Island 2020: Wenn ein starker Wind Dein bester Freund ist

Island_flagHeute habe ich die „Zusatzrunde“ gedreht, die ich eingebaut hatte, nachdem kurz vor meiner Abreise mein Rückflug ausfiel, und ich dadurch zwei Tage später zurückfliegen werde.
Allerdings tönt „Zusatzrunde“ ein wenig nach Notprogramm, das man sonst nicht gemacht hätte. Der Eindruck wäre allerdings komplett daneben, denn auf meiner heutigen Tour lagen einige sehr beeindruckende Orte.

Von Húsavík fuhr ich erst einmal nord- und dann ostwärts und machte einen kurzen Stopp am Eingang der Ásbyrgi. Das ist eine hufeisenförmige Schlucht, die besonders bei Campern und Wanderern beliebt ist.
Allerdings habe ich auf das Erstere keine Lust, und zweitens hatte ich heute die Zeit nicht, drei bis vier Stunden in die Schlucht Wandern zu gehen. Nachdem ich die Schlucht heute gesehen habe, muss ich mir bei einer nächsten Reise überlegen, in der Nähe eine Unterkunft zu suchen, damit dann mehr Zeit bliebt, diese Gegend zu Fuss zu erkunden.

Danach fuhr ich südwärts zum Dettifoss. Dieser Wasserfall ist hundert Meter briet und 45 m hoch, und im Sommer fliessen dort ca 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Kante. Das macht ihn zum leistungsstärkste Wasserfall Europas, knapp vor dem Rheinfall.
Zum Dettifoss kommt über eine von zwei Strassen: Die im Westen ist asphaltiert und es hat einen grosszügigen Parkplatz in der Nähe des Wasserfalls. So können dorthin auch grosse Gruppen mit Bussen hingebracht werden. Auf der Seite war ich vor zwei Jahren, als schon Schnee lag. Und habe mich damals köstlich über die komischen Touristen amüsiert, die offenbar keine Ahnung hatten, wohin sie kamen, und bei Null Grad mit Sari und Sandalen aus dem Bus in den Schnee stiegen.
Daher entschied ich mich, diese Mal auf der östlichen Strasse nach Süden zu fahren, und mir den Wasserfall von der anderen Seite anzuschauen. Das Besondere hier ist, dass dieses Strasse nicht geteert und am Besten mit einem Offroader zu befahren ist. Die Einheimischen in der Ásbyrgi, mit denen ich sprach, sagten, die Strasse sei in einem „sehr schlechten“ Zustand. Nun ja, es hat ein bisschen geholpert, aber ich bin mit dem Landcruiser ganz gut durchgekommen. Und beim Wasserfall gibt es auch einen Parkplatz, aber da waren nur eine Handvoll Autos. Von dort muss man zehn Minuten über Stock und Stein gehen, um zum Wasserfall zu gelangen.

Vom Dettifoss ging’s dann weiter zur Krafla. Dieses Vulkansystem ist sehr aktiv. Der Kratersee im Zentralvulkan ist zwar ruhig, aber unter dem Vulkan steht ein grosses Kraftwerk, zu dem aus allen Richtungen grosse Leitungen führen, mit denen die Erdwärme des Vulkans offenbar gesammelt wird.

Ebenfalls zur Krafla, und nur ein paar Kilometer vom Zentralvulkan entfernt, gehört das Geothermalgebiet Hverir beim Pass Námaskarð. Hier kommt 100 Grad heisses Wasser aus dem Boden. Das ist Regenwasser, das versickert, aufgeheizt wird und heiss wieder an die Oberfläche kommt. Einige der Quellen dort schleudern regelmässig heissen Schlamm aus.
Es empfiehlt sich sehr, hinter den Abschrankungen zu bleiben, und den Quellen nicht zu nahe zu kommen. Was passiert, wenn man sich nicht daran hält, hat mir vor einigen Tagen ein Spanier auf seinem Handy gezeigt: Eine junge Britin ist in eine dieser Quellen gestanden, weil sie ein besseres Foto machen wollte. Der Spanier erzählte, sie hätte geschrien wie am Spiess und ihre Beine – das konnte man auf den Bildern sehen – seien feuerrot gewesen. Wie kann man nur so blöd sein. Deren Ferien waren vorbei und endeten im Krankenhaus – für ein Bildchen.
Nun, wer nicht hören will, der muss halt fühlen. Mein Mitleid hält bei solchen Sachen sehr in Grenzen…

Dass Hverir ganz nahe am Mývatn liegt, kriegte ich heute zu spüren, sobald ich aus dem Auto stieg.
Wenn es windstill war, war ich sofort von Hunderten kleiner Mücken umschwirrt. Und die Biester versuchten, in Mund Nase und Ohren zu kriechen. Sobald es aber Wind hatte, waren sie weg. Und je näher ich dem Myvatn kam, umso schlimmer wurde es.
Ich musste mich maskieren, damit die Biester nicht überall hinein krochen. Offenbar werden die durch Kohlendioxid angeregt. Und das gibt es nicht nur bei Vulkanen in grösseren Mengen. Wir atmen es auch aus…
Dabei ist nicht einmal mehr grosse Saison für die Viecher. Normalerweise sind die im Juni/Juli so zahlreich, dass sie richtiggehend schwarze Wolken über dem See bilden. Und die Bewohner der Gegend tragen im Freien Mückennetze.
Ich vermute, das anhaltend gute Wetter hat es begünstigt, dass die Mücken immer noch so stark fliegen.
Die Gegend um den Mývatn ist wunderschön, und es gibt sehr vieles, das es wert ist, auszusteigen und zu besuchen. Das weiss ich von meinem letzten Besuch hier. Aber heute fuhr ich mit geschlossenen Fenster einfach nur durch.
Übrigens: Mývatn heisst übersetzt Mückensee… 😉

Nach einem kurzen Kaffehalt beim Goðafoss (dieses Mal wirklich nur für den Kaffee), fuhr ich weiter nach Akureyri, der zweitgrössten Stadt Islands. Hier bleibe ich für die Nacht.

Morgen geht es dann Richtung Süden. Meine Route führt über die Hochlandstrasse Kjölur oder Kjalvegur (F35) und endet im Sel Guesthouse, wo ich bisher auf jeder meiner Islandreisen abgestiegen bin. Unterwegs komme ich auch am Gullfoss und dem Strokkur, dem grossen Geysir vorbei. Wenn das Wetter gut ist und ich genügend Zeit habe, werde ich dort auch noch anhalten.

Stay tuned.

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