung morgen das letzte Mal geöffnet ist, bis ich wieder abreise. Ich muss meine Vorräte an Tautra Klosterkrem auffüllen…
Und vermutlich statte ich auch dem Oslo Reptilpark noch einen Besuch ab.

Noch ein Wort zum Wetter: Als ich heute Abend hier angekommen bin, hat es nicht mehr geschneit. In den Strassen liegt ein Gemisch aus Schnee und Salz. Da es aber deutlich unter Null ist, ist es kein Matsch. Die Gehwege sind beileibe nicht geräumt. Aber heute Abend habe ich auch keine Eisfläche gesehen. Im Moment reichen also gute Schuhe mit Profil, um sich in der Stadt bewegen zu können. 😉
Morgen soll es schneien bei einer Durchschnittstemperatur von -2 Grad Celsius.
Sonnenaufgang ist um 09:16 und Sonnenuntergang um 15:22.

Oslo 2023
Anflug auf Oslo um 17:00

Stay tuned.

Skandinavien 2023: Alle Bilder der ganzen Reise bearbeitet und hochgeladen.

Flaggen_Schweden_Dänemark

Mit diesem unscheinbaren Bild vom Hauptbahnhof Kopenhagen habe ich heute die Bearbeitung der Bilder meiner langen Reise im Mai bis Juli 2023 durch Schweden und Dänemark abgeschlossen.
In den viereinhalb Monaten nachdem ich nach Hause gekommen war, sind nun aus all den Tausenden von Rohbildern 3’537 fertige Bilder entstanden. 😀👍
Davon habe ich rund einen Drittel in dreizehn verschiedenen Zoos aufgenommen, die ich unterwegs besucht habe.😎
Alle Bilder sind nun in den Galerien einsehbar.
Als nächstes warten die Rohbilder von meiner kurzen Islandreise im September auf die Bearbeitung.
Danach werde ich alle Bilder in Fotobüchern verarbeiten, zusammen mit meinen Posts, die ich während der Reisen in hier in meinem Reiseblog geschrieben habe.

Stay tuned.

Dunkelstes Nordic Noir aus Norwegen: Jo Nesbø

In diesem dritten Post zu Nordic Noir stelle ich meinen persönlichen Lieblingsautor vor: Jo Nesbø aus Norwegen.

Jo Nesbø wurde 1960 in Oslo geboren. Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Tätigkeit als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig. Heute ist er hauptberuflicher Schriftsteller.

Dass Jo Nesbø einer meiner bevorzugten Autoren ist, kann durchaus daran liegen, dass er der erste skandinavische Autor war, von dem ich ein Buch gelesen habe. Aber ich denke, das alleine kann nicht der Grund sein, weshalb ich Nesbøs Bücher so gerne lese.

Als ich vor etlichen Jahren nach Tom Clancy, Thomas Harris und Donna Leon nach einem neuen Krimi suchte, kam mir zufällig einer der ersten Bände von Jo Nesbøs Harry Hole Serie in die Hände. Ich erinnere mich heute nicht mehr daran, welches Buch das war.
Aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das Eröffnungskapitel las, das genau dann aufhörte, als etwas Schlimmes passierte (ohne genau zu beschreiben, was dieses „Schlimme“ war). Und das zweite Kapitel beschrieb dann eine völlig andere Situation, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit.
Auf die Geschehnisse im ersten Kapitel kam Nesbø erst mehrere Kapitel später zurück.

Genau dieser Erzählstil gefällt mir.
Jo Nesbø benutzt nicht bloss die Technik der Rückblenden. Das wäre für ihn wohl zu simpel. Er fordert seine Leser, indem er mit zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Verschachtelungen Spannung aufbaut.
Diese Technik kann ich übrigens bei Filmen nicht ausstehen. Dort langweilt sie mich, und wenn ein Regisseur zu oft davon Gebrauch macht, schaue ich mir den Film ziemlich sicher nicht bis zu Ende an.
Aber hier ist das anders.
Immer wieder streut Nesbø auch Einblendungen aus der Perspektive der Täter ein. Dabei entsteht in einem zweiten, parallelen Erzählstrang ein Bild des Täters, seiner Vergangenheit, seiner Gedanken, seiner psychischen Verfassung und seiner Motive.

Ganz allgemein hat Jo Nesbø einen flüssigen Schreibstil, der sich sehr angenehm liest. Dabei ist er sehr detailtreu, ohne langatmig (und damit langweilig) zu sein. Man kann sich die von ihm beschriebenen Szenen sehr gut vor dem geistigen Auge sehen. Das dürfte mit ein Grund für den Erfolg seiner Bücher sein, denn niemand will 600 Seiten anstrengenden Text lesen.
So etwas kann man bei Franz Kafka haben, wenn man will. Und Kafkas Werke sind kürzer als Nesbøs Bücher…

Seine Hauptfigur ist Harry Hole, ein Polizist bei der Osloer Mordkommission. Harry ist alleinstehend, Kettenraucher und Alkoholiker.
Ich würde ihn als „körperlich und psychisch ziemlich kaputt, aber mit einem sehr feinen Gespür und einer ausgeprägten Fähigkeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen“ beschreiben.
Harry ist zuweilen auch ziemlich unsympathisch und tut Dinge, die keinen Sinn machen. Aber er ist meistens ehrlich.
Harry hat kaum Freunde, und die meisten seiner Kollegen und Vorgesetzten mögen ihn nicht. Der Osloer Polizeipräsident, seinerseits eine schmierige, karrieregeile und vermutlich korrupte Figur, sagt selber, dass er Harry hasst.
Und Harry kann mit dieser Situation dann nicht mehr umgehen, wenn dazu noch die Belastung von brutalen Morden kommt, die er zu untersuchen und zu lösen hat.
Er stürzt dann komplett ab und besäuft sich bis zur Besinnungslosigkeit. Schon fast überflüssig zu erwähnen, dass auch sein Privatleben zu grossen Teilen chaotisch und kaputt verläuft.
Übrigens leidet seine Kollegin unter einer bipolaren Störung…
Manchmal frage ich mich, ob Jo Nesbø mit diesen Figuren nicht zu sehr in die Phantasie abdriftet. Solche Polizisten dürften auf lange Frist weder dienstfähig noch tragbar sein.

Eine Eigenheit von Nesbøs Kriminalromanen fiel mir schon auf, als ich das erste Buch las. Und ich war vom ersten Moment davon fasziniert:
Die geschilderten Verbrechen werden nicht als nur sehr brutal geschildert. Der Autor ist auch sehr erfinderisch, wenn es darum geht, sich Verbrechen auszudenken. Ich bin sicher, wenn ein Täter auch nur eines der Verbrechen begehen würde, so wie sie Jo Nesbø beschreibt, würde er, wenn er denn erwischt würde, bis zum Ende seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt werden.
Man braucht schon eine gehörige Portion einer besonderen Phantasie, um sich all das auszudenken.
Ein Beispiel: In „Durst“ (Originaltitel Tørst) überfällt der Täter alleinstehende Frauen in ihren Wohnungen und beisst ihnen mit einem schwarzlackierten Stahlgebiss den Kehlkopf heraus. Dabei trägt er immer Cowboy-Stiefel. Und man nimmt an, dass er danach das Blut seiner Opfer trinkt. Einmal mixt er sich nach dem Mord sogar ein Smoothie mit dem Blut des Opfers und Zitronen….
Und das alles passiert im heutigen Oslo.
Alle Verbrechen und Verbrecher bei Jo Nesbø sind von diesem Schlag: richtige Psychopathen. Und sie sind sicher Serienmörder, denn ein solcher Mord wäre wohl nicht genug.
Man kann also sicher sein, dass man nicht 0815 Krimistoff serviert kriegt, wenn man ein Harry Hole Buch in die Hand nimmt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es 13 Romane mit Harry Hole.
Der erste kam 1997 heraus, der bisher letzte, den ich noch nicht gelesen habe, 2022:
Der Fledermausmann (Flaggermusmannen) / Kakerlaken(Kakerlakkene) / Rotkehlchen(Rødstrupe) / Die Fährte(Sorgenfri) / Das fünfte Zeichen(Marekors) / Der Erlöser(Frelseren) / Schneemann(Snømannen) / Leopard(Panserhjerte) / Larve(Gjenferd) / Koma(Politi) / Durst (Tørst) / Messer(Kniv) / Blutmond (Blodmåne).
Alle 13 Bände werden in Deutsch bei ullstein verlegt.

Jo Nesbø schreibt natürlich nicht nur Harry Hole Romane. Er hat schon viele andere Romane herausgebracht, von denen ich bisher Der Sohn (Sønnen) und Headhunters (Hodejegerne) gelesen habe. Drei weitere sind noch auf meiner Leseliste.
Und soeben ist die deutsche Übersetzung seines neuesten Buches bei ullstein herausgekommen:
Das Nachthaus (‎Natthuset)
Ersten Beschreibungen zufolge handelt es sich dabei wieder um einen typischen Nesbø im Nordic Noir Stil. Ich bin gespannt. Sobald ich Durst mit Harry Hole fertig gelesen habe, werde ich mir Das Nachthaus zu Gemüte führen.

Jo Nesbø hat eine eigene Homepage –> https://jonesbo.com/

Stay tuned.

Nordic Noir aus Island: Ragnar Jónasson

skandinavische flaggen

Ich setze die kleine Serie über meine Ferienlektüre resp dem Genre Nordic Noir fort und beginne mit dem Autor, den ich erst kürzlich für mich entdeckte: Ragnar Jónasson aus Island.

Ragnar Jónasson wurde 1976 in Reykjavík geboren, studierte Rechtswissenschaften und lebt und arbeitet  heute als Schriftsteller und Investmentbanker in der isländischen Hauptstadt. An der Universität Reykjavík lehrt er ausserdem Rechtswissenschaften.

Entdeckt habe ich diesen Autor anlässlich meiner letzten Islandreise im September 2023 auf den Hinflug von Zürich nach Keflavík.
Bei Icelandair kommt man in der Economy-Klasse auch auf Kurzstreckenflügen (ZürichKeflavík dauert ungefähr 3h45′) in den Genuss eines Entertainmentsystems mit ca 40 Gratis-Filmen.
Da die Flugdauer für zwei Filme nicht reicht (und ich leider schon fast alle Filme kenne…), habe ich mir auf diesem Flug auch noch die Filme angesehen, die für Island werben. Darunter war ein Beitrag über isländische Krimiautoren, die international Beachtung gefunden hatten. Es fielen die Namen Ragnar Jónasson und
Yrsa Sigurðardóttir.
Ich machte mit dem Smartphone einen Screenshot, als die Namen angezeigt wurden, und nahm mir vor, die beiden Autoren zu googeln, sobald ich wieder Netz haben würde.
Am Abend habe ich im Hotel in Reykjavík genau das getan. Ich habe die Biographien der beiden sowie einige Rezensionen gelesen. Bei der Lektüre der Biographien habe ich auch erfahren, dass die beiden zu den Begründer des „Nordic Noir“ gehören, des skandinavischen Krimistils, den ich besonders mag.  Also beschloss ich, je ein Buch beider Autoren herunterzuladen und die probehalber zu lesen.

Begonnen habe ich mit Ragnar Jónasson und ich bin vorerst dabei geblieben.

Als erstes habe ich den ersten Roman mit dem Protagonisten Ari Þor Arason gelesen, einem jungen Polizisten, der sich von Reykjavík in den Norden Islands, in das abgelegene Dorf Siglufjörður versetzen lässt. Ari Þor Arason hat früher mal Theologie studiert, das Studium wegen Desinteresse nicht abgeschlossen und ist stattdessen an die Polizeiakademie gegangen. Seine Freundin ist Ärztin, die eine lange Karriere plant (auch im Ausland) und dieses Ziel vor alles stellt, auch wenn sie immer wieder daran zweifelt, ob das der richtige (Lebens-)Weg ist. Gegenüber ihrem Freund behält sie allerdings die meisten dieser Gedanken für sich.
Auch Ari Þor möchte bei der Polizei Karriere machen. Er ist allerdings gezwungen, dafür Stellen anzunehmen, die so gar nicht mit den Karriereplänen seiner Freundin zusammenpassen.

Die fünf bisher erschienen Romane mit Ari Þor Arason werden vom deutschen Verlag btb und im Buchhandel auch die „Dark Iceland“ Reihe genannt.
Der erste Roman kam in seiner Originalfassung in Island 2010 unter dem Titel „Snjóblinda“ heraus.
Er wurde wie alle anderen Bücher von Ragnar Jónasson vom Isländischen ins Englische und vom Englischen ins Deutsche übersetzt.
Und wenn man die Örtlichkeiten etwas kennt, an denen die Romane spielen, ist es beim Lesen auch wichtig, jeweils das Ausgabejahr im Hinterkopf zu behalten. In den 13-15 Jahren seit dem Entstehen des ersten Romans hat sich in Island einiges verändert und wird in den Romanen oft nicht mehr so geschildert, wie man es heute antrifft.

Mir hat der Schreibstil von Ragnar Jónasson von Anfang sehr gut gefallen. Seine Figuren sind nicht perfekt und haben zum Teil sehr, sehr dunkle Geheimnisse, die bis in ihre Kindheit zurückreichen. Ausserdem macht Ragnar Jónasson immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, ohne aber dabei zu viel preiszugeben. Man muss schon aufpassen, dass man die Zusammenhänge erkennt, und oft kann man ein Kapitel erst einige Seiten später zeitlich einordnen. Ragnar gelingt es auch, auf eine völlig unspektakuläre Weise Spannung zu erzeugen, und seinen Geschichten völlig überraschende Wendungen zu geben. Bei allen neun Büchern, die ich inzwischen von ihm gelesen habe, hat mich das Ende immer überrascht, nicht immer zum Guten.
Daneben kenne ich fast alle Örtlichkeiten, die in den Romanen vorkommen: In Siglufjörður war ich schon mehrere Male. Ich kenne dort das Rathaus, die Kirche, die Apotheke, den Supermarkt, die Bäckerei und einige der Restaurants. Ich bin schon zwei Mal durch das Hochtal Lágheiði auf der Tröllaskagi Halbinsel gefahren und der Weg von Siglufjörður nach Akureyri ist mir bestens bekannt. Und auf der Totenklippe (siehe 4. Buch)  bin ich auch schon gestanden.
Und ich kenne auch die zeitlichen und räumlichen Dimensionen in Island aus eigener Erfahrung.
Dadurch werden die Schilderungen in den Romanen von Ragnar Jónasson für mich ziemlich real.

Meiner Meinung nach sollte man die Romane von Ragnar Jónasson der Reihe nach lesen. Zwar ist jeder Roman in sich abgeschlossen. Und man verpasst nichts, wenn man sich bloss einen davon herauspickt. Aber wenn man sie in der Reihenfolge liest, in der sie geschrieben wurden, erweitert sich die Geschichte um die Hauptfigur, man trifft immer wieder auf Bekanntes und man versteht die Protagonisten besser.
Die Romane um Ari erschienen wie folgt:
Schneeblind (Snjóblinda) – Todesnacht (Myrknætti) – Blindes Eis (Rof) – Totenklippe (Andköf) – Schneetod (Náttblinda)
Inzwischen ist in Island ein sechster Roman mit dem Titel „Vetrarmein“ (heisst übersetzt ungefähr Winterkrankheit) herausgekommen, der aber noch nicht übersetzt wurde.

Eine weitere Krimireihe, die Ragnar Jónasson schrieb, ist die Trilogie um die Kriminalkommissarin Hulda Hermannsdóttir, die bei der Kriminalpolizei in Reykjavík arbeitet.
Für diese Trilogie wurde er in der internationalen Presse gefeiert. Der erste Band dieser Reihe, der 2020 unter dem deutschen Titel Dunkel (isl. Dimma) bei btb erschien, wurde von der Times als einer der besten 100 Krimis und Thriller seit 1945 ausgezeichnet.
Auch diese Trilogie sollte unbedingt in der Reihenfolge gelesen, in der sie geschrieben wurde. Die Geschichte von Hulda wird nämlich sozusagen rückwärts erzählt. Das macht die drei Bücher besonders.
Ich gehe hier bewusst nicht auf Details ein, denn das würde die Spannung nehmen.
Die Romane um Hulda erschienen wie folgt:
Dunkel (Dimma) – Insel (Drungi) – Nebel (Mistur)
Später kam noch ein vierter Roman mit dem Titel Frost (Hvítidauði) heraus, der an die Trilogie anschliesst, mit Helgi Reykdal, Huldas Nachfolger bei der Kriminalpolizei.

Als ich die Artikel über Nordic Noir las, fand ich einige Bemerkungen dazu, dass die Autoren damit unter anderem Kritik an ihrer eigenen Gesellschaft übten, und dass nach Einschätzung einiger Rezipienten das Genre mit dem lange idealisierten Bild von Skandinavien als „Hort von Wohlfahrt und Egalität“ aufräume.
Bei Ragnar Jónasson trifft das in meinen Augen sicher zu. In allen neun Romanen, die ich bisher von ihm gelesen habe, wird die isländische Polizei als eine patriarchalische Organisation dargestellt, in der Frauen kaum anerkannt werden und praktisch keine Karrierechancen haben, auch wenn sie nachgewiesener Massen besser sind als einige ihrer männlichen Kollegen.
Ausserdem schildert Ragnar mehrere Fällen von Protektionismus und Vetternwirtschaft bei der isländischen Polizei. Fast alle Chefs werden als karrieregeile Egozentriker dargestellt, deren Unfähigkeit sich erahnen lässt.
Ich habe ehrlich gesagt keine einzige positive Schilderung über die isländische Polizei gefunden. Entweder waren die Schilderungen neutral oder negativ.
Ich finde dieses Bild, welches kaum der Wirklichkeit entsprechen kann, ziemlich extrem. Ich gehe deshalb davon aus, dass Ragnar Jónasson bewusst überzeichnet, um zu zeigen, dass in Island nicht alles Gold ist, was glänzt. Immerhin gilt Island als das fortschrittlichste Land in Europa, wenn es um Chancengleichheit und Toleranz geht. In den Augen vieler Isländer ist man aber von echter Chancengleichheit noch weit entfernt.
Und da Ragnar Jónasson seine Romane immer wieder von aktiven Staatsanwälten und Polizisten gegenlesen lässt, ist vermutlich einiges an seinen Schilderungen wahr.

Das neueste Buch von Ragnar Jónasson ist unter dem Titel „Reykjavík“ erschienen. Es handelt sich um einen Thriller, den er zusammen mit Katrín Jakobsdóttir geschrieben hat. Sie ist seit 2017 die Premierministerin Islands und hat einen Master of Arts in Isländischer Literatur.
Ich bin sehr gespannt darauf, aber dieses Buch muss bei mir erst einmal warten.
Zur Zeit lese ich ‚mal wieder ein Buch meines Lieblingsautoren, des Norwegers Jo Nesbø. Und danach möchte ich mich endlich mal einem Buch von Yrsa Sigurðardóttir widmen.

Stay tuned.

Ferienlektüre: Nordic Noir

skandinavische flaggen

Heute schreibe ich hier nicht direkt über eine Reise, sondern darüber, was man auf Reisen tun kann, und was viele Leute in den Ferien häufiger tun als sonst: Lesen.

„Lesen bildet“, sagt man. Das stimmt. Aber Lesen ist auch Unterhaltung, Zeitvertreib und Spass.
Und genau darum geht es den meisten Leuten, insbesondere auch mir, wenn sie in den Ferien zu einem Buch greifen.
Ich persönlich bevorzuge zur Unterhaltung Krimis.
Während ich vor 40 Jahren als Student jeweils im Zug von zu Hause nach Zürich (und zurück) die Jerry-Cotton-Heftchen verschlungen hatte (ein Heft reichte exakt für die Strecke Solothurn-Zürich), die man an jedem Kiosk kaufen konnte, lege ich heute etwas mehr Wert auf das schriftstellerische Können der Autoren,  die Authentizität der Romanfiguren, die Glaubwürdigkeit der Geschichten und Spannung in der Geschichte.
Die billigen Romanheftchen vom Kiosk interessieren mich schon lange nicht mehr.

Während meinem USA-Aufenthalt 2000/2001 entdeckte ich die Thriller von John Grisham und Tom Clancy; nicht zuletzt wegen der Verfilmung einiger dieser Bücher (zB „Hunt for Red October“ oder „Clear and Present Danger“ von Clancy respektive „The Client“ oder „The Jury“ von Grisham).
Ich las alles, was ich von diesen beiden Autoren in die Finger bekam, das meiste davon in Englisch.
Dazwischen nahm ich auch mal ein Buch von Thomas Harris zur Hand, dem Erfinder von Dr. Hannibal Lecter in „The Silence of the Lambs„.

Vor einigen Jahren entdeckte ich dann für mich die amerikanisch-schweizerische (seit 2020 Schweizer Staatsbürgerin) Autorin Donna Leon und las alle Romane mit dem venezianischen Polizisten Commissario Guido Brunetti als Protagonisten.

Als ich dann zufällig auf den norwegischen Autor Jo Nesbø stiess, las ich meinen ersten Krimi aus Skandinavien, und blieb dabei hängen.
Ich war, und bin es immer noch, fasziniert von der Phantasie der skandinavischen Autoren, wenn es darum geht, Verbrechen zu schildern. Gleichzeitig sind diese Kriminalromane sehr anspruchsvoll geschrieben.
Vor allem Nesbø liebt es, mehrere Geschichten parallel zu schildern und dabei in Zeit und Raum hin und her zu springen. Man muss beim Lesen ganz schön aufmerksam sein, um alle Zusammenhänge zu erkennen.
Ausserdem haben die skandinavischen Kriminalromane oft eine düstere Grundstimmung und die Protagonisten tragen grosse persönliche Probleme mit sich herum und stehen sich und anderen im Weg. Oft habe ich mich schon gefragt, weshalb dieser oder jener Kommissar nicht schon längst seinen Job verloren hatte.
Und das Wichtigste: Der Verlauf der Geschichten ist kaum voraussehbar und deren Ende haben selten ein Happy-End.

Erst kürzlich lernte ich, dass dieser Stil einen Namen hat: Nordic Noir.
Dieses Label beschreibt ziemlich genau, was mir an Krimis gefällt. Und es hat sich bis heute zu einer eigenen Stilrichtung in der Kriminalliteratur entwickelt.

Nachdem ich alle damals erhältlichen Romane von Jo Nesbø mit seinem Antihelden Harry Hole gelesen hatte, nahm ich mir die Kurt-Wallander-Romane des schwedischen Schriftstellers Henning Mankel vor.
Im Gegensatz zu Grisham und Clancy habe ich mir aber keinen einzigen Film oder TV Serie mit Kurt Wallander angeschaut, und werde das auch nicht tun. Ich bin der Meinung, dass Bücher und Geschichten sehr viel verlieren, wenn sie verfilmt werden. Und mit der Verfilmung verschwindet auch die Phantasie und Vorstellung des Lesers. Das Bild, das sich der Leser in seinen Gedanken selbst macht, wird durch das gezeigte (Film-)Bild ersetzt.

Später entdeckte ich dann auch noch die brutalen und teilweise gruseligen Bücher des Dänen Jussi Adler Olsen mit seinem Protagonisten Carl Mørck vom Sonderdezernat Q.
Nordic Noir in seiner reinsten Form.

Ich werde in späteren Posts auf jeden dieser Autoren eingehen. Beginnen werde ich jedoch mit einem Autoren aus Island, den ich auf meiner diesjährigen Islandreise entdeckte: Ragnar Jónasson.

Stay tuned.

Skandinavien 2023: Alle Bilder aus Schweden bearbeitet und hochgeladen.

Flaggen_Schweden_Dänemark

Heute habe ich die Bearbeitung der Bilder vom 33. Tag meiner siebenwöchigen Skandinavienreise 2023 abgeschlossen. Am 34. Tag, dem 21. Juni 2023 bin ich mit der Fähre von Göteborg in Schweden über den Kattegat nach Frederickshavn in Dänemark gefahren.

Somit sind alle Bilder aus Schweden gesichtet, sortiert, bearbeitet und in die Galerien hochgeladen worden.

Und ich habe eben mit der Bearbeitung der verbleibenden Bilder aus Dänemark begonnen.

Stay tuned.

Skandinavien 2023: Halbzeit bei der Bilderbearbeitung

Rund drei Monate nach dem Abschluss meiner siebenwöchigen Skandinavienreise bin ich nur  bei der Bearbeitung der über 11’000 Rohbilder in Hälfte angelangt.

Heute habe ich die Bearbeitung der Bilder des 25. Tages (von 49) der Reise abgeschlossen und die Bilder in die Galerien hochgeladen.

So viele Bilder zu sortieren, auszuwählen und schlussendlich zu bearbeiten brauchte halt seine Zeit. Dazu kommt, dass ich im September für zwei Wochen auf einem Roadtrip in Island war. Dort sind nicht nur weitere 5’000 Rohbilder entstanden, die auch auf ihre Bearbeitung warten.
In dieser Zeit habe ich natürlich nicht an den Bildern aus Schweden & Dänemark gearbeitet.

Nun sind in den Galerien also alle Bilder bis und mit dem 25. Reisetag hochgeladen. Von den restlichen 24 Tagen sind im Moment die Bilder hochgeladen, die ich unterwegs bearbeitet hatte.
Da werde ich nach und nach weitere Bilder hochladen.

Stay tuned.

Island 2023: Wieder zu Hause

Island_flag

Seit einer Woche bin ich nun wieder zu Hause. Die diesjährige Islandreise ist leider Geschichte.
Das waren dreizehn Tage, zwölf Übernachtungen in neun Hotels, fast 2’000 km im Mietwagen Mitsubishi Eclipse Cross PHEV, über 150 Liter Benzin, fast jede Form isländischen Wetters und rund 5’000 Bilder.

Ich hatte nicht erwartet, im Herbst so viele tolle Tage mit schönem Wetter zu erleben.
Die Reise bot mir einige Highlights wie z.B die stärksten und hellsten Nordlichter, die ich je gesehen habe, und das zwei Nächte hintereinander. Oder die Whalewatching-Tour in der Skjálfandi Bucht bei Húsavík, auf der wir nicht nur mehrere Buckelwale beobachten konnten, sondern fast eine Stunde von einem Schwarm Streifendelphine begleitet wurden. Und ich fuhr wieder stundenlang durch sehr besondere, schöne Landschaften, unter anderem durch das Eldhraun, das grösste Lavafeld der Welt.

Es regnete auf dieser Reise bloss zweieinhalb Tage, wobei an einem Tag in Ostisland so heftiger Regen niederging, dass in Seyðisfjörður mehrere Bereiche im Dorf evakuiert werden mussten, weil befürchtet wurde, dass sich an den Berghängen Schlammlawinen lösen würden, welche bis ins Dorf kommen könnten.
Das passierte dort zuletzt am 18. Dezember 2020, als eine Schlammlawine 13 Häuser des Dorfes wegriss. Damals gab es zum Glück keine Personenschäden.

Und ich erlebte an der Südküste, wo es praktisch immer windet, einen Tag mit Sturmböen von bis zu 100 km/h. Das macht mir im Grunde nichts aus. Man muss sich darauf einstellen und ein paar Vorsichtsmassnahmen ergreifen. Solange man nicht mit einem Camper, Wohnwagen oder Lastwagen unterwegs ist, kann man in der Regel fahren.
Man sollte zum Beispiel nicht mit dem Rücken zum Wind parkieren, da der Wind beim Öffnen der Autotür diese einem aus der Hand reissen und komplett aufklappen kann, was zu erheblichen Schäden an der Tür und dem Kotflügel führen kann.
Aber ich habe Respekt und bin sehr vorsichtig, wenn die geologischen Bedingungen zusammen mit starken Winden die Möglichkeit eines Sandsturmes ergeben. Gerade in den Sandwüsten und Lavafeldern an der Südküste gibt es diese Phänomen gerne mal. Schäden am Auto, die durch Sandstürme entstehen, zum Beispiel zerkratzter Lack, sind durch keine Versicherung gedeckt. Das kann dann recht teuer werden.

Der Rest der Reise war geprägt von schönem Wetter. Besonders an den letzten beiden Tagen sah man kein Wölkchen am Himmel. Der war einfach nur blau und die Sonne schien.

Die gut 5’000 Bilder, die ich mit verschiedenen Kameras gemacht habe, warten nun auf Sortierung, Auswahl und Bearbeitung.
Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis ich das in Angriff nehmen kann, da ich zur Zeit immer noch mit den Bildern meiner langen Reise durch Schweden und Dänemark beschäftigt bin.
Ich habe aber unterwegs jeden Tag bereits ein paar Bilder aus Island bearbeitet und hochgeladen. Man findet sie in den Galerien hier im Blog oder auf meiner neuen Homepage.

Unterwegs habe ich die drei Bücher von zwei isländischen Autoren gelesen:
Joachim B. Schmidt ist ein Schweizer Autor, der nach Island ausgewandert ist, und mit seiner Familie in Reykjavík lebt und auch dort arbeitet. Er hat auch die isländische Staatsbürgerschaft angenommen.
Seine Figur Kalmann ist ein etwas zurückgebliebener junger Mann, der in Raufarhöfn lebt, eines der wohl abgelegensten Dörfer in Nordostisland. Der erste Kalmann Roman war ein Erfolg und „Kalmann und der schlafende Berg“ ist nun das Folgewerk. Ich bin ein erklärter Fan von Kalmann und würde gerne einen dritten Roman lesen…
Ragnar Jónasson ist ein isländischer Krimiautor und Jurist. Seine Figur Ari Þór Arason ist ein junger Polizist, der nach der Ausbildung in Reykjavík nach Siglufjörður zieht, einem kleinen Dorf im Norden Islands, um dort seine erstes Stelle als Polizist anzutreten.
Jónasson gilt als Mitbegründer des „Nordic Noir„, dem skandinavischen Krimistil. Weitere Autoren des Nordic Noir, die ich kenne, sind Jussi Adler Olsen, Jo Nesbø und Henning Mankell. Ich mag diesen Stil sehr.

Das Besondere an den Romanen von Schmidt und Jónasson ist, dass ich die Orte, an denen sie spielen, alle schon mehrfach besucht habe. Ich kenne Raufarhöfn genauso wie Siglufjörður, war mehrfach in Reykjavík, Akureyri und Dalvík, und ich bin auch schon mehrere Male über die Lágheiði gefahren.
Damit entsteht beim Lesen ein besonderes Szenario vor dem geistigen Auge. Das macht diese Bücher für mich besonders interessant.

Buchtitel
Meine Reiseliteratur

Stay tuned.

Island 2023: Das schöne Wetter hält an

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Heute war der letzte Tag meiner diesjährigen Islandreise. Morgen geht’s leider schon wieder nach Hause.
Island verabschiedete sich mit Prachtwetter. Den ganzen Tag durch habe ich nicht eine einzige Wolke am Himmel gesehen. Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel waren angesagt. 🙂
Wer nun glaubt, man hätte sonnenbaden können, irrt sich.
Ein relativ starker, bissiger Wind macht es durchaus notwendig, sich richtig anzuziehen. Wenn man allerdings ein windgeschützte Ecke fand, zu der die Sonne hin schien, kam man durchaus auf angenehme Herbsttemperaturen.

Auf meinem Weg zum Flughafen habe ich wieder ein paar Orte besucht, die ich von verschiedenen Besuchen durchaus schon kannte. Aber ich war noch nie am Morgen dort (so wie ich gestern mehrere Orte an der Südküste zu ersten Mal in der Abendsonne sah). Dadurch kriegte ich den Gullfoss, den Strokkur und den Kerið Krater in einem anderen Licht vor die Linse. Ausserdem versuchte ich, die Aufnahmen von anderen Punkten aus zu machen, als dass ich dies früher tat.

Am Nachmittag fuhr ich dann wie immer gemütlich entlang der Reykjanes Halbinsel Richtung Westen zum Flughafen Keflavík. Ich ziehe die Route über die Strasse 427 im Süden der Halbinsel der Schnellstrasse 43 im Norden vor. Im Süden hat es viel weniger Verkehr und man fährt durch grosse Lava-Felder. Und ich habe zwei Cafés an dieser Route, bei denen ich immer gerne eine kurzen Halt mache.

Die Reykjanes Halbinsel gilt als das heisseste Gebiet Islands. Hier kocht buchstäblich die Erde. Es gibt viele heisse Quellen und beim Geothermalgebiet Gunnuhver steht sogar ein Kraftwerk, das den heissen Dampf in Energie umwandelt. Und nicht zu vergessen: Die berühmte „Blaue Lagune“ befindet sich auch hier.
„Vulkantechnisch“ war es aber lange ruhig, bis 2021 nach 800 Jahren wieder ein Vulkan ausbrach. Auch wenn dieser Ausbruch nur ein paar Monate dauerte, scheint er doch der Beginn einer Serie von Ausbrüchen gewesen zu sein. Seither hat es in dem Gebiet jedes Jahr einen Ausbruch gegeben.

Nun sitze ich hier am Flughafen Keflavík in meinem Hotelzimmer und packe meine Koffer.
Bald muss ich ins Bett, denn mein Flug geht morgen um 07:20 Ortszeit.
Erfahrungsgemäss ist aber um 05:00 am Flughafen schon ziemlich viel los. Vor zwei Jahren bin ich über eine Stunde an der Gepäckabgabe angestanden. Es lohnt sich also, auch hier früh am Flughafen zu sein.

Island_23_12_0037932
Strokkur

Stay tuned.

Island 2023: Ein sonniger Tag an der Südküste

Island_flag

Island hat sich heute ‚mal wieder von der besten Seite gezeigt. Und gleichzeitig auch demonstriert, wie schnell sich das isländische Wetter ändern kann. 😉

Am Morgen, als ich in Vík losfuhr, war der Himmel noch bedeckt und es wehte ein moderater Wind. Der Wind blieb den ganzen Tag über, aber die Wolken verzogen sich bald einmal und nach nur 10 Minuten Fahrt entschloss ich mich, wegen des schönen Wetters von meiner Route abzuweichen und zum schwarzen Strand von Reynisfjara zu fahren. Der Sand dort ist nicht weiss (oder bräunlich), er ist schwarz.
Vor Ort musste ich feststellen, dass seit letztem Jahr ein Bezahlsystem fürs Parkieren eingerichtet worden war. Man kassiert also jetzt auch dort. Der Gerechtigkeit halber muss ich aber auch sagen, dass die Qualität von Strasse und Parkplatz um einiges besser geworden ist. Das muss auch erst einmal gemacht und bezahlt werden.
Die gefährlichen Sneaker-Waves kamen heute nicht so weit ins Land hinein, dass ein Unfall zu befürchten war, und jemand ins Meer gezogen würde. Obwohl es auch heute LEute gab, die ausprobieren mussten, wie weit sie ans Wasser gehen konnten, ohne nasse Füsse zu kriegen.
In den letzten zwei Jahren sind hier drei Touristen von den Wellen erfasst worden und ertrunken, weil sie die Warnsignale ignoriert hatten.
Diese Warnsignale (aktuell war Gefahrenstuf gelb [2 von 3] aktiv) wurden auch heute fleissig ignoriert, besonders von meinen Lieblingstouristen aus Fernost. Aber leider erfüllte sich meine Hoffnung nicht, dass eine oder einer dieser rücksichtslosen Genies nasse Füsse kriegen oder vielleicht sogar ein Bad im Meer nehmen würde. Eigentlich schade, denn nur so lernen die Leute…

Von Reynisfjara kam ich nur gerade 20 Minuten Fahrt weiter, denn auch wegen des guten Wetters fuhr ich nach sechs Jahren wieder einmal zum Leuchtturm von Dyrhólaey hoch.
Der Leuchtturm liegt auf einem kleinen Berg, von dem man bei schönem Wetter eine phantastische Aussicht über die Südküste hat.
Ausserden ist Dyrhólaey der südlichste Punkt der isländischen Hauptinsel.
Vor sechs Jahren führte eine mit Schläglöchern gespickte Naturstrasse zum Leuchtturm hoch. Man kam nur mit 4×4 Pw hinauf.
Das ist heute leider anders. Inzwischen wurde eine zweispurige Strasse gebaut und oben befindet sich ein geteerter Parkplatz. Nun kommt leider jeder Idiot mit dem kleinsten Fahrzeug dort hinauf und auch für Camper und Kleinbusse ist es kein Problem mehr. Eigentlich schade. 😦

Von Dyrhólaey ging es dann auf der Ringstrasse weiter Richtung Westen. Ich liess mehrere Sehenswürdigkeiten aus, denn die Strecke ist derart mit interessanten Orten gespickt, dass ich wohl jetzt noch dort wäre, wenn ich überall Halt gemacht hätte.

Aber ich besuchte den Skogafoss und den Seljalandsfoss, die beide wohl grössten Touristenmagneten an der Südküste. Beide dieser Wasserfälle haben eine Fallhöhe von gut 60 Metern.
Beim Skogafoss kann man auf einer Treppe zum Scheitelpunkt hoch gehen, und hat von dort eine sensationelle Aussicht entlang der Südküste bis weit nach Osten.
Beim Seljalandsfoss kann man hinter dem Wasserfall hindurchgehen. Ich empfehle aber jedem, der das machen will, wasserdichte Kleider anzuziehen. Die Winde verwandeln diese Wasserfälle auch in gewaltige Duschen, und wenn man zu nahe kommt, wird braucht man anschliessend ein grosses Handtuch. Auf jeden Fall sahen heute die Leute, welche hinter dem Wasserfall durchgingen, aus wie begossene Pudel. 😉
Beide Wasserfälle wurden von der Mittagssonne heute wunderbar ausgeleuchtet, und so entstanden in der vom Wind weitherum verteilten Gischt Regenbogen.

Morgen ist der letzte Tag meiner diesjährigen Islandreise. Am Abend werde ich am Flughafen Keflavík das Mietauto zurückgeben und im Flughafenhotel Aurora Star einchecken. Mein Flug am Freitag zurück nach Zürich geht um 07:20

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Die isländische Südküste

Stay tuned.