Island 2022: Der Roadtrip hat begonnen

Island_flagHeute habe ich die erste Etappe meines 20-tägigen Roadtrips unter die Räder genommen.

Als erstes bin ich allerdings heute morgen in Reykjavík nach dem Auschecken im Hotel mit dem Landcruiser noch einmal zu Europcar gefahren, weil die Reifendrucklampe immer noch brannte.
Es waren natürlich andere Leute da als gestern. Aber die schienen ihren Job zu verstehen. Es dauerte nicht lange, bis klar war, wo das Problem lag: Das Reserverad hatte nicht genug Druck. Vermutlich war es beschädigt. Solange man damit keine Panne hat, eigentlich kein Problem. Aber wenn…
Damit konnte ich also nicht losfahren.
Für die Reparatur hätten wir woanders in der Stadt hinfahren müssen und das hätte alles in allem eine Stunde gedauert. Da entschied der Chef dort, mir einen anderen Wagen zu geben.
Nun fahre ich einen neuen Ford Explorer Hybrid 4WD. Umso besser. Es hatte sich also gelohnt, hartnäckig zu bleiben. 🙂

Ich fahre nun erst einmal Richtung Norden. Meine erste Etappe heute war mit ca 150 km eher kurz. Aber das liess mir mehr Zeit in Þingvellir und auf der Kaldidalur. Ich musste spätestens um halb vier bei der Lavahöhle Viðgelmir sein, denn dort hatte ich eine Besichtigung um 16:00 gebucht.
Bei Þingvellir war um halb elf der Teufel los, als ich ankam. Ich zählte mindestens 6 Busse am oberen Parkplatz und die PW Parkplätze waren auch voll. Wie viel zusätzlich an den anderen zwei Zugangsorten los war, konnte ich nur erahnen. Das gesamte für Gelände, das für Touristen zugänglich ist, erstreckt sich über gut 2 km. Um rund herum gibt es mehrere grosse Parkplätze.
Der Ort war also sehr gut besucht, auch wenn nicht alle weiter als vom Parkplatz zum ersten Aussichtspunkt gingen.
Am mühsamsten erwiesen sich wieder einmal die Reisegruppen, die wie Lemminge einem Führer nachgehen. So verteilen sich die vielen Leute leider nicht, und es kommt vor, dass solche Gruppen einen Aussichtspunkt richtiggehend verstopfen.
Erneut ist mir aufgefallen, dass kaum Asiaten hier sind. Dafür alle anderen möglichen Nationen. Zum ersten Mal habe ich gestern und heute je eine Gruppe aus Israel gesehen.
Das Spannendste geschah eine Stunde später, als alle Busse fast gleichzeitig abfuhren. Der Ort war zwar nicht gerade ausgestorben, aber man hatte plötzlich Platz. Und vor den WCs und an der Kasse des Imbissstandes gab es auch keine Schlangen mehr.
Þingvellir ist für Island schon fast ein heiliger Ort. Hier tagte schon vor tausend Jahren das wohl erste Parlament der Welt. Hier hielt man auch damals schon Gericht und richtet auch Leute hin.
Und hier wurde 1944 die Unabhängigkeit ausgerufen.
Zudem ist der Ort geologisch von Bedeutung: Hier sieht man den Graben zwischen der europäischen und der nordamerikanischen, tektonischen Platte.
Von Reykjavík aus ist Þingvellir mit dem Bus in gut einer Stunde erreichbar, mit dem Pw geht es sogar schneller. Logisch, dass jeder Touranbieter Þingvellir in seinem Programm hat.

Weil ich genügend Zeit hatte, entschied ich mich, anstatt auf der normalen Strasse weiter nach Norden zu fahren, die Kaldidalur unter die Räder zu nehmen. Kaldidalur heisst „kaltes Tal“. Die Strasse F550, die durch dieses Tal führt, nennt man auch so.
Die F550 ist eine einfach zu fahrende Hochlandpiste, auf der keine Furten zu durchqueren sind. Der Strassenzustand ist im Allgemeinen ganz gut, aber trotzdem darf man nur mit 4×4 SUV durchfahren. Und schneller als durchschnittlich 40 km/h kommt man auch nicht vorwärts. Es hat doch einige Schlaglöcher und Schwellen. Ausserdem liegen auch immer wieder mehr oder weniger grosse Steine auf der Strasse.
Aber ich fahre die Strecke ganz gerne. Sie ist nicht allzu lange (trotzdem empfiehlt sich ein grösserer, gut gefederter SUV), und ich finde die Aussicht immer ganz besonders. Man kommt auf ca 7 km an den Langjökull heran, den zweitgrössten Gletscher Islands.
Ansonsten ist es halt bergig und man fährt durch eine Steinwüste. Irgendwie hat man das Gefühl, durch eine völlig andere Welt zu fahren.

Mein Ziel war heute Viðgelmir, die längste Lavahöhle Islands und eine der grössten Lavahöhlen weltweit.
Der Name heisst übersetzt „weiter Wurm„. Offenbar glaubten die Leute früher, dass ein riesiger Wurm diesen 1.6 km langen Tunnel in die Lava gegraben hatte.
Nun, es war die Lava selbst. Aufgrund von Abkühlungen an der Oberfläche eines Lavaflusses erstarrt diese, und darunter fliesst die Lava weiter. Ein völlig normales Phänomen. Von diesen Höhlen gibt es in jedem Lavafeld mehrere.
Hier war die Tunneldecke an einer Stelle durchgebrochen, wodurch man die Höhle überhaupt entdeckte. Und dieser Durchbruch machte die Höhle auch zugänglich.
Wie fast alles Land in Island, ist auch dieses Lavafeld in privaten Händen. Somit kommt man nur mit (bezahlter Führung) in die Höhle.
In ca der Hälfte der Höhle sind Holzstege und -treppen eingebaut, auf denen man sich einfach und sicher bewegen kann. Es hat eingebaute Beleuchtungen und jeder Besucher kriegt einen Helm mit Stirnlampe.
Ich war zu früh da und hatte mich darauf eingestellt, noch über eine Stunde warten zu müssen. Aber da die Führung um 15:00 nicht ausgebucht war, bot man mir an, mich auf für diese Führung (anstatt erst um 16:00) umzubuchen.
Wir waren eine Gruppe von ca 12 Leuten. Unser Führer war ein deutscher Geologiestudent, der seit drei Jahren in Island lebt und studiert. Überall in der Höhle wies er auf Besonderheiten hin und gab immer wieder Erklärungen ab, wie diese Höhle und das Gestein entstanden war.
Er kannte auch isländische Sagen um die Höhle. Angeblich hatte der Gott Thor einen unartigen Riesentroll in dieser Höhle eingesperrt. Wir sind ihm allerdings nicht begegnet… 😉

Nun bin ich im Fosshotel Reykholt abgestiegen und morgen geht’s weiter Richtung Norden, auf die Halbinsel und Nationalpark Snæfellsnes. Dort bleibe ich zwei Tage, bevor ich mit der Fähre auf die Westfjorde übersetze.

Ford Explorer Hybrid 4WD

Stay tuned.

Island 2022: Ein sonniger Tag in Reykjavík

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Heute genoss ich einen entspannten Sonntag in Reykjavík.

Es war ziemlich ruhig in der Stadt. Da abgesehen von den Betrieben, die vom Tourismus leben, praktisch niemand arbeitete, gab es kaum Verkehr. Selbstverständlich waren die Hotspots für die Touristen gut besucht, denn es ist im Moment immer noch Hochsaison.
Das merkt man sowohl im Hotel wie auch in den Strassen und Restaurants. Grössere Reisegruppen aus den USA und Europa (grössere Gruppen von Asiaten habe ich bisher noch keine gesehen), die meisten gefühlt im Rentenalter, werden mit Bussen durch die Stadt gefahren und stürmen am Abend im Hotel das Buffet, oft mit Gehstock und Rollator.
Mein Hotel hat übrigens 14 Stockwerke. Da haben eine Menge Touristen platz. Und der Esssaal ist so gross, dass man um 19:00 als Einzelperson eigentlich immer einen Tisch findet.

Um 16:00 hat mich dann eine Mitarbeiterin von Europcar abgeholt und zum Stadtflughafen gebracht, wo ich meinen Mietwagen übernehmen konnte. Zu meiner Freude war es wieder ein Toyota Landcruiser, wie schon im vorletzten Jahr.
Das Ding ist schon sehr gross. Im Stadtverkehr möchte ich ihn eigentlich nicht immer fahren. Aber auf Schotterpisten und auf Landstrassen ist es das Beste, das man haben kann. Ich mag ihn, auch wenn der Verbrauch etwas höher liegt als bei den SUVs, die ich sonst habe.

Leider zeigte der Wagen bei der Übernahme ein paar Macken. So meinte das Bordsystem, in 346 km sei der nächste Ölwechsel fällig. Das geht für mich natürlich nicht, denn ich habe ca 2’500km vor mir, so wie ich die Route geplant habe. Und ich kann nicht unterwegs in eine Garage zum Ölwechsel.
Aber die bei Europcar winkten ab: Das mache nichts. Sie würden immer bis zu 3’000km überziehen. Da passiere nichts. OK, wenn die das sagen. Wir werden sehen.
Als nächstes leuchtete die Warnlampe für den Reifendruck. Da haben sie alle Reifen noch einmal kontrolliert: Alles In Ordnung. Der Druck stimmte. Vermutlich spinnt der Sensor.
So etwas hatte ich in  Norwegen schon einmal. Die Lampe hat zwei Wochen lange geleuchtet, aber es war nichts.
Auf der anderen Seite hatte ich vor zwei Jahren einen Platten, nachdem dieses Signal aufgeleuchtet hatte.
Es kann also nichts oder alles bedeuten.
Nun steht der Wagen hier beim Hotel um die Ecke auf einem öffentlichen Parkplatz. Ich kontrolliere morgen die Reifen und fahre allenfalls noch einmal zu Europcar. Morgen sei ein Reifenspezialist anwesend, hiess es. Der könne vielleicht herausfinden, was los ist.

Morgen beginnt somit mein Roadtrip. Einmal rund um Island, mit Abstechern. Ich besuche Snæfellsnes, die Westfjorde, den Norden, die Ostfjorde und die Südküste. Dieses Mal fahre ich im Uhrzeigersinn.
Und ich fahre nicht ständig auf der Hringvegur (Ringstrasse). Ich habe genug Zeit eingeplant, um Abstecher zu machen, respektiv auf kleineren Strassen zu fahren. Da Sommer ist, sind die Strassen ins Hochland offen, was auch einige Abstecher dort hinauf erlaubt.

Im Moment ist das Wetter gut. Heute hatten wir den ganzen Tag Sonnenschein. Und wenn es nicht gerade ein bisschen windete, war es angenehm warm, also um die 13 Grad Celsius.
Morgen soll es auch noch so sein, aber am Mittwoch kommt der Regen zurück.
Island hat heuer das zweinasseste Jahr seit Messbeginn. Also ist auch in den folgenden Tagen und Wochen ab und zu mit etwas Regen zu rechnen.

Harpa Concerthall

Stay tuned.

Island 2022: zurück nach Island

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Heute ging mein Aufenthalt in Grönland zu Ende.
Ich bin wieder zurück nach Island geflogen, wo ich nun einen dreiwöchigen Roadtrip starte.
Ich bin nun im Fosshotel Reykjavík abgestiegen, einem grossen, brandneuen Hotel in der Innenstadt. Das Hotel ist so neu, dass man auf Google Maps nur die Baustelle sieht. Ich habe ein schönes Zimmer im siebten Stock mit Blick auf das Meer und die Harpa Konzerthalle.

Die Reise verlief absolut problemlos, ausser dass ich das Pech hatte, während der ganzen Reise meinen Lieblingsitaliener zu geniessen.
Der Typ hat mich fünf Tage auf Grönland genervt mit seiner Vordrängelei, und seinem ewigen Gefrage und Besserwisserei; anstatt zuzuhören und die Anzeigen und Hinweise zu lesen. Schliesslich behauptete er immer, er spreche Englisch (was ich persönlich stark bezweifelte…). Er war mit seiner Frau überall dabei: im Hotel, auf den Ausflügen, beim Abendessen, etc. Das Hotel Arctic ist gross und täglich gibt es zig verschiedene Touren. Dadurch werden die Gäste ganz gut verteilt. Aber warum schaffte es der Kerl immer, am gleichen Ort wie ich zu sein?
Nun musste ich den Typen auch noch auf dem Flug nach Reykjavik ertragen. In einem Flugzeug mit 35 Passagieren und einer Flugbegleiterin. Zum Glück gibt’s Kopfhörer und Musik vom Smartphone. Mir taten die Flugbegleiterin und die Fluggäste ohne Kopfhörer leid.

Der Flughafen Ilulissat ist sehr klein. Trotzdem kommen und gehen geschätzt pro Stunde zwei bis drei Flüge, meistens Inlandflüge sowie zwei Mal pro Tag ein Flug von und nach Island. Es können dort bloss kleinere, zweimotorige Propellermaschinen starten und landen, die je ca 40 Passagiere transportieren können.
Trotzdem mussten wir durch einen Security-Check mit Röntgengerät, bevor wir an Bord durften. Und wer war der Erste, der dort durch ging, weil er eineinhalb Stunden zusammen mit seiner Frau direkt vor dem Gate gewartet hatte? Richtig. Unser lieber, italienisch sprechender Freund. Gebracht hat’s ihm nichts. Auch er musste warten, bis wir losfliegen konnte, nachdem alle anderen Passagiere durch die Kontrolle und an Bord waren.
Aber das Beste kam dann nach der Landung in Reykjavik: 🙂
Nachdem wir auf dem Rollfeld ca 15 Minuten auf den Bus warten mussten, weil im Moment auf dem Flughafen Keflavík sehr viel los war, mussten wir am Gate noch einmal durch eine Security Kontrolle hindurch. Also Handgepäck durch’s Röntgenband, Laptop separat, Gürtel aus der Hose, Uhr weg, und dann durch den „Torbogen“, der hoffentlich nicht biepte.
Die Begründung, die der isländische Beamte dafür lieferte, war simpel: Die Grönländischen Sicherheitschecks würde nicht ihrem Standard entsprechen. Punkt. OK, dann halt. Machen wir doch.
Da wurde es unserem italienischen Freund zu viel. Er begann zu stämpfeln, herum zu zetern und zu reklamieren. „Incredibile“ war das Harmloseste, das er von sich gab.
Ich stand direkt hinter ihm und musste mich in dem Moment sehr zusammenreissen. Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich es geschafft habe, ihm nicht „stai zitto stronzo“ ins Gesicht zu sagen. Dass ich diesen Satz ohne zu überlegen auf der Zunge hatte, dürfte einer der Erfolge meines langjährigen Italienischkurses sein… 😉
Stattdessen drängelte ich mich an ihm vorbei, ging durch die Security und war schliesslich der Erste, der raus kam. Er zeterte hinter mir weiter.
Zum Glück war er dann nicht auch noch auf dem Bus nach Reykjavik oder gar im gleichen Hotel wie ich. Ich denke, ich bin nur erlöst worden. 🙂

Bevor ich zum Gepäckband ging, um meine Koffer in Empfang zu nehmen, musste ich erst noch einen kleinen Abstecher ins Duty-Free machen. Nicht um etwas teures günstiger zu kaufen (das funktioniert an einem Flughafen sowieso nicht). Sondern weil ich gemerkt hatte, dass ich Zahnbürste und Zahnpasta in Grönland nicht eingepackt hatte.
Ich vergesse fast jedes Mal eine Kleinigkeit, wenn ich aus einem Hotel auschecke. Ich weiss nicht, woran das liegt. Ich kontrolliere das leere Zimmer immer, bevor ich gehe. Trotzdem passiert’s immer wieder.
Bisher waren es wirklich Kleinigkeiten, auf die man gut verzichten konnte, resp die sich leicht wieder beschaffen liessen. Heute waren es eben die Zahnbürste und die Zahnpasta. Aber auch das ist bereits wieder in Ordnung gebracht.
Ich hoffe bloss, dass es bei Kleinigkeiten bleibt und nicht eines Tages etwas Wichtigeres, Teureres oder Unersetzliches ist.

Einen kleinen Nachtrag zum Flug über Grönland:
In den letzten Tagen habe ich berichtet, wie ich zwei Mal auf einer Bootstour im Eisfjord war.
Nun, heute im Flugzeug sah ich aus der Luft, wie gross der Eisfjord ist, und wie er mit Eis gefüllt ist. Da kommt man nur mit einem Eisbrecher hinein.
Wir sind nicht im Eisfjord gewesen, wir haben auf den Touren lediglich das äussere Ende angekratzt.

Morgen gibt’s einen entspannten Tag in Reykjavik. Ist ja schliesslich Sonntag. 🙂
Am Abend wird mir entweder mein Mietwagen direkt zum Hotel geliefert, oder ich werde abgeholt, um den Wagen am Flughafen zu übernehmen. Wir werden sehen.
In jedem Fall kann ich am Montag gleich vom Hotel aus auf meinen Roadtrip starten.

Eisfjord

Stay tuned.

Island 2022: Eisberge und Wale

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Ich bin gestern Abend noch auf eine Tour in den Eisfjord gegangen.
Allerdings bin ich zuerst auf dem falschen Schiff gelandet, weil die Veranstalterfirma einen Fehler gemacht hatte und mich der Shuttle zum falschen Schiff gebracht hatte. Das konnte aber rasch korrigiert werden und um 21:30 stachen wir mit 11 Leuten an Bord auf einem kleinen, aber stark motorisierten Boot in See.
Dazu muss vielleicht noch erwähnte werden, dass zwar hier (ca 280 km nördlich des Polarkreises) die Mitternachtssonne für dieses Jahr bereits vorbei ist, dass es aber immer noch nicht richtig dunkel wird. Somit sind Ausflüge zu so später Stunde möglich.
Ausserdem hatte sich das Wetter etwas gebessert, wodurch die Sonne gelegentlich durch die Wolken schien.
Die ganze Gegend um den Eisfjord und der Fjord selber sind seit 2004 UNESCO-Welterbe und stehen daher unter besonderem Schutz.
Diese riesigen Eisberge, die völlig still im Wasser liegen, sich aber durch die Strömung trotzdem bewegen, sind ein gewaltiger Anblick. Man fährt mit dem Boot dazwischen diesen bis 150 Meter hohen Kolossen (wobei nur ca 10% eines Eisberges aus dem Wasser ragen) hindurch und staunt über die vielen verschiedenen Formen, die das Eis gebildet hat. Ab und zu hört man ein Krachen und Knacken. Das ist Luft, die im Eis eingeschlossen ist und nun durch Bewegung und Schmelze entweicht.
Zu nahe darf man den Eisbergen aber nicht kommen. Denn es könnte jederzeit sein, dass ein Eisberg „kalbt„. Damit bezeichnet man den Abbruch eines mehr oder weniger grossen Stücks, das dann selbst zum Eisberg wird. Man will natürlich – wie in den Bergen – nicht von so einem Eissturz getroffen werden. Viel gefährlicher aber sind die Flutwellen, die entstehen können, wenn das Eis ins Wasser fällt. Schon klein scheinende Abbrüche sind mehrere Tonnen schwer und verdrängen leicht eine grosse Wassermasse. Dann ist es ratsam, etwas Abstand zu haben.
Um Mitternacht waren wir dann wieder zurück, um etliche Eindrücke reicher und mit einer vollen Speicherkarte in der Kamera.
Es war übrigens nicht so kalt, wie zu erwarten gewesen war. Richtig angezogen war ich den ganzen Abend auf dem Boot im Freien und habe nie gefroren.

Heute habe ich dann die „Whale Safari“ nachgeholt, die am Dienstag wegen schlechtem Wetter abgesagt worden war.
Also wieder ‚raus aufs Wasser. Dieses Mal mit einem noch kleineren Boot. Wir war bloss sechs Passagiere und zwei einheimische Besatzungsmitglieder.
Der Grund, weshalb die hier meistens mit kleinen Booten operieren, ist schlicht und einfach das Eis. Nicht die grossen Eisberge sind das Problem, sondern die Felder von kleineren und grösseren Eisstücken sowie die kleineren Eisberge, die durchaus so dicht nebeneinander treiben können, dass grössere Schiffe nicht mehr durchkommen würden.
Das Wetter war schön, die meisten Wolken war weg und zum ersten Mal in dieser Woche schien die Sonne. Beste Voraussetzungen also.
Wir sind wieder in den Eisfjord gefahren, und haben tatsächlich drei Mal Buckelwale gesehen. Bei der letzten Begegnung war wir kurzzeitig so nahe an einem der Tiere, dass man es fast berühren hätte können. Das wurde dann aber wohl den Wal zu blöd. Er tauchte einfach ab und ward nicht mehr gesehen.
Ansonsten hatte wir immer hundert und mehr Meter Distanz zu den Tieren. Und selbstverständlich stellte der Bootsführer in der Nähe von Walen den Motor ab. Die Tiere hören das Motorengeräusch sehr gut und verschwinden dann. Zwei Mal haben wir einen Wal aus dem Wasser springen sehen. Buckelwale können  bis zu 15 Meter lang und bis zu 30 Tonnen schwer werden. Es ist ziemlich eindrücklich, diese Masse aus dem Wasser springen zu sehen (und auch zurück zu fallen).
Natürlich habe ich versucht, einige gute Bilder von den Walen zu machen. Jedenfalls wurde auch hier meine Speicherkarte gut gefüllt.
Wir hatten einen schönen Vormittag auf See und hatten drei Mal Wale gesehen: Laut dem englischen Paar, das dabei war, war das eine sehr gute Wal Safari. Schliesslich gibt es absolut keine Garantie, dass man Wale sieht, wenn man eine solche Tour bucht und bezahlt. Und auch das Wetter kann nicht bestellt werden.
Ich bin gespannt, ob die geplante Tour in zwei Wochen in Húsavík an das hier herankommen wird.

Eisfjord

Stay tuned.

Island 2022: Familie „Michael“…

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Heute habe ich wieder einen relativ ruhigen Tag, weil mein heutiger Ausflug erst um 21:00 beginnt. Ich mache sogenanntes „Iceberg Sightseeing“ (so wird die Tour angepriesen) im Icefjord südlich von Ilulissat.
Ich bin gespannt und hoffe auf einige gute Bilder. Es könnte etwas kühler werden als gestern. Aber das stört mich nicht. Ausserdem soll das Wetter besser werden. Davon merkt man allerdings im Moment am Mittag noch nicht viel. Wir werden sehen.

Heute morgen ging ich in die Stadt. Ilulissat ist mit immerhin fast 5’000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Grönlands.
Ich ging durch die Strassen und schaut mich um. Dabei fielen mir bald zwei Dinge auf: Es gibt hier keine Trottoirs und neben vielen Elektroautos fahren hier auffällig viele, vermutlich alte Dieselfahrzeug herum, die ziemlich stinken und wahrscheinlich nie etwas von Dieselfilter oder anderen neuen Gadgets gehört haben.
Abgesehen von einigen Industriebauten und Hotels wird hier fast alles aus Holz gebaut. Bei einem Einfamilienhaus besteht der Keller in der Regel aus Beton und darauf wird dann das Wohnhaus aus Holz gebaut. Jedes Haus hat eine andere Farbe. Das finde ich zumindest sehr hübsch.
Ich fand zudem auch die Kirche, den Supermarkt und das Krankenhaus.
Ich sprach auch mit einer älteren einheimischen Frau, die sich etwas Sonne wünschte. Sie erzählte mir, dass es schon lange her sei, seit es hier in Ilulissat im Winter richtig Schnee gegeben hätte. Das fand ich allerdings kaum zu glauben.
Nach drei Stunden ging ich zurück ins Hotel und mache mir nun einen faulen Nachmittag.

Wenn man alleine reist, hat man mehr Zeit, die anderen Reisenden zu beobachten. Wahrscheinlich fallen einem auch mehr Details auf, die man sonst nicht wahrnehmen würde.
Ich habe jeweils grossen Spass, andere Reisende und ihre Eigenheiten und Ticks zu beobachten. Das kann aber auch, wenn es zu lange geht und/oder zu penetrant ist, von Spass in Ärger umschlagen.
Auf dieser Reise betrifft das neben einem lauten und vordrängelnden Italiener, der keine Ahnung von nichts hat und nie zuhört, vor allem die Familie „Michael“.

Die Familie „Michael“ ist ein Schweizer Paar zwischen 40 und 50 und ihr ca 12-jähriger Sohn Michael. Dem Dialekt nach zu urteilen, kommen die aus der Nordostschweiz.
Die sind mir schon am Flughafen Keflavik aufgefallen, als ich in einem Restaurant zu Abend ass, und anschliessend dort auf meinen Weiterflug nach Ilulissat wartete.
Aufgefallen waren sie mir nicht nur wegen ihrer Masken, die hier und in Island fast niemand mehr trägt (ausser besagtem Italiener und seiner Frau).
Schon im Restaurant am Montagabend ging es am Nebentisch ständig so: „Michael, setzt Dich richtig hin.“ „Michael, nein das machst Du jetzt nicht.“ etc.
Blöderweise gingen die auf den gleichen Flug wie ich und landeten im gleichen Hotel wie ich. Also ging es weiter mit „Michael, Du schaltest das jetzt nicht ein.“ und „Michael, lass‘ die Tasche geschlossen.“ etc. etc.; beim Boarding, im Flugzeug, im Shuttle zum Hotel und in der Hotellobby beim Einchecken.
Und natürlich sehe ich sie, wenn ich Pech habe, auch beim Frühstück resp, wie gestern beim Abendessen: „Michael, isst Deinen Fisch. Der ist so fein.“ „Nein, Michael, Du stehst jetzt nicht auf.“ „Michael, leg‘ das Besteck richtig hin.“ „Michael, mach‘ das nicht noch mal.“ „Michael, ich hab’s Dir schon so oft gesagt, Du sollst das nicht tun. Zum letzten Mal. Wenn Du das noch einmal machst…
Das Beste war, dass Michael anschliessend noch Dessert bekam, obwohl er seinen Fisch kaum angerührt hatte…
Und Michael? Dem scheinen die Tiraden seiner Eltern bei einem Ohr hineinzugehen und (Durchzug) beim anderen wieder hinaus. Also „Göschenen-Airolo„, wie wir schon immer sagten.
Im Gegenteil, er gibt seinen Eltern freche, unhöfliche Antworten, bei denen ich ihm wahrscheinlich längst eine gelangt hätte. Oder ihm seinen Videoplayer und sein iPad auf Dauer weggenommen hätte. Aber die Eltern scheinen das zu akzeptieren und diskutieren stattdessen mit dem Kleinen.
Wie gesagt, es ist eigentlich ganz lustig, zuzuhören. Vor allem, weil die keine Ahnung haben, dass ich Schweizer bin, und alles verstehe.
Und irgendwie möchte ich auch nicht, dass irgend jemand erfährt, dass ich aus dem gleichen Land komme wie die.

Ich hoffe bloss, sie fliegen am Samstag nicht wieder mit mir nach Reykjavik. Sonst werde ich sie wohl erst dort los.

Bin gespannt, was mir in den nächsten drei Wochen sonst noch begegnet. Man sagt ja, Reisen würden den Horizont erweitern.

Ilulissat

Stay tuned.

Island 2022: Ausflug zum Eqi Gletscher

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Heute habe ich den Tagesausflug zum Eqi Gletscher gemacht.
Dieser Gletscher reicht bis zum Meer und ist auch bekannt als der „kalbende“ Gletscher, weil dort ständig grössere oder kleiner Eisstücke ins Meer abbrechen. Wobei „Stücke“ zum grössten Teil eine Untertreibung sind. Oft brechen ganze Eisberge ab, die dann im Meer mit der Strömung bis nach Neufundland gelangen können. Diese Eisberge können durchaus bis 30 Meter aus dem Wasser ragen. Wenn man weiss, dass man von einem Eisberg in der Regel nur ca 10% sieht, kann man sich vorstellen, wie gross gewisse Stücke sein können, die vom Eqi abbrechen.

Die Tour sollte mit der Abholung im Hotel um 08:45 beginnen.
Jedoch war niemand da, um mich abzuholen, resp keiner der drei Shuttles beim Hotel hatte mich auf der Liste. Ca 10 Minuten und zwei Telefonate später tauchte dann doch noch ein Bus für mich auf.
Der brachte mich zu einer Anlegestelle, an der die Besatzung eines relativ kleinen Bootes versucht, einen kleineren Eisberg von der Anlegestelle wegzuziehen, damit sie anlegen und Passagiere an Bord nehmen konnten. Aber als das nicht klappte, fuhren sie weg und mein Fahrer meinte, dass wir jetzt auch in den eigentlichen Hafen fahren müssten, da das Boot nur dort anlegen könnte.
Im Hafen konnten ich und eine deutsch/schweizerische Gruppe dann an Bord gehen. Das Boot manövrierte aus dem Hafen und drehte dann auf.
Der Eqi Gletscher liegt 80 km also 50 Seemeilen nördlich von Ilulissat. Das Boot war mit einem 325 PS Motor ausgerüstet und machte bei ruhiger See und ohne Eis im Wasser gute 28 Knoten (Meilen/h). Leider war die See nicht immer ruhig und das Boot sprang quasi von Welle zu Welle. Ausserdem musste der Bootsführer ständig einen Weg zwischen den Eisbergen suchen und ganzen Feldern von kleinen Eisstücken auf der Wasseroberfläche ausweichen. Also war es nicht immer möglich, mit Maximalgeschwindigkeit zu fahren .
Nach guten zwei Stunden waren wir am Eqi Gletscher angelangt, wo das Wasser völlig ruhig war und auch kein Wind ging. Lediglich ein leichter Regen fiel den ganzen Tag.

Der Eqi Gletscher kommt von Zentralgrönland bis ans Meer. Dort ist er 3.4km breit und das Eis ist zwischen 60 und 160 Meter dick. Es ist absolut faszinierend, vor dieser riesigen Wand aus Eis zu stehen.
Der Gletscher ist ständig in Bewegung. Man hört ständig irgend ein Knacken oder Krachen und von Zeit zu Zeit bricht Eis ab und fällt ins Wasser. Wir stoppten ca einen Kilometer vor dem Gletscher. Die Boote dürfen nicht näher als 750 Meter an den Gletscher heran. Es besteht immer die Gefahr, dass richtig grosse Eisberge abbrechen und ins Wasser fallen. Dies kann im schlimmsten Fall einen richtige Flutwelle auslösen. Dann ist es günstig, wenn man nicht allzu nahe ist und noch rechtzeitig wegfahren kann.
Wir waren zwei Stunden vor Ort. In der Zeit ereigneten sich ständig irgendwelche kleinere Abbrüche, die man meistens erst mitbekam, wenn man sie hörte. Aber das war wegen der Distanz um Gletscher ca 3 Sekunden verzögert.
Wir sahen einen grösseren Abbruch, bei dem unsere Bootsführer sofort den Motor starteten und wegfuhren. Die erzeugte Welle war zwar nicht hoch, aber wenn eine Welle mehrere Kilometer weit geht und dazu führt, dass kleinere Eisberge auseinander brechen, dann ist es ratsam, nicht zu nahe zu sein.
Im Übrigen fand ich es gar nicht so kalt. Ich hatte sogar den Eindruck, dass ich zu viele Kleider angezogen hatte. Das ist selbstverständlich relativ, denn wir hatten Leute an Bord, die froren.
Die ganze Zeit über ging zudem ein leichter Nieselregen runter. Witterungsschutz war also durchaus angesagt.

Nach zwei Stunden fuhren wir wieder zurück, zwischen Eisbergen hindurch und durch ganze Felder kleiner Eisstücke, die auf dem Wasser trieben. Die erinnerten mich ein bisschen an ein Minenfeld.
Und als wir aus der Bucht hinauskamen, fingen auch die Wellen wieder an, was zu den bereits erwähnten Sprüngen des Bootes führte.
Trotz der etwas rauhen Bedingung wurde aber niemanden schlecht. Alle waren bester Laune und genossen die ungewöhnlichen Bilder, die wir zu sehen kriegten.
Aber ich denke, Leute mit Rückenprobleme hätten heute sehr stark gelitten.

Morgen gehe ich noch einmal raus. Dieses Mal auf eine Eisberg Sigthseeing Tour. Ich bin gespannt, wohin es geht. Aber das Besondere daran ist die Zeit: Die Tour findet um 21:00 statt.

Eisberg beim Eqi Gletscher

Stay tuned.

Island 2022: Ein ruhiger Tag in Ilulissat

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Heute war nicht viel los.
Erst einmal war ich nach nicht einmal sechs Stunden Schlaf um halb sechs schon wieder wach. Das schreibe ich hellen Nacht sowie den vier Stunden Zeitverschiebung zu, die ich gestern erlebte habe.
Es gibt zwar keine Mitternachtssonne mehr. Die war Ende Juli vorbei. Aber es wird nach wie vor nicht richtig dunkel. Das kenne ich aus Island und den Lofoten. Ich werde ca drei Nächte brauchen, bis ich mich daran gewöhnt haben werde.

Als ich dann gegen halb zehn hier im Hotel auf den Shuttle wartete, der mich zum Hafen bringen sollte, wo ich auf eine Wal-Safari gehen wollte, teilte man mir mit, dass heute wegen rauher See alle Touren abgesagt wurden. Kein Boot würde heute hinausfahren. Man hätte mich benachrichtigen wollen; leider erfolglos. Ich vermute, das deutsche Reisebüro, das diese Reise verkaufte, hat meine Nummer nicht richtig weitergegeben. Das habe ich nun korrigiert.
Ich konnte zwar die Wal Safari als Ersatz am Freitag buchen. Aber nun hatte ich für heute nichts mehr zu tun.
Ich entschied mich für einen Spaziergang rund um das Hotel und suchte günstige Positionen, von denen man die Eisberg im Fjord vor Ilulissat am besten fotografieren konnte.
Es regnete leicht und es wehte ein zügiger Wind. Also nichts, was einen davon abhalten könnte, nach draussen zu gehen. Man musste sich einfach entsprechend anziehen…

Nach gut eineinhalb Stunden ging ich zurück ins Hotel. Zum Einen, um meine Windjacke, Hose und das Baseballcap zu trocknen, zum Anderen um etwas zu Mittag zu essen.

Am Nachmittag ging ich dann noch einmal raus, weil sich inzwischen das Licht geändert hate, die Wolken nicht mehr so tief hingen und es praktisch aufgehört hatte, zu regnen.

Morgen ist eine Tagestour zum Eqi-Gletscher geplant. Die dauert rund sechs Stunden. Ich hoffe, dass das Wetter (das laut Wetterbericht besser werden soll) und der Seegang es zulassen.

Stay tuned.

Island 2022: Unterwegs nach Grönland

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Meine diesjährige Islandreise beginnt nicht in Island.
Ich bin zwar inzwischen hier am Flughafen Keflavík angekommen. Aber anders als in den letzten Jahren bleibe ich heute Abend nicht in Island. Ich fliege weiter nach Grönland, genauer gesagt nach Ilulissat.
Dort werde ich fünf Tage bleiben und Ausflüge in die Diskobucht zum berühmten Eqi Gletscher sowie eine Walbeobachtungstour machen.
Am Samstag kehre ich dann hierher nach Island zurück, um eine dreiwöchige Roadtour rund um die Insel zu starten.

Nun warte ich hier am Flughafen Keflavík auf meinen Weiterflug nach Ilulissat. Insgesamt habe ich hier fünf Stunden Aufenthalt. Der Flug geht erst um 21:00 Ortszeit und dauert 3 Stunden und 20 Minuten. Die Ankunft in Ilulissat ist um 22:20 (Ortszeit / 02:20 MEZ) geplant. Da Ilulissat vier Stunden gegenüber MEZ zurückliegt, werde ich dann ab Flughafen Zürich 14 Stunden unterwegs gewesen sein.

Apropos Flughafen Zürich: Check In und Sicherheitskontrolle habe ich in weniger als 30 Minuten passiert. Keine Menschenmassen und Schlangen bis auf die Strasse. Man spürt, dass in den meisten Kantonen die Ferien vorbei sind. Am Flughafen war heute im Grunde nicht viel los.

Stay tuned.

Städtereise nach Karlsruhe

Flagge_DeutschlandSeit gestern bin ich in Karlsruhe.
Die Reise hierher war eher ein spontaner Entscheid, denn eigentlich wäre geplant gewesen, das verlängerte Wochenende (und somit auch meinen Geburtstag) in Bremen zu verbringen.
Nachdem aber Lufthansa meinen Flug nach Bremen (genauer München-Bremen, denn es gibt keine direkte Verbindung von Zürich nach Bremen) vier Tage vor Abflug strich, musste kurzfristig eine andere Destination her. Ich cancelte also am Mittwoch Hotel und Flug und begab mich auf die Suche.
Fliegen kam nicht in Frage. Da war mir erstens das Risiko angesichts der gegenwärtigen kritischen Lage im Flugverkehr zu gross, und zweitens hätte eine Zugfahrt nach Bremen rund 9 Stunden gedauert, ohne dass ich einen Sitzplatz hätte reservieren können (war alles schon ausgebucht), weder bei der Hin- noch bei der Rückfahrt. Im schlimmsten Fall hätte ich jeweils neun Stunden auf der Treppe gesessen…
So fiel meine Wahl auf Karlsruhe, weil ich diese Stadt noch nicht kannte (ausser der facebook Seite des Zoos), und weil ich dort in der Innenstadt nahe des Bahnhofs ein bezahlbares, gutes Hotel gefunden hatte und weil die Zugfahrt von und nach Zürich jeweils bloss drei Stunden dauert. Der Zug kostete mich in der 1. Klasse mit reservierten Sitzplätzen bloss Fr. 120.–. Das ist nicht ganz der Betrag, den ich in Bremen für ein Flughafentaxi (hin und zurück) bezahlt hätte. In Karlsruhe konnte ich zu Fuss oder mit der Strassenbahn zum Hotel.

Gestern habe ich mir die Innenstadt zu Fuss ein bisschen angeschaut und vom Hotel zum Marktplatz und zum Schlossplatz gegangen. Dieses Wochenende findet hier das Chorfest Baden 2022 statt. Überall stehen Bühnen, auf denen am Abend Chorkonzerte stattfinden.
Aber auch hier herrschen zur Zeit sehr sommerlich Temperaturen bis zu 30 Grad am Nachmittag. Während es im Schatten ganz angenehm ist, und gelegentlich auch etwas Wind die Luft auffrischt, brennt die Sonne ganz schön. Die Brunnen in der Stadt war gestern eigentlich Planschbecken für Kinder. 🙂

Heute war ich fast fünf Stunden im Zoo. Der heisst hier Zoologischer Stadtgarten Karlsruhe. Der nördliche Teil des Stadtgartens hat tatsächlich wenig mit Zoo zu tun. Es gibt dort zwar einen Streichelzoo für die Kinder, aber ansonsten hauptsächlich Liegewiesen, Blumenrabatten, Verpflegungseinrichtungen und einen grossen Teich, auf dem man Bootsfahrten machen kann.
Der Grossteil der Gehege mit den Zootieren sind im südlichen Teil des Stadtgartens.
Der Zoo ist, gemessen an anderen Zoos (zB Zürich, Basel, München, Duisburg, Hamburg, etc.) eher klein. Aber die Einbettung in den Stadtgarten mit vielen Wiesen und Bäumen macht ihn interessant.
Einige der Gehege sind neuer und grosszügiger, andere wiederum schon recht alt und entsprechen wohl nicht mehr den heutigen Standard. Der Zoo bräuchte wohl einiges an Geld, um alle nötigen Sanierungen machen zu können. Die Giraffenanlage wird zur Zeit umgebaut (und die Giraffen mussten während der Bauzeit in einen anderen Zoo ausquartiert werden), und man sammelt Geld für eine neue Anlage für die Kattas.
In meinen Augen etwas Besonderes ist die Fledermaushöhle im Untergeschoss des Exotenhauses. Dort leben tatsächlich Fledermäuse, die einem um die Ohren fliegen, wenn man hineingeht.
Der Zoo hält aber sehr wenige Reptilien. Ich habe gerade mal zwei Arten von Schlangen gesehen, nämlich eine Königspython sowie Kornnattern. Daneben habe ich mindestens vier Arten der südamerikanischen Baumsteigerfrösche (auch bekannt als Pfeilgiftfrösche) angetroffen.

Nach mehr als vier Stunden ging ich zurück ins Hotel, um mich etwas abzukühlen und meine Bilder zu sichern. Später will ich dann nochmals in die Stadt.

Aber eine ausgedehntere Erkundung inklusive Schloss werde ich wohl morgen machen.

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Stay tuned.

Auffahrt 2022: Immer noch heiss in Florenz

Flagge_ItalienHeute war es, zumindest am Morgen, spürbar etwas kühler hier in Florenz. Es hatte auch deutlich weniger Leute in der Stadt als gestern.
Die Schlangen beim Dom (eigentlich Cattedrale metropolitana di Santa Maria del Fiore), bei der Medici-Kapelle (Cappelle Medicee) und den Uffizien hatte es natürlich trotzdem. Das Warten dürfte aber etwas angenehmer ausgefallen sein als gestern.

Gegen Mittag wurde es aber etwas wärmer (über 30 Grad), obwohl einige Schleierwolken die direkte Sonneneinstrahlung dämpften. Und mit der Hitze machte sich auch die Luftfeuchtigkeit bemerkbar.
Mir lief der Schweiss in Strömen hinunter, und obwohl ich weit mehr als zwei Liter Wasser getrunken hatte, musste ich den ganzen Tag nicht auf die Toilette. Das Wasser verliess den Körper über die Haut.
Schwitzen soll gesund sein, heisst es.
Schwitzen schützt den Körper vor Überhitzung, heisst es. Aber wenn einem die Kleider ständig am Körper kleben und einem die Schweisstropfen permanent in die Augen laufen, ist das alles andere als angenehm. 😦

Ich habe meine Tour heute etwas anders gelegt als gestern, um zu anderen Plätzen in der Stadt zu kommen. Zuerst habe ich die Medici-Kapellen (Cappelle Medicee) angesteuert. Das sind die Grabkapellen des Fürstengeschlechtes der Medici an der Kirche San Lorenzo, einer weiteren, grossen Kirche inmitten der Altstadt. Danach bin ich bis zur Piazza della Repubblica, wo ich für eine Weile in einem der grossen Strassencafés meinen Wasserhaushalt wieder auffüllte. Auf dem Weg dorthin kam ich zwangsläufig am Dom vorbei. Die Schlange vor dem Eingang war noch nicht so lang wie gestern. Allerdings war der Dom auch noch nicht geöffnet.

Von der Piazza gings weiter zu den Uffizien, welche sich in der Nähe der Ponte Vecchio befinden. Im Innenhof, der Piazzale degli Uffizi, herrschte ein reges Treiben. Zig Gruppen, mit und ohne Führer, wuselten herum und vor dem Eingang zu den weltberühmten Galerien hatte sich auch hier eine lange Schlange gebildet, die nur ganz langsam vorwärts kam. Allerding hat man hier den Vorteil, dass es aufgrund der Form des Innenhofs und der Arkaden keine direkte Sonneneinstrahlung gibt. Man steht sozusagen im Schatten an. Immerhin. 🙂
Auf der Piazzale wimmelte es nur so von Strassenkünstler. Es handelte sich vorwiegend um Maler, die entweder versuchten, ihre Landschaftsbilder, welche sie gleich vor Ort erstellten, an den Mann zu bringen, oder anboten, vor Ort gegen Entgelt ein Portrait zu erstellen.
Ich habe einem dieser Maler zugeschaut, wie er mit Kohle ein Portrait (im Format A2-A1) einer Touristin anfertigte. Ich muss sagen, das zeichnerische Können dieses Mannes hat mich beeindruckt.

Von den Uffizien ging ich wieder nach Norden auf die Piazza della Signoria, an welcher der Palazzo Vecchio liegt. Da ich gestern schon hier war, hielt ich mich nicht lange auf der Piazza auf und ging zuerst ohne bestimmtes Ziel weiter.

Bis ich einen Wegweiser zum Casa di Dante (Dante’s Haus) sah. Ich wusste nicht, das Dante Alighieri, der Autor der berühmten Comedia (allgemein als Göttliche Komödie bekannt), auch mal in Florenz gelebt hatte.
Es stellte sich heraus, dass Dante 1265 sogar hier geboren wurde und dieses Haus sein Geburtsort gewesen sein soll. Es steht ungefähr dort, wo das Haus der Familie vermutlich gewesen war, hat aber nichts mehr mit dem ursprünglichen Geburtshaus zu tun. Es ist heute ein Museum rund um Dante.
Wegen politischer Querelen und einem Streit mit dem Papst musste Dante 1302 seine Geburtsstadt verlassen und kam nie mehr zurück. Weil er eine Geldstrafe nicht zahlte, wurde er später in Abwesenheit sogar zum Tode durch Verbrennen verurteilt.
Dante ist einer der bekanntesten Dichter der italienischen Literatur sowie des europäischen Mittelalters. Er überwand mit der in Altitalienisch (bzw. Toskanisch) verfassten Göttlichen Komödie das bis dahin dominierende Latein und führte das Italienische zu einer Literatursprache.

Vom Casa di Dante ging ich über die Piazza del Duomo weiter, bis ich per Zufall die Piazza della Santissima Annunziata entdeckte. Allerdings fand in der Basilica della Santissima Annunziata gerade ein Gottesdienst statt. Daher konnte man die Kirche, in der es kühl gewesen wäre, nicht besichtigen.

Deshalb beschloss ich, auch wegen der drückenden Hitze, langsam Richtung Hotel zu gehen. Unterwegs machte ich noch Halt auf der Piazza San Marco, um etwas Kleines zu essen. Ich hatte zwar wegen der Hitze keinen Hunger, obwohl ich seit dem Frühstück nichts gegessen hatte. Aber von gestern wusste ich, dass ich am Nachmittag irgendwann beträchtlichen Hunger kriegen würde und es dann noch eine ziemliche Weile bis zum Abendessen dauern würde. Also genehmigte ich mir in einem Caffé ein Panino con prosciutto crudo e mozzarella, zusammen mit einer grossen Flasche Wasser. Mehr brachte ich nicht hinunter. 🙂

Nachdem ich mich im klimatisierten Hotel wieder abgekühlt hatte, ging ich am späteren Nachmittag wieder hinaus.
Inzwischen waren dunkle Wolken aufgezogen und ein etwas kühlerer Wind wehte durch die Gassen. Das vom Wetterdienst angekündigt Gewitter schien Realität zu werden.
Es kam auch. Aber viel später und nur sehr kurz, als ich beim Abendessen sass. Der Regen kühlte etwas ab, aber gleichzeitig erhöhte sich die Luftfeuchtigkeit. Fragt sich, was unangenehmer ist.

Einige Bilder von heute konnte ich bereits in die Galerie hochladen.
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Stay tuned.